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Der Schweizer Sepp Blatter ist der achte Präsident der FIFA und seit 1998 im Amt © getty

Trotz neuer Korruptionsvorwürfe im Zuge der WM-Vergaben an Russland und Katar scheint eine Neuausschreibung unwahrscheinlich.

München/London - Trotz der massiven Bestechungsvorwürfe rund um die Vergabe der Weltmeisterschaften 2018 und 2022 gegen den Fußball-Weltverband FIFA hält die englische Regierung eine Neuausschreibung für unvorstellbar.

"Es gibt keine Chance, den Prozess zu wiederholen", sagte Sportminister Hugh Robertson der britischen Nachrichtenagentur "Press Association" und fügte hinzu: "Das wäre von der FIFA ein riesiges Eingeständnis eigenen Versagens."

England hatte im Rennen um die WM 2018 eine verheerende Niederlage kassiert.

Lord David Triesman warf in einer Anhörung vor dem britischen Parlament vier FIFA-Exekutiv-Mitgliedern "anstößiges und unethische Verhalten" im Bewerbungsprozess vor.

"Komm' und sag' mir, was du hast"

Laut des früheren Präsident des englischen Verbandes FA forderte Jack Warner (Trinidad und Tobago) vier Millionen Dollar (2,78 Millionen Euro) für den Bau eines Ausbildungszentrums.

Der Paraguayer Nicolas Leoz wollte in den Ritterstand erhoben werden. Worawi Makudi aus Thailand schielte auf die Medienrechte an einem Länderspiel, und Brasiliens Ricardo Teixeira soll direkt zu Triesmann gesagt haben: "Komm' und sag' mir, was du hast."

Die Anschuldigungen seien aber schwer zu beweisen, "weil es nur Gespräche mit einzelnen Personen waren", sagte Robertson.

Um die Ermittlungen voranzutreiben, will die FA der FIFA ein umfassendes Dossier zukommen lassen. Erste Dokumente liegen dem Weltverband bereits vor.

Hat Katar Bestechungsgelder gezahlt?

Die "Sunday Times" hatte zuvor bereits berichtet, dass Katar Bestechungsgelder gezahlt hätte, um den Zuschlag für die WM 2022 zu erhalten.

Außerdem erklärte der britische Parlamentarier Damian Collins, dass ihm Beweise für Bestechungszahlungen in Höhe von 1,5 Millionen Dollar (gut eine Million Euro) an den FIFA-Vize Issa Hayatou aus Kamerun und den Ivorer Jacques Anouma vorlägen.

Der katarische Fußball-Verband QFA weist alle Anschuldigungen von sich.

Hayatou streitet Vorwürfe ab

Auch Hayatou, der Präsident des afrikanischen Fußball-Verbandes, streitet die Vorwürfe "kategorisch" ab, heißt es in einem Statement des CAF.

Katars Bewerbungskomitee habe nur 1,8 Millionen Dollar (1, 25 Millionen Euro) an die Generalversammlung des CAF gezahlt, um exklusiv mit der Generalversammlung sprechen und den Mitgliedern Präsentationen vorführen zu dürfen. Die Vereinbarung sei vom Exekutiv-Komitee des Verbandes gebilligt worden.

Bin Hammam bangt um FIFA-Image

FIFA-Präsident Joseph S. Blatter versprach zwar, sich zügig mit den Behauptungen zu befassen, von seinem Herausforderer Mohamed Bin Hammam hagelte es aber bereits Kritik.

Der Präsident der Asiatischen Fußball-Konföderation AFC teilte auf seiner Homepage mit, dass der Name der FIFA durch die neuen Vorwürfe zum wiederholten Mal durch den Dreck gezogen worden sei.

Es müssten dringend Maßnahmen getroffen werden, um das Image der FIFA zu verbessern. Auch die 20-Millionen-Dollar-Spende an Interpol, um den Anti-Korruptionskampf vorazutreiben, bemängelt Bin Hammam.

Diese Entscheidung sei ohne Absprache mit dem Exekutiv-Komitee der FIFA erfolgt.

"Es war ein fehlerhafter Prozess"

Verbittert zeigte sich der australische Fußball-Verband FFA über die neuen Bestechungsvorwürfe rund um die gleichzeitige WM-Vergabe 2018 und 2022 durch die FIFA.

"Es war ein fehlerhafter Prozess. Weil zwei Weltmeisterschaften zur gleichen Zeit auf dem Markt waren, hatten die Leute Gelegenheit, miteinander zu reden. Dadurch war das Spiel nicht mehr ausgeglichen", sagte FFA-Präsident Frank Lowy.

Einige Regierungen hätten alles daran gesetzt, den Zuschlag zu erhalten. Australien habe zwar auch Fehler gemacht, aber "ich hätte mich 24 Monate auf den Kopf stellen können, wir hätten es trotzdem nicht geschafft", sagte Lowy.

Bei der Abstimmung im Dezember 2010 hatte Australien nur eine Stimme erhalten und war im ersten Wahlgang gescheitert.

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