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Ceasare Prandelli löste im Sommer 2010 Marcello Lippi als Italiens Nationaltrainer ab © getty

Prandelli muss ein neues Team aufbauen. Talente sind in der Serie A aber rar. Gegen Deutschland soll es Motta richten.

Von Mathias Frohnapfel

München - Zugeben würde das Cesare Prandelli nur ungern.

Doch der italienische Nationalcoach schaut vor dem Duell gegen Deutschland (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) neidisch auf Jogi Löw.

Der DFB-Cheftrainer hat die Qual der Wahl und ein unerschöpfliches Reservoir an Talenten.

Prandelli ergeht es dagegen wie einem Einkäufer, der im Supermarkt durch die Reihen stöbert und nichts findet.

"Wir versuchen gerade herauszufinden, ob es Spieler mit großer Perspektive gibt, aber wir haben noch nicht viele gesehen", berichtet Prandelli von seiner mühsamen Aufbauarbeit.

In der voraussichtilchen Startelf gegen Deutschland stehen nur zwei Spieler, die jünger als 25 sind.

Prandelli soll das Gesicht der italienischen Nationalmannschaft neu gestalten.

Und der 52-Jährige soll ein Team finden, das dem fußballvernarrten Land eine "figuraccia" wie beim WM-Vorrundenaus erspart.

Italien auf EM-Kurs

Zumindest in der EM-Qualifikation läuft alles nach Plan, Italien steht in der Gruppe C an der Spitze (DATENCENTER: EM-Qualifikation).

Das Kräftemessen gegen Serbien, den stärksten Rivalen, musste wegen randalierender Fans allerdings ausfallen.

Ins neue Team will Prandelli auch Antonio Cassano integrieren, der nach seinem Aussetzer gegen Sampdorias Präsident Riccardo Garrone bei Milan nun wirklich die allerletzte Chance nutzen soll.

Wie schwierig dagegen die Talentsuche in der Serie A ausfällt, schildert Prandelli gerne mit dem ersten Spiel, das er als frischgebackener Trainer der "Nazionale" im Sommer sah.

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Es war das Supercup-Finale zwischen Inter und Rom. "Von 22 Spielern waren nur drei Italiener", klagt Italiens Trainer.

Auch aus diesem Grund hat Prandelli jetzt Thiago Motta in sein Team berufen.

Der Inter-Spieler ist in Brasilien geboren, hat aber den italienischen Pass. Eine in Italien nicht unumstritten Personalentscheidung.

Prandellis Begründung: "Wir wollen Motta einsetzen, weil wir ein starkes Mittelfeld aufbauen wollen. Motta ist ein wendiger und starker Spieler. Er kann sich gut auf das Offensivspiel einstellen."

"Die Erfüllung eines Traums"

Motta freut sich auf das Gastspiel im Dortmunder WM-Stadion.

"In meiner Karriere habe ich viele Erfolge gefeiert, doch für die italienische Nationalmannschaft zu spielen, ist die Erfüllung eines Traumes."

In Italien wird spätestens nach der verpatzten WM in Südafrika darüber diskutiert, wie die Nationalmannschaft erfolgreich sein kann, wenn starke Ausländer die Schlüsselpositionen in den Klubs besetzen.

Serena: Die Besten müssen spielen

Aldo Serena, der 1990 im WM-Halbfinale mit der "Squadra Azzurra" an Argentinien scheiterte, mag diese Diskussion nicht.

"Ich denke, die Besten müssen in den großen Teams spielen. Wer gut ist, wird in der Mannschaft stehen", sagt er im Gespräch mit SPORT1.

"Wenn bei Milan Alexander Merkel spielt, liegt das ja nicht daran, dass er Deutscher ist, sondern ein guter Spieler."

Und dass Inter quasi ohne Italiener die Champions League geholt hätte, liege eben an der Qualität der Spieler, meint der ehemalige Inter-Torjäger.

Prandelli sieht er jetzt in der Verpflichtung, eine neue Mannschaft aufzubauen.

"Italien muss versuchen, eine gute Figur zu machen"

Dabei müsse man eben auch das Wagnis eingehen, auf mitunter schwierige Charaktere wie Cassano als neue Säulen zu setzen.

Dass den "Azzurri" beim ersten Aufeinandertreffen mit Deutschland seit dem WM-Halbfinale 2006 eine Packung droht, glaubt Serena aber nicht.

"Italien muss versuchen, eine gute Figur zu machen und dabei vor allem als Mannschaft auftreten", sagt er.

"Prandelli muss eine Gruppe bilden, die eine Mannschaft ist, in der einer für den anderen läuft. Und die Mannschaft muss zeigen, dass sie die Anweisungen des Trainers verstanden hat und umsetzt."

Schließlich haben die Italiener gegen Deutschland eine imposante Serie zu verteidigen, die letzte Niederlage liegt 16 Jahre (21. Juni 1995/0:2 in Zürich) zurück.

Die voraussichtlichen Aufstellungen:

Deutschland: Neuer (Schalke) - Lahm (Bayern), Mertesacker (Werder), Hummels (Dortmund), Schmelzer (Dortmund) - Khedira (Real Madrid), Schweinsteiger (Bayern) - Müller (Bayern), Özil (Real Madrid), Podolski (Köln) - Klose (Bayern)

Italien: Buffon (Juventus) - Cassani (Palermo), Ranocchia (Inter), Chiellini (Juventus), Criscito (Genua) - Aquilani (Juventus), Motta (Inter), De Rossi (Roma) - Rossi (Villarreal), Cassano (Milan) - Pazzini (Inter)

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