Beim FC Chelsea kocht "Küchenchef" Abramowitsch seit einiger Zeit nur ideenlos nach Rezept, findet Uwe Morawe in seiner Kolumne.

Die Geschiche des Restaurants im heutigen Sinne ist bedeutend jünger als gemeinhin angenommen.

Erst im Jahre 1780 eröffnete als kulinarischer Vorgiff der französischen Revolution Antoine Beauvilliers seine "Grande Taverne de Londres", das erste gehobene Wirtshaus der Geschichte.

Hier saßen die Gäste erstmals an separaten Tischen statt an Gemeinschaftstafeln und bestellten freiheitlich a la carte. Äh, sie mußten a la carte bestellen.

In diesem Jahr 1780 fing das Dilemma für alle Neureichen dieser Erde wie etwa Roman Abramowitsch an.

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Was in Bezug auf Kleidung oder Inneneinrichtung bei gnädigem Willen noch als subjektive Schrulle durchgehen mag, fliegt bei einem Essen in gehobener Gesellschaft sofort auf - fehlende Geschmackssicherheit.

Ist die Trüffelsuppe mit Blätterteighaube, die Paul Bocuse zur Ernennung in die "Legion d'honneur" einst Präsident Valery Giscard d'Estaing kredenzte, noch a la mode oder ein bloßstellender alter Hut?

Ich weiß es auch nicht. Roman Abramowitsch aber gewiss ebenso wenig.

Doch Kapital schafft Auswege. Und deswegen wird man Abramowitsch höchst selten in normalen bis Drei-Sterne-Restaurants zu sehen bekommen. Er läßt die Köche einfliegen, die römische Gemeinschaftstafel feiert Wiederauferstehung, und der Künstler am Herd soll mal - zack zack - was vorsetzen. Scheiß auf Karte. Wenn es nicht schmeckt - neue Köche gibt's im Guide Michelin...

Sie merken schon, ich werbe für Verständnis der Abramowitschen Personalpolitik beim FC Chelsea. So ein durch - nennen wir es mal wertfrei - Netzwerk emporgestiegener Mann kann nicht aus seiner Haut.

Dummerweise ist im Fußball der Spieler- und Trainermarkt noch transparenter und entblößender als die Bestellung von der Speisekarte.

Da ordert Abramowitsch einen spanischen Edelfisch wie Fernando Torres zu einem italienischen Rotwein aus der Anbauregion Ancelotti. Quel desastre! Kann ja nicht schmecken.

Da die Spezies einer russischen Grinsekatze sich wohl eher selten selbst hinterfragt, wird der unpassende Rotwein trotz Spitzenlage einfach weggekippt. Neureich eben.

Nun läßt sich der möchtegernfeine Herr wahrscheinlich einen alten Edamer kommen. Guus Hiddink soll in Verbund mit Marco van Basten das Umkippen der Brühe verhindern. Jener Marco van Basten, der zwillingsgleich an Jürgen Klinsmann erinnert. Großer Spieler, aber aber als Trainer....

Auch wenn meine Wenigkeit bezüglich Gourmetküche nicht das volle Verständnis aufweisen sollte, Basics weiß ich doch: Käse reicht man zum Abschluß des Essens.

Die erfolgreiche Zeit von Chelsea neigt sich dem Ende. Dort wird seit einiger Zeit ideenlos nur nach Rezept gekocht. Das Restaurant "A la Stamford Bridge" dürfte im nächsten Jahr mindestens einen der begehrten Sterne verlieren...

Bis nächste Woche,Euer Uwe Morawe

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