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Andreas Hinkel wurde 2008 schottischer Meister mit Celtic Glasgow © getty

Bei SPORT1 enthüllt der Celtic-Legionär Details über das brisante "Old-Firm"-Derby und spricht über seine Zukunftsplanungen.

Von Tobias Wiltschek

München - Seit Anfang 2008 spielt Andreas Hinkel beim schottischen Traditionsklub Celtic Glasgow.

In dieser Saison aber konnte er noch kein Spiel bestreiten, nachdem er sich vor sieben Monaten das Kreuzband gerissen hatte. (DATENCENTER: Playoffs Schottland)

Diese Leidenszeit ist nun vorbei, seit zwei Wochen steht er wieder im Mannschaftstraining.

Sein Comeback könnte Hinkel ausgerechnet beim vorentscheidenden Spiel um die schottische Meisterschaft gegen die Glasgow Rangers feiern. Allerdings räumt er ein, dass er nicht davon ausgehen könne, von Anfang an zu spielen. 70149(DIASHOW: Die zehn heißesten Derbys)

Bei SPORT1 spricht der 21-malige deutsche Nationalspieler über die ausufernde Rivalität der beiden schottischen Traditionsklubs, die Attraktivität der Bundesliga und eine mögliche Rückkehr nach Deutschland.

SPORT1: Herr Hinkel, Sie haben im Spätsommer 2010 einen Kreuzbandriss erlitten und sind erfolgreich operiert worden. Wie geht es Ihnen heute?

Andreas Hinkel: Mir geht?s ganz gut. Die Reha verlief ohne Komplikationen und Rückschläge.

SPORT1: Sie haben in dieser Saison noch kein Spiel für Celtic bestritten. Wie stehen die Chancen, dass sie in den Endspurt im Kampf um die Meisterschaft und den Pokalsieg noch eingreifen können?

Hinkel: Die Mannschaft spielt eine starke Saison, da ist es nicht selbstverständlich, dass ich nach sieben Monaten Pause gleich wieder von Anfang an spiele. Aber wir haben noch fünf Wochen bis zum Pokalfinale. Bis dahin stehen noch viele Spiele an. Ich bin auf jeden Fall bereit und werde auch alles geben.

SPORT1: Hat der Trainer Ihnen schon einen Comeback-Termin in Aussicht gestellt?

Hinkel: Man hat schon immer mal Gespräche, aber zu einem möglichen Comeback hat er noch nichts gesagt. Das verstehe ich auch vollkommen. Wenn ich aber meine Einsatzzeit bekomme, freue ich mich natürlich riesig. Für mich ist aber das wichtigste, dass ich keine Probleme mehr mit dem Knie habe.

SPORT1: Könnten Sie vielleicht schon am kommenden Sonntag bei den Rangers im Kader zu stehen?

Hinkel: Klar. Ich habe ganz normal die Woche trainiert. Mal schauen, wie der Trainer entscheidet.

SPORT1: Nicht nur Glasgow fiebert dem "Old Firm" Duell bei den Rangers entgegen. Wie hoch ist die Bedeutung dieses Spiels, gerade in dieser Phase der Saison?

Hinkel: Das ist ein enorm wichtiges und brisantes Spiel. Bis jetzt haben wir gegen sie auch auswärts ganz gut ausgesehen. Deshalb können wir mit einem gewissen Selbstvertrauen dahin fahren. Von einem entscheidenden Spiel möchte ich aber noch nicht sprechen, weil die gesamte Meisterrunde nicht ganz so einfach ist.

SPORT1: Im Verlauf der Spielzeit ist es wieder einmal zu hitzigen Auseinandersetzungen beim Duell dieser beiden Erzrivalen gekommen. Sie spielen seit 2008 bei Celtic. Haben Sie das Gefühl, die Rivalität ist wieder schärfer geworden?

Hinkel: Das eine Spiel im FA-Cup war wirklich extrem. Das habe ich noch nicht erlebt, seitdem ich hier bin. Da gab es ein paar Platzverweise. Ich habe auch gehört, dass es rund um das Spiel viele Festnahmen gab. Wir hatten danach sogar die Polizei bei uns auf dem Trainingsgelände, die uns praktisch einen Verhaltenskodex für das folgende Spiel mitgegeben hat. Wir mussten uns verpflichten, auf dem Spielfeld zu bleiben und die Zuschauer nicht aufzuputschen.

SPORT1: Das "Old Firm" ist für Ostersonntag angesetzt worden; ein hoher religiöser Feiertag. Rechnen Sie aufgrund der Vergangenheit dieses Derbys mit zusätzlichen Spannungen?

Hinkel: Ich denke, der Tag spielt da keine große Rolle. Das Spiel wurde ja auch bewusst zu Beginn der Playoff-Runde angesetzt. Denn wenn man es ans Ende gesetzt hätte und eine Mannschaft schon als Meister feststehen würde, würde es wohl schlimmer werden.

SPORT1: Ihr Vertrag bei Celtic läuft noch bis Ende der Saison. Wie sieht Ihre Zukunftsplanung danach aus?

Hinkel: Ich weiß noch nicht, wo es hingeht. Ich bin bei Celtic offen für Gespräche, aber natürlich auch bei anderen Vereinen.

SPORT1: Sie haben zuletzt auch den Wunsch geäußert, nach Deutschland zurückzukehren.

Hinkel: Das stimmt. Ich habe immer betont, dass die Bundesliga sehr attraktiv für mich ist. Vielleicht schließt sich ja der Kreis. Denn ich habe in der Bundesliga meine Karriere gestartet. Aber ich schließe auch eine andere Liga nicht aus.

SPORT1:Sie haben in Stuttgart ihre Karriere begonnen, standen vor drei Jahren kurz vor einem Wechsel nach Dortmund. Würde es Sie immer noch reizen, bei diesen Vereinen zu spielen?

Hinkel:Über einzelne Vereine will ich mich jetzt nicht äußern. Ich sage nur, dass die Bundesliga allgemein interessant ist.

SPORT1: Sind denn schon erste Weichen gestellt worden?

Hinkel:Mein Berater hat auch schon Anfragen aus der Bundesliga. Aber das sind bisher nur lose Gespräche und noch keine konkreten Angebote. Denn viele Vereine in der Bundesliga können ja auch noch nicht planen.

SPORT1: Vor knapp zwei Jahren bestritten Sie Ihr bislang letztes Länderspiel für Deutschland. Haben Sie noch Kontakt zur Nationalmannschaft?

Hinkel: Zurzeit nicht. Das ist auch momentan gar kein Thema. Ich bin jetzt erstmal froh, dass ich normal am Training teilnehmen und Fußball spielen kann. Erst dann wird man sehen, was kommt.

SPORT1: Aber die Hoffnung, den Adler noch einmal auf der Brust zu tragen, werden Sie noch nicht aufgegeben haben.

Hinkel: Wie gesagt: Das ist derzeit kein Thema. Aber klar bin ich stolz, für mein Land zu spielen. Ich denke, die Leistung sollte die höchste Priorität sein. Mit 29 ist man in einem richtig guten Fußballalter, man hat viele Erfahrungen gesammelt. Ich bin topfit und mental sogar noch frischer. Und es gab ja auch in der Vergangenheit schon genug Beispiele dafür, dass man nach einem Kreuzbandriss wieder auf Top-Niveau kommen kann: Man denke an Philipp Lahm, an Giovane Elber. Ein Puyol wird danach sogar Europameister und Weltmeister. Ich blicke jedenfalls optimistisch in die Zukunft.

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