In seiner Kolumne vergleicht Uwe Morawe die Schlafgemächer von Alex Ferguson und Pep Guardiola und kommt zu einer Gemeinsamkeit.

Warum leckt sich der Hund die Eier? - Weil er's kann! Weil er's kann...

Dieser Altherrenwitz mag noch betagter sein als Sir Alex Ferguson, doch Dillsauce passt nunmal so gut zu schottischem Wildlachs wie nichts anderes.

Da hat er es also wieder geschafft. Glückwunsch!

Manchester United ist praktisch zum 19. Mal englischer Champion. Ein besonderer Titel, denn erstmals in seiner Vereinsgeschichte darf sich United "alleiniger Rekordmeister" nennen.

Der verdiente 2:1 Erfolg im Spitzenspiel gegen Chelsea (Bericht) war die Krönung einer turbulenten Woche für den Sir.

Selten sei er so unruhig gewesen wie nach der Niederlage bei Arsenal in der Vorwoche, gab Ferguson zu.

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Soll er im Halbfinale der Champions League tatsächlich eine komplette B-Mannschaft bringen, um seine erste Garnitur ausgeruht gegen Chelsea ins Rennen zu schicken?

Viermal sei er in der Nacht vorm Schalke-Spiel aufgewacht, dermaßen habe ihn diese Frage umgetrieben, gestand der Schotte in ungewöhnlich offener Art.

Und ich kriege das Bild nicht aus dem Kopf! Wie sieht wohl das Schlafzimmer der Fergusons im beschaulichen Wilmslow, Grafschaft Cheshire, aus?

Schwere Vorhänge, üppige Brokatkissen, ein massives Himmelbett. Und Ferguson im Nachthemd mit Socken an - geht doch gar nicht anders, oder?

Da wälzt er sich, da atmet er schwer, da tapert er zum Kühlschrank in der Nacht - bis es Lady Ferguson zu bunt wird.

Unter einem riesigen Daunenberg schwillt ihre Stimme hervor: "Aber Alexander, nun mach dich nicht verrückt. Komm ins Bett, du machst das doch wirklich nicht zum ersten Mal."

Das südliche Opossum ist mit 19,7 Stunden Schlaf pro Tag Rekordhalter unter den Säugetieren. Cathy Ferguson traue ich eine ähnlich beruhigende Wirkung zu.

Zeige mir dein Schlafzimmer und ich sage dir, wie du Fußball spielst.

Der Stil von Manchester United besitzt tiefe Wurzeln und riecht nach Holz. Neuerungen gegenüber in Maßen aufgeschlossen, wenn sie Verbesserung des Altbewährten darstellen.

Fußball ist und bleibt ein Lauf- und Kampfspiel; und der Schnellste von euch allen ist der Ball, sagte schon Herberger. Diese Grundfeste müssen für Ferguson erhalten bleiben.

United vertraut auf traditionelle Muster und spielt im besten Sinne konservativ. Dieser Verein ist Handwerk in allerhöchster Perfektion - eine durchaus tragfähige Definition des Begriffs "Kunst".

Eine andere ist die stetige Suche nach neuen Wegen. Experimentieren, ausprobieren, sich von altherbegrachten Denkweisen befreien.

Das Schlafzimmer von Josep Guardiola stelle ich mir lichtdurchflutet vor. Skulpturen katalanischer Bildhauer statt muffiger Nachttischlampen.

Der Hausherr im Seidenpyjama, einen Campari in der Hand. Und alle zwei, drei Jahre wird komplett umdekoriert. Dieser Mann besteht auf Eigenständigkeit und Modern Art.

An Stammtischen hört man neben Altherrenwitzen ja immer wieder die Meinung, dass Guardiola als Trainer überhaupt nichts machen müsse.

Die Spieler von Barca seien so outstanding, das erledige sich von selbst. Die bräuchten und hätten doch gar keine Taktik. Selten so einen Blödsinn gehört!

Am letzten Dienstag hatte ich trotz Dauerregens großes Vergnügen im Nou Camp. Erst live im Stadion wird der bewusste Bauplan von Guardiola ersichtlich.

Durchdachte Organisation wird zu einem organischen Ganzen. Der heutige FC Barcelona stellt eine der offensivstärksten Mannschaften aller Zeiten.

Der heutige FC Barcelona spielt in dieser Saison als erstes Team in der Fußballgeschichte konsequent ohne zentralen Stürmer.

Dadurch verschafft man sich die entscheidende Überzahl im Mittelfeld.

Die Angriffsmitte ist der verwaisteste Ort in Guardiolas System - und dennoch hagelt es Tore. Wenn das keine innovative Kunst ist.

Doch niemand sollte den Fehler machen, Pep Guardiola deshalb für einen verzärtelten Pinselschwinger zu halten. Mourinho musste es bei seinen Verbalattacken erfahren: einschüchtern kann man diesen Katalanen nicht.

Denn so unterschiedlich Guardiola und Ferguson in ihrem Stil auch sein mögen, eines haben sie gemeinsam: Cojones, richtig dicke Cojones!

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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