vergrößernverkleinern
Laurent Blanc löste am 1. Juli 2010 Raymond Domenech als Nationalcoach ab © getty

Bei SPORT1 spricht Frankreichs Nationaltrainer Blanc über die Probleme seiner Elf - und lobt seinen deutschen Kollegen.

Von Thorsten Mesch

Paris - Als Spieler hat Laurent Blanc mit der französischen Nationalelf alles gewonnen.

Nun soll der Welt- und Europameister die Equipe Tricolore als Trainer zu neuem Glanz führen.(DATENCENTER: EM-Qualifikation)

Das ist jedoch leichter gesagt als getan. Denn bei der WM 2010 in Südafrika sorgten Les Bleus 338787(DIASHOW: Das neue Frankreich-Trikot) nur durch Skandale für Aufsehen und schieden sang- und klanglos nach der Vorrunde aus.

Im SPORT1-Interview der Woche spricht der 45-Jährige über die Probleme seiner Mannschaft, die Rolle von Franck Ribery, das "neue" DFB-Team und seinen deutschen Lieblingsspieler.

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr: Die News im TV auf SPORT1)

SPORT1: Was hat sich in der französischen Mannschaft geändert, seit Sie Nationaltrainer sind?

Laurent Blanc: Wir haben neue Spieler und, das glaube ich, eine neue Mentalität. Ich hoffe, dass wir auch neue, bessere Ergebnisse haben werden.

SPORT1: Gibt es einen Verein, den Sie sich zum Vorbild nehmen?

Blanc: Da gibt es viele, vor allem die, die gewinnen. Aber es gibt momentan einen Verein, der das Maß der Dinge ist, und das ist der FC Barcelona. Sie gewinnen, haben sehr gute Spieler und eine unglaubliche Spielphilosophie. Ich teile diese Philosophie und ich brauche Spieler, die auch an diese Philosophie glauben.

SPORT1: Warum spielt der französische Fußball momentan nicht die Rolle, die er vor einigen Jahren spielte?

Blanc: Frankreich hat 1998 und 2000 den Weltfußball dominiert, weil wir gute Spieler hatten. Vor allem, weil wir einen herausragenden Spieler hatten: Zinedine Zidane. Jetzt haben wir eine neue Generation mit vielen guten Spielern, aber wir haben noch keinen Spieler, der Zidanes Platz einnehmen kann. Diese neue Generation muss sich selbst definieren.

SPORT1: Hat es in den vergangenen Jahren an Disziplin gemangelt?

Blanc: Es gab mit Sicherheit einen Mangel an Disziplin und Autorität. Aber diese Eigenschaften allein reichen nicht. Man braucht immer noch Talent.

SPORT1: Sie haben unter anderem bei Manchester United gespielt. Hat Sie die Zeit unter Teammanager Sir Alex Ferguson mit Blick auf Ihre Trainerkarriere beeinflusst?

Blanc: Die Zeit in Manchester hat mir geholfen, den Fußball besser analysieren zu können. Sir Alex vertritt die Philosophie, dass jeder Spieler zu allererst sein Talent in den Dienst der Mannschaft stellen muss.

SPORT1: Was verstehen Sie unter dem "schönen Spiel"?

Blanc: Das ist der Fußball, den Mannschaften wie Arsenal oder Barcelona spielen. Sie versuchen, von Anfang bis zum Ende zu kontrollieren ohne den Gegner ins Spielen kommen zu lassen.

SPORT1: Was halten Sie von Ihrem nächsten Gegner Brasilien?

Blanc: Brasilien ist eine sehr gute Mannschaft. Aber wir wollen uns nicht nach Ihnen richten, sondern unser Spiel machen.

SPORT1: Wird Franck Ribery wieder Teil dieses Spiel sein? Wird er zu alter Stärke finden können?

Blanc: Ich hoffe für ihn, für seinen Verein und natürlich auch für die französische Nationalmannschaft, dass er sich vollständig erholt und sobald wie möglich zu seiner vollen Leistungsfähigkeit zurückkehrt.

SPORT1: Was halten Sie von Joachim Löws Fußball-Philosophie?

Blanc: Joachim Löws Arbeit finde ich sehr interessant. Ich bewundere Mannschaften, die versuchen, ein eigenes Spiel zu konstruieren. Unter Löw hat sich das, was man unter der deutschen Philosophie verstand, geändert. Die Mannschaft hat bereits gute Resultate erzielt und ich bin sicher, dass Deutschland in der nahen Zukunft noch mehr erreichen kann. Löws Arbeit ist sehr wertvoll für den deutschen Fußball.

SPORT1: Was hat dem DFB-Team bei der WM in Südafrika noch zum ganz großen Wurf gefehlt?

Blanc: Ein bisschen Reife und etwas Erfahrung.

SPORT1: Wenn Sie sich einen deutschen Spieler für Ihre Mannschaft aussuchen könnten, wen würden Sie wählen?

Blanc: Wenn ich einen deutschen Spieler auswählen dürfte, würde ich Schweinsteiger nehmen. Sein Name ist schwer auszusprechen, aber er ist ein toller Spieler. Auch Thomas Müller gefällt mir sehr.

SPORT1: Ist es gut für Schweinsteigers Karriere, dass er in München verlängert hat?

Blanc: Bayern ist ein toller Verein, der zu den ganz Großen in Europa gehört. Dort kann er international auf höchstem Niveau spielen und Titel gewinnen.

SPORT1: Was halten Sie von Louis van Gaal?

Blanc: Er hat große Erfolge gefeiert. Er hatte in München am Anfang Probleme, aber dann hat er die Meisterschaft und den Pokal gewonnen und das Finale der Champions League erreicht. Er ist einer der großen Trainer in Europa.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel