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Diego Maradona wurde 1986 mit Argentinien Weltmeister © getty

Von wegen, die Mannschaft ist der Star: Bei den Argentiniern steht vor dem Spiel in Schottland der Trainer im Mittelpunkt.

Buenos Aires/Glasgow - "Willkommen im Zirkus Maradona": Die britische Tageszeitung "The Times" hob in fetten Lettern den Vorhang für das Debüt von Diego Maradona als argentinischer Nationaltrainer.

Am Mittwoch sitzt der Weltmeister von 1986 im Glasgower Hampden Park gegen Schottland erstmals auf der Bank, und trotz vieler dunkler Kapitel in seiner Vita übt der einst beste Fußballer der Welt magische Anziehungskraft aus.

"Maradona wird ein Orakel für die Spieler sein, eine Quelle der Motivation", prophezeit Italiens amtierender Weltmeister-Coach Marcelo Lippi.

Er könnte Recht haben. Bayern Münchens Abwehr-Ass Martin Demichelis sagt in der "Bild"-Zeitung über seinen neuen Nationaltrainer: "Seine Aura ist unglaublich. Er ist gut drauf, total motiviert, spricht sehr gut mit uns."

"Micho" gibt noch weitere Einblicke: "Diego weiß alles über Fußball. Die neue Stimmung in der Mannschaft ist unbeschreiblich. Im Bus singen wir Lieder über Fußball und unsere Geschichte. Ich wage noch gar nicht daran zu denken, was bei der WM 2010 mit Diego alles möglich ist..."

Maradona zurückhaltend

"El Diez", die personifizierte Nummer 10 auf dem Rasen, gibt sich wohltuend zurückhaltend: "Natürlich ist das ein Neuanfang, aber ich muss dabei niemandem etwas beweisen. Ich bin hier, um die Mannschaft mit meiner Erfahrung zu unterstützen."

"Ich will eine Änderung der Einstellung, dann kommen auch die Resultate", sagte der 48 Jahre alte Weltmeister-Kapitän von 1986.

WM 2010 im Visier

Alles andere als zurückhaltend waren die schottischen Medien: Die Bilder von einer Trainingseinheit der "Albiceleste" am Montag im Hampden Park gingen bereits um die Welt.

Sie zeigen Maradona, der einen Balljungen auf den Arm nimmt. Dieser hatte zuvor eine Halskette gefunden, die dem Superstar auf dem Rasen abhandengekommen war (der Artikel).

Die Feinjustierung der Kicker übernehmen derweil andere. Männer Maradonas Vertrauens wie Alejandro Mancuso.

"Wenn Diego am Mittwochabend in Glasgow aus dem Spielertunnel kommt, hat er bereits den WM-Titel 2010 im Visier", meinte der WM-Mitspieler von 1994. Zweiter Assistent gegen die Schotten ist Miguel Angel Lemme, der schon früher mit Teammanager Carlos Bilardo erfolgreich zusammenarbeitete.

Maradona droht mit Rücktritt

Damit ist die Co-Trainer-Frage aber noch nicht geklärt, pocht Maradona doch weiterhin auf eine Verpflichtung von Oscar Ruggeri. Im ersten Machtkampf hatte Verbandspräsident Julio Grondona gepunktet.

Der AFA-Boss stellte sich bei der Personalie Ruggeri quer, nachdem ihm dieser in der Vergangenheit mehrfach mafiöse Amtsführung vorgeworfen hatte.

"Wenn wir zurückkommen, gehen wir die Sache in Ruhe an", versprach "Director General" Bilardo, der den Tatendrang Maradonas schon früh bremsen muss. Hinter den Kulissen drohte "El Pibe d' Oro' (Goldjunge) gar mit Rücktritt, um dann heroisch zu verkünden: "Ich bleibe Trainer. Das schulde ich den Spielern. Für sie bin ich wieder bei der Nationalmannschaft."

Premieren-Stätte

Doch ausgerechnet zwei Eckpfeiler seines Dream-Teams, in dem vorerst auch die Münchner Martin Demichelis und Jose Sosa stehen, sind in Glasgow nicht dabei.

Juan Riquelme blieb nach Absprache mit Arbeitgeber Boca Juniors in Buenos Aires. Lionel Messi (Spielerporträt), der im neuen System "von allem ein bisschen spielen" soll, tauschte beim FC Barcelona die Freigabe für Olympia gegen ein Freundschaftsspiel-Verbot.

Stürmerstar Sergio Agüero kehrte am Dienstag zudem zu seiner schwangeren Freundin Giannina nach Spanien zurück, bei der sich offenbar gesundheitliche Probleme ergeben haben.

Im Hampden Park steht aber ohnehin der Ensemblechef und nicht die Artisten im Scheinwerferlicht. Zumal Schottlands ruhmreicher Fußball-Tempel schon einmal einer Maradona-Premiere den Rahmen bot: Am 2. Juni 1979 erzielte der damals 18-Jährige beim 3:1 gegen die "Bravehearts" sein erstes von insgesamt 34 Länderspieltoren.

"Werde ihm niemals verzeihen"

Kein Wunder, dass "The Independent" titelt: "Die Hand Gottes ist zum Schrecken des britischen Fußballs zurück."

Für Schottlands Co-Trainer Terry Butcher wäre es dagegen pure Freude, Maradona das Debüt zu verderben (ab 20.15 Uhr LIVE), schließlich stand der gebürtige Engländer beim legendären Handtor "Dieguitos" im WM-Viertelfinale von 1986 gegen die Briten höchstpersönlich auf dem Rasen.

"Das werde ich ihm niemals verzeihen", sagte Butcher.

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