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Kevin Kuranyi (r.) befindet sich bis Ende Januar mit Dynamo im Trainingslager in Belek © imago

Kevin Kuranyi spricht über seine erste Halbserie mit Dynamo, die WM 2018 und den Terroranschlag in Moskau. Sehnsucht nach Deutschland hat er nicht.

Von Thorsten Mesch

München - Im Mai letzten Jahres gab Kevin Kuranyi seinen Wechsel von Schalke 04 zu Dynamo Moskau bekannt.

Am 31. Juli absolvierte er sein erstes Pflichtspiel für die Russen, und zwei Wochen später erzielte er beim 1:1 bei Zenit St. Petersburg seinen ersten Treffer.

In 16 Partien erzielte der 28-Jährige neun Treffer und wurde von den Fans zum Dynamo-Spieler der Saison gewählt.

Zwar verpasste die Mannschaft die direkte Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb knapp, doch Kuranyi ist zuversichtlich, mit Dynamo weiter nach oben zu kommen (DATENCENTER: Russlands Premier Liga).

Im SPORT1-Interview spricht er darüber, wie er sich in Moskau eingelebt hat, was ihm die Wahl zum Spieler der Saison bedeutet und welche Ziele er mit seinem Verein hat.

Zudem redet der 52-malige deutsche Nationalspieler über die Entwicklung des russischen Fußballs, die WM 2018 und den Terror-Anschlag am Moskauer Flughafen.

Eine Rückkehr in die Bundesliga schließt er momentan aus - und zur Nationalmannschaft sagt der Stürmer: "Das ist gar kein Thema."

SPORT1: Herr Kuranyi, wie haben Sie sich in Moskau eingelebt?

Kevin Kuranyi: Sehr gut. Ich bin über Russland sehr positiv überrascht. Moskau ist eine sehr schöne Stadt, in der es nie langweilig wird. Der Verein und die Mannschaft haben mich gut aufgenommen. Jetzt arbeiten wir dafür, dass wir weiter nach oben kommen.

SPORT1: Das Saisonziel Europacup haben Sie mit Dynamo knapp verpasst.

Kuranyi: Wir haben noch eine kleine Chance. Wir haben noch zwei Spiele im Pokal. Wenn wir die gewinnen, haben wir die Möglichkeit, das internationale Geschäft noch zu erreichen. Aber es wäre natürlich besser gewesen, wenn wir uns direkt qualifiziert hätten.

SPORT1: Sie wurden zum Dynamo-Spieler der Saison gewählt. Was bedeutet Ihnen diese Auszeichnung durch die Fans?

Kuranyi: Es hat mich stolz gemacht, dass ich, obwohl ich erst mitten in der Saison gekommen bin, gewählt wurde. Das heißt, dass ich in diesem halben Jahr wichtig für die Mannschaft war. Das gibt mir noch mehr Motivation, das auch in der nächsten Saison zu schaffen.

SPORT1: Welchen Stellenwert hat Dynamo zu den bekannteren Vereinen wie ZSKA, Spartak Moskau oder Zenit St. Petersburg?

Kuranyi: ZSKA oder St. Petersburg haben sehr viel Geld investiert und internationale Erfolge erreicht. Aber Dynamo ist ein Verein mit Geschichte, der etwas aufbauen will. Dynamo hat ein unglaubliches Trainingsgelände gebaut. Es ist sicher das beste Trainingszentrum in Russland.

SPORT1: Wie sind die russischen Stadien - auch mit Blick auf die Vergabe der WM 2018 nach Russland?

Kuranyi: Im Moment spielen viele Vereine in kleineren Stadien, weil auch weniger Fans kommen als in Deutschland. In Russland kommen im Schnitt nur etwa 15.000 Zuschauer. Aber es wird sehr viel gemacht. Unser Stadion wird in den nächsten drei Jahren renoviert. Es wird sehr viel investiert, um eine gute WM zu präsentieren. Es wird einen Schritt nach vorne geben.

SPORT1: Wie ist die russische Liga im Vergleich zur Bundesliga?

Kuranyi: Natürlich ganz anders. Hier wird sehr viel mit Kraft gespielt, aber die Vereine haben in den letzten Jahren gezeigt, dass sie sich international gut durchsetzen können. Ich glaube, der Fußball hier wird besser und besser.

SPORT1: Früher wurden Spieler mit viel Geld nach Russland gelockt. Ist jetzt auch der sportliche Faktor ein immer größerer Anreiz?

Kuranyi: Gott sei dank. Für mich war es natürlich finanziell ein großer Schritt. Das habe ich auch schon immer gesagt und da bin ich ehrlich. Aber auch das Gesamtpaket mit den sehr guten Voraussetzungen bei Dynamo hat mir den Schritt erleichtert.

SPORT1: Der Terror-Anschlag am Moskauer Flughafen hat weltweit für Trauer und Bestürzung gesorgt. Sie haben die Ereignisse im Trainingslager in der Türkei verfolgt. Wie ist Ihre Reaktion?

Kuranyi: Viele von uns haben ihre Familien und Freunde in Russland. Es ist traurig, wenn man sieht, dass so etwas passiert, und dann noch ganz in der Nähe, aber es hätte überall passieren können. Ich denke, die Sicherheitsvorkehrungen werden verstärkt. Ansonsten versucht man, seine alltäglichen Abläufe beizubehalten.

SPORT1: Käme für Sie momentan eine Rückkehr in die Bundesliga in Frage?

Kuranyi: Ich habe mir momentan gar keine Gedanken darüber gemacht. Ich habe einen Vertrag unterschrieben und fest vor, diesen auch zu erfüllen.

SPORT1: Es gab Meldungen in Deutschland, wonach Sie beim VfL Wolfsburg einen Medizincheck absolviert hätten.

Kuranyi: Das war auf jeden Fall eine Falschmeldung. Ich hatte gar keinen Kontakt mit Wolfsburg oder irgendeinem anderen deutschen Verein in den letzten vier Monaten.

SPORT1: Was sagen Sie zu Raul und Klaas-Jan Huntelaar, Ihren Nachfolgern bei Schalke 04?

Kuranyi: Ich bin zu weit weg, um großartig etwas über Schalke zu sagen. Aber man weiß, dass die beiden Top-Spieler sind und Schalke gute Einkäufe getätigt hat.

SPORT1: Kannten Sie Julian Draxler noch aus Ihrer Zeit auf Schalke?

Kuranyi: Nein, Julian habe ich nicht kennengelernt. Aber ich freue mich, dass Deutschland immer wieder solche Top-Talente herausbringt und es jetzt einer von Schalke ist.

SPORT1: Stuttgart, ein anderer ehemaliger Verein, bei dem Sie gespielt haben, steht ganz unten drin. Schafft der VfB den Klassenerhalt?

Kuranyi: Ich denke, Stuttgart wird es schaffen. Sie haben Qualität in der Mannschaft und einen Top-Trainer geholt, der schon viel gute Arbeit in der Bundesliga geleistet hat.

SPORT1: Ist die Rückkehr in die Nationalmannschaft ein Thema für Sie?

Kuranyi: Das ist gar kein Thema. Der Bundestrainer hat seine Meinung schon geäußert. Ich habe Verständnis dafür und versuche auch, nicht mehr darüber zu reden oder mir Gedanken darüber zu machen.

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