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Thomas Broich spielte in der Bundesliga für Mönchengladbach, Köln und Nürnberg © getty

Thomas Broich spricht bei SPORT1 über seinen Kinofilm, Naturkatastrophen, seinen größten Fehler und DFB-Gegner Australien.

Von Thorsten Mesch

Mönchengladbach ? Er galt als eins der größten deutschen Talente.

Er spielte im "Team 2006", einer Perspektivmannschaft für die WM in Deutschland, zusammen mit Mario Gomez und Simon Rolfes.

Er stand in der U 21 gemeinsam mit Philipp Lahm und Tim Wiese auf dem Platz.

In Mönchengladbach ging der Stern von Thomas Broich auf, er stand auf dem Sprung zur Nationalmannschaft, schaffte ihn aber letztendlich nicht.

Von Köln über Nürnberg nach Brisbane

Von der Borussia wechselte er nach Köln, stieg mit dem FC aus der Zweiten Liga auf, kam aber nicht mit Trainer Christoph Daum zurecht.

Broich, der sich als "Mozart" und der "etwas andere Fußballer" gefiel, versuchte es noch einmal in Nürnberg, wo Michael Oenning, Co-Trainer aus Gladbacher Zeiten, ihn als Chefcoach holte.

Doch nach nur sieben Spielen gab Broich auf. Er verließ Deutschland und heuerte in Australien bei den Brisbane Roar an, mit denen er auf Anhieb Meister wurde.

Broich, mittlerweile 30 Jahre alt, wurde bei der Wahl zu Australiens Fußballer des Jahres Zweiter.

"Tom meets Zizou - kein Sommermärchen"

Am Montagabend stellte er den Film "Tom meets Zizou ? kein Sommermärchen" in Mönchengladbach vor, für den Regisseur Aljoscha Pause ihn auf seinem Weg in den letzten acht Jahren begleitete.

Im SPORT1-Interview spricht Thomas Broich über den Film, seine Karriere, seine Fehler, seine neue Karriere in Australien und den DFB-Gegner.

SPORT1: Sie sind in Deutschland, um Ihren Film vorzustellen. Wie lange sind Sie hier?

Thomas Broich: Ich war am Wochenende in Berlin, dann in Mainz und am Montagabend in Mönchengladbach. Ich habe jetzt sieben Wochen Urlaub, und von daher hat es sich angeboten, jetzt den Film herauszubringen.

SPORT1: Wie ist die Resonanz bisher?

Broich: Sehr, sehr positiv. Ich freue mich, dass der Film anscheinend ganz gut ankommt.

SPORT1: Liegt das Hauptaugenmerk des Films auf de fußballerischen Schiene oder geht es mehr um den Menschen Thomas Broich?

Broich: Es ist ganz klar die menschliche Ebene. Es ist ein sehr persönlicher Film. Er bewegt sich klar im Fußballgeschäft, aber Aljoscha Pause, der Regisseur, kommt in dem Film ganz nahe an mich heran. Er wirft einen Blick hinter die Kulissen, es ist ein sehr intensives Porträt.

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SPORT1: Sie haben in Australien Ihr sportliches Glück gefunden. Es gab aber auch eine sehr traurige Sache, nämlich die Flutkatastrophe an Australiens Ostküste. Sind die Auswirkungen noch präsent?

Broich: Man spürt und sieht sie noch. Die Elektrizität in Brisbane ist auch teilweise immer noch nicht wieder hergestellt. Manche Straßenzüge sind auch jetzt noch, Monate danach, im Dunkeln. Viele Tiefgaragen sind noch kontaminiert. Es dauert noch Monate, bis der Stadtstrand wieder aufgebaut sein wird, ganz zu schweigen von den vielen Menschen, die durch die Flut ihre Häuser verloren haben.

SPORT1: Waren Sie auch persönlich betroffen?

Broich: Unsere Tiefgarage war komplett geflutet. Wir hatten keinen Strom und kein Wasser und ich musste für eine Woche komplett raus aus meiner Wohnung. Aber ich bin glimpflich weggekommen.

SPORT1: Hatte die Katastrophe auch Auswirkungen auf den Spielbetrieb ihres Vereins?

Broich: Das Stadion war auch geflutet. Das Wasser stand bis zur Latte, und wir konnten da wochenlang keine Heimspiele austragen.

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SPORT1: Ist es für Sie etwas Besonderes, nach Mönchengladbach zurückzukommen, wo Sie selbst lange aktiv waren und wo Ihre Bundesligakarriere begann?

Broich: Ja klar. Es ist schon auch eine Reise in die Vergangenheit. Durch den Film wird das Ganze noch verstärkt. Man bekommt alles noch einmal vor Augen geführt. Es sind für mich spannende Wochen. Es ist für mich auch ein Blick auf mein eigenes Leben.

SPORT1: Auch ein Blick zurück mit Wehmut? Denken Sie manchmal, dass vielleicht mehr aus Ihrer Karriere in Deutschland hätte werden können?

Broich: Schon. Es führt mir auch viele Fehler vor Augen. Aber am Ende möchte ich mich nicht beklagen. Es war ja auch ein spannendes Leben.

SPORT1: Welches war Ihr größter Fehler?

Broich: Es wird auch im Film ganz deutlich, dass diese Mozart-Nummer mir sehr, sehr geschadet hat. Am Anfang hat mir die Sache sehr geschmeichelt. Ich bin sehr offensiv damit umgegangen und habe mich weit aus dem Fenster gelehnt. In der Folge hat mich das Ganze eher isoliert und mir das Arbeiten in der Bundesliga erschwert.

SPORT1: Was war die Mozart-Nummer ganz konkret?

Broich: Ich hatte mich zu einem Fußball-Intelektuellen stilisiert und habe mich zum Beispiel in der Philharmonie fotografieren lassen und mich berufen gefühlt, immer ganz außergewöhnliche Standpunkte zu vertreten. Das hat mir sehr geschadet. Ich habe mich dadurch von den anderen Spielern abgekapselt und bei den Trainern angeeckt. Ich wäre besser dran gewesen, wenn ich mich aufs Fußballspielen konzentriert hätte.

SPORT1: Das haben Sie dann in Australien auch gemacht, und das sogar sehr gut. Sie hatten maßgeblichen Anteil, dass Brisbane Roar Meister wurde und Sie sind bei der Wahl zum Fußballer des Jahres Zweiter geworden. Was bedeutet Ihnen das?

Broich: Es war wichtig für mich, Abstand zwischen mich und die Bundesliga zu bringen und in Australien einen Neustart zu wagen und mich einfach auf Fußball zu konzentrieren. Und das alles, ohne den Rucksack dabei zu haben, sowohl emotional als auch was die Erwartungshaltung an dieses Mozart-Klischee angeht. Ich kam dort hin, und keiner wusste davon. Ich konnte mich auf den Fußball konzentrieren und plötzlich hat es auch wieder geklappt. Natürlich nicht auf so hohem Niveau, aber trotz allem.

SPORT1: Sie haben erzählt, es gebe bereits wieder Anfragen aus Deutschland. Könnten Sie sich vorstellen, noch einmal zurückzugehen?

Broich: Das ist ja das Witzige, dass die alten Mechanismen immer noch funktionieren. Sobald man ein bisschen auffälliger spielt, stehen gleich wieder mehrere Vereine auf der Matte. Aber das spielt für mich im Moment keine Rolle. Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Brisbane und ich fühle mich da sehr wohl.

SPORT1: Im vergangenen Sommer hat Australien im ersten WM-Spiel 0:4 verloren. Wie haben Sie das Spiel erlebt?

Broich: Da war ich in Australien und es war für die Leute sehr, sehr traumatisch. Mit dem ersten Spiel war die WM praktisch für sie gelaufen. Ich bin mir sicher, dass die Australier auf Revanche sinnen.

SPORT1: Australien hat bei der WM aber nicht aufgegeben, hätte es fast noch ins Achtelfinale geschafft. Was zeichnet die Mannschaft aus?

Broich: Auch wenn es aussichtslos erscheint. Australier geben trotzdem alles, was drin ist. Bis zur letzten Sekunde.

SPORT1: Beim Asien-Cup ist Australien Zweiter geworden. Dennoch ist Fußball in der Beliebtheitsskala weit hinter Rugby, oder?

Broich: Nicht ganz, ganz weit. Fußball wird immer populärer und ist schon Sportart Nummer drei oder vier.

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