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Ronaldo gibt auf einer Pressekonferenz seinen Rücktritt vom Profi-Fußball bekannt © getty

Ronaldo beendet seine Karriere. Nach 18 Profijahren mit über 400 Toren sowie zahllosen Trophäen macht der Körper nicht mehr mit.

Sao Paulo - Als die Schmerzen im geschundenen Leib durch den Spott und Schmähungen der Fans unerträglich wurden, zog Brasiliens Fußball-Phänomen Ronaldo den Schlussstrich.

Nach 18 Profijahren 352013(Bilder) mit über 400 Toren sowie zahllosen Trophäen und Auszeichnungen hat der 34-Jährige einen Gegner gefunden, der sich nicht mehr umdribbeln ließ.

"Es war eine schöne, wunderbare, emotionale Karriere, mit vielen Niederlagen und unendlichen Siegen. Ich habe mir viele Freunde gemacht", erklärte Ronaldo auf einer Pressekonferenz mit tränenerstickter Stimme.

Auf dem Podium wurde der Weltmeister von 1994 und 2002 von seinen Söhnen Ronald und Alex unterstützt, war aber zu nervös, um seine vorbereitete Rede vorlesen zu können. Immer wieder musste Ronaldo Pausen machen und tief durchschnauben.

Körper macht nicht mehr mit

Als Grund für seinen überraschenden Rücktritt führte der Brasilianer seine nicht enden wollenden Verletzungs- und Gesundheitsprobleme an, gleichzeitig schaffte Ronaldo die immerwährenden Gerüchte über seinen schlechten Lebenswandel aus der Welt.

Grund für seine Körperfülle sei eine Unterfunktion der Schilddrüse, die zu einer Verlangsamung des Stoffwechsels im Körper führt.

"Wie ein Kind geheult"

"Vor vier Jahren wurde in meiner Zeit bei Milan festgestellt, dass ich unter Hypothyreose leide. Ich hätte zur Behandlung eigentlich Hormone nehmen müssen, aber das wäre Doping gewesen. Vielen wird es jetzt leid tun, sich über meine Gewichtsprobleme lustig gemacht zu haben. Aber ich nehme das keinem übel. Ich wollte dies erst am letzten Tag meiner Karriere öffentlich machen", sagte Ronaldo.

Der Abschied von der großen Fußball-Bühne fällt dem Stürmer schwer: "Der Kopf will weitermachen, aber der Körper hält es nicht mehr aus", sagte der dreimalige Weltfußballer und gab freimütig zu: "Die letzten drei Tage habe ich wie ein Kind geheult."

(Jetzt auch um 12 und 13 Uhr die News im TV auf SPORT1)

Carlos kann es nicht glauben

Als am Sonntagabend um 18:51 Uhr die Tageszeitung Estado de Sao Paulo das Karriereende von "O Fenomeno" vermeldete, war die Überraschung groß. Nicht jeder wollte es glauben.

"Mein Jesus, da kommt eine Bombe. Ich werde versuchen, mit ihm zu reden, ihn zu beruhigen. Hoffentlich hört er nicht auf", sagte Roberto Carlos in einer ersten Reaktion.

Ronaldos Freund hatte aber am Freitag selber Corinthians verlassen.

Entschuldigung bei den Fans

Die Fans des Sport Club Corinthians Paulista, einer Fußball-Institution mit 101-jähriger Tradition, hatten übel auf das Aus des viermaligen Meisters in der Libertadores-Cup-Qualifikation reagiert.

Steinwürfe gegen den Mannschaftsbus, an die Wände des Klubgeländes geschmierte Beleidigungen, Drohanrufe und Jagd auf die Spieler - die Rückkehr in die Heimat nach 15 Jahren Europa war für Ronaldo zum Albtraum geworden.

Auf der Pressekonferenz übernahm er die Verantwortung und bat um Verzeihung. "Ich möchte öffentlich bei Fans und Klub um Entschuldigung bitten, dass ich beim Projekt Libertadores Cup versagt habe."

Idol verfeindeter Klubs

Entdeckt von Jairzinho, einem der Weltmeister von 1970, war Ronaldo Luis Nazario de Lima im Alter von 18 Jahren zum PSV Eindhoven gewechselt.

Der Vollblutstürmer schaffte es anschließend als einer der wenigen Spieler, Idol verfeindeter Klubs zu werden: ob beim FC Barcelona und Real Madrid in Spanien oder in Italien beim AC und Inter Mailand.

Rekordtorschütze und Finalheld

Über ein Jahrzehnt glänzte er auch in der Selecao. Beim WM-Sieg 1994 war er noch Reservist ohne Einsatz, beim Titeltriumph 2002 Protagonist mit acht Toren.

Mit den vier Treffern 1998 in Frankreich und drei weiteren 2006 in Deutschland löste er Gerd Müller als WM-Rekordtorschützen ab.

Nur im WM-Finale 1998 versagte er als Hoffnungsträger. Nach den wenige Stunden vor dem 0:3 gegen Gastgeber Frankreich erlitten mysteriösen Krampfanfällen wirkte er seltsam apathisch.

Vier Jahre später war er aber mit seinen beiden Finaltoren gegen Deutschland wieder der Held.

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