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Arsene Wenger (l.) coacht Arsenal seit 1996, Ferguson Manchester seit 1986 © getty

Pokal-Kracher in England: ManUnited und Arsenal wollen einander das Double vermiesen. Ihre Trainer fallen mit Wut-Attacken auf.

Von Martin Hoffmann

München - Der Spitzenreiter der Premier League trifft auf seinen ärgsten Verfolger.

Zwei Double-Aspiranten, zwei der größten Klubs der Erde, zwei Trainer-Institutionen, zwei langjährige Rivalen begegnen sich: Der Nabel der Fußballwelt liegt am Samstag am Old Trafford.

Manchester United empfängt dort den FC Arsenal zum Viertelfinale im FA-Cup (18 Uhr LIVE im TV auf SPORT1; Birmingham - Bolton, Sa., 13 Uhr, LIVE im TV auf SPORT1).

Ein Duell, dessen Brisanz eigentlich nicht mehr gesteigert werden muss. Doch die beiden Star-Coaches Alex Ferguson und Arsene Wenger haben es geschafft (DATENCENTER: FA-Cup).

Attacken auf die Schiris

Es waren zur Abwechslung aber nicht öffentliche Attacken gegeneinander, mit denen sie die Aufmerksamkeit auf sich und ihr Duell im "Theatre of Dreams" zogen.

Beide Coaches wüteten sich zuletzt mit öffentlichen Keilhieben gegen einen gemeinsamen Feind in die Schlagzeilen: die Schiedsrichter.

Manchesters Trainer Ferguson hatte sich kürzlich an Martin Atkinson, dem Unparteiischen des verlorenen Liga-Topspiel beim FC Chelsea abgearbeitet ("In einer solch wichtigen Partie wünscht man sich einen fairen Referee - den haben wir nicht bekommen").

"Diktatur" - Wenger legt nach

Ermittlungen der FA wegen "unangemessenen Benehmens" waren die Folge, dem Wiederholungstäter droht eine Sperre von vier Spielen - oder mehr.

Auf UEFA-Ebene muss sich Wenger demselben Vorwurf stellen, nachdem er bei Champions-League-Schiri Massimo Busacca die Schuld an dem verlorenen Achtelfinal-Rückspiel in Barcelona ablud.

Während sich Ferguson aber nach seiner Schiri-Attacke selbst knebelte und bis Freitag gar nicht mehr mit den Medien redete, legte Wenger nun mit noch heftigeren Attacken nach.

"Man kann bei einem so wichtigen Fußballspiel nicht mit solchen Entscheidungen kommen und als Krönung noch so eine Arroganz an den Tag legen", giftete er in Richtung Europas Fußballverband: "Wir alle verstehen, dass es falsche Entscheidungen gibt, aber so wird das zu einer Diktatur."

Duell der Gegensätze

Es hat eine gewisse Ironie, dass Ferguson und Wenger im Kampf gegen sinistre Schiris Seite an Seite stehen.

Wo die beiden doch sonst in fast jeder Hinsicht so unterschiedlich sind: Ferguson, der verknorrte "Working Class Hero" aus Schottland, und Wenger, der weltläufige Akademiker aus dem Elsass. Zwei Männer, die in fast allen großen und kleinen Fragen des Fußballs anders denken.

Man sah es unter anderem an der Debatte um die eben von der FIFA verbotenen Schlauchschals, mit denen sich einige Arsenal-Spieler im Winter den Hals wärmten.

"Ich lasse mich vom Medizin-Team beraten, darum lasse ich sie sie tragen", meinte Wenger hierzu. "Echte Männer tragen so etwas nicht", brummte dagegen Ferguson zum selben Thema.

Ein Ablenkungsmanöver?

Darauf, dass Klagen über Schiedsrichter etwas ist, was echte Männer sehr wohl tun dürfen, ist er sich mit dem "Gunners"-Kollegen aber offensichtlich einig.

Speziell Wengers "Schwadronieren über dunkle Mächte" erinnert den "Telegraph" an einen "Straßeneckenprediger".

Nicht nur die Zeitung wittert ein klassisches Muster hinter der Schiri-Wut: lautstarkes Schimpfen über äußere Feinde zur Ablenkung von den Problemen im Inneren.

Die Sorgen türmen sich

Und in der Tat haben sich bei Wenger einige Dinge aufgetürmt.

Verletzungssorgen, nur zwei Siege in den vergangenen sechs Pflichtspielen, die verspielten Titelchancen im Carling Cup und der Champions League: Es kommt einiges zusammen, was an Wengers Nerven zehrt.

In Manchester droht den "Gunners" die nächste "Silverware" durch die Lappen zu gehen. Drei von vier Möglichkeiten, den ersten Titel seit sieben Jahren zu holen, wären dahin.

Wenger-Philosophie am Ende?

Was neues Futter für die alte, aktuell wieder tobende Debatte wäre:

Es geht um seine radikal angewandte Philosophie, Stars zu entwickeln statt zu kaufen - noch etwas, was ihn von dem pragmatischeren Ferguson unterscheidet.

Und es geht um die Frage, ob Wengers Ansatz auf Grenzen stößt.

Arsenal ohne Fabregas

Der Versuch, bei dem in dieser Frage pragmatischeren Trainerkollegen das Gegenteil zu beweisen, läuft unter erschwerten Bedingungen.

Arsenal muss ohne die Keeper Lukasz Fabianski und Wojciech Szczesny, ohne Theo Walcott, Alex Song und Thomas Vermaelen auskommen - und vor allem ohne Cesc Fabregas, der sich in Barcelona erneut am Oberschenkel verletzt hat.

Bei Manchester steht ein Fragezeichen hinter Rio Ferdinand und Ji-Sung Park.

Ferguson hat kein Mitleid

Sicher ist der Ausfall von Kreativkraft Nani, der von Jamie Carragher eine üble Fleischwunde verpasst bekam - bei der 1:3-Pleite in Liverpool, der zweiten Liga-Niederlage in Folge.

Genug Gründe für Ferguson, warum er nicht mit Wenger mitfühlt, obwohl er ihn doch als Kampfgenossen im Kreuzzug gegen die Fußball-Obrigkeit sehen könnte.

Mitleid habe er aber nicht, stellte Ferguson am Freitag klar: "Ich habe Mitleid mit mir selbst. Ich hatte selbst eine harte Woche."

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