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Vergangenheit: Bayern-Trainer Louis van Gaal (l.) und Salzburg-Coach Huub Stevens © getty

Wie in München musste auch in Salzburg ein knorriger niederländischer Trainer gehen. Stevens' Rauswurf weißt Parallelen auf.

Von Maik Rosner und Martin Volkmar

München - Der eine heißt Aloysius Paulus Maria van Gaal, der andere Hubertus Jozef Margaretha Stevens.

Van Gaal, kurz Louis, und Stevens, kurz Huub, mussten beide gehen.

Am 9. April beschloss der FC Bayern die Trennung von seinem Trainer, tags zuvor wurde bereits sein Kollege bei RB Salzburg von seinen Aufgaben entbunden.

Die Gründe in beiden Fällen: Die Saisonziele gerieten in Gefahr, zudem eckten die beiden Niederländer mit ihrer Art an.

Stevens erkennt sogar selbst "einige Parallelen zwischen van Gaal und mir" (KOMMENTAR: Die nackte Angst der Bayern-Bosse).

"Im vergangenen Jahr waren wir beide Meister, da war alles gut. Und jetzt ist der Erfolg ausgeblieben, und dann ist alles schlecht", sagt Stevens zu SPORT1 über die beiden Trennungen.

Stevens übt Selbstkritik

Doch wie van Gaal habe auch er "alles für den Erfolg getan" und auch am Schluss noch daran geglaubt.

In den Vereinen bewertete man die Maßnahmen zuletzt jedoch als nicht mehr richtig. Und wie in München störte man sich auch in Salzburg zunehmend an den Umgangsformen des Trainers (die Hintergründe der Van-Gaal-Entlassung).

In Salzburg, wo neben Stevens anders als in München auch Sportdirektor Dietmar Beiersdorfer gehen musste, verabschiedete sich der Trainer zumindest selbstkritisch.

"Es hat Entscheidungen gegeben, die vielleicht nicht glücklich waren", räumte Stevens ein: "Aber die haben wir gemeinsam getroffen. Vielleicht haben wir als Team nicht immer das glückliche Händchen gehabt."

"Kein Blick zurück im Zorn"

Derlei Äußerungen waren in München von van Gaal nicht zu vernehmen und sind auch eher nicht zu erwarten.

Und bei van Gaal dürfte auch mehr hängengeblieben sein durch den andauernden Zwist mit Präsident Uli Hoeneß, der am Montag mit dem 59-Jährigen noch einmal gnadenlos abgerechnet hatte.

[kaltura id="0_en0j3hzl" class="full_size" title="Hoene Die Abrechnung mit van Gaal"]

Bei Stevens hört sich das schon etwas entspannter an.

"Es gibt keinen Blick zurück im Zorn, im Gegenteil. Ich habe eine erfolgreiche Zeit gehabt und viel Positives erlebt, nicht nur wegen der Meisterschaft", sagte der 57-Jährige SPORT1.

Und er ergänzte: "Nur diese Saison hat es leider nicht so funktioniert wie wir uns das vorgestellt haben."

Zukunft offen

Wohin es ihn nun beruflich verschlägt, weiß der ehemalige Trainer der Schalker Eurofighter noch nicht, mit denen er 1997 den Uefa-Pokal gewann.

Van Gaal wird ein Sabbatjahr einlegen, so hat er das jedenfalls angekündigt. Stevens sagte: "Jetzt muss ich mal schauen, was auf mich zukommt."

Doch dass er noch immer Lust auf den Trainerjob hat, daran ließ er keinen Zweifel. Auch in der Bundesliga, was bei van Gaal eher unwahrscheinlich sein dürfte.

"Gesprächsbereit bin ich immer"

"Gesprächsbereit bin ich immer", ließ Stevens wissen, obwohl derzeit eher wenig Aussicht auf einen Platz bei einem deutschen Erstligisten besteht.

Das ist ihm bewusst: "In der Bundesliga sind ja jetzt wieder alle Plätze belegt. Aber ich wünsche auch keinem Kollegen die Entlassung."

Er hat es ja gerade erlebt. Wie van Gaal.

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