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Club Atletico River Plate wurde im Jahr 1901 gegründet © getty

Nach dem ersten Abstieg der Vereinsgeschichte kommt es zu schweren Ausschreitungen. Zwei Polizisten werden schwer verletzt.

Buenos Aires - Der Mob tobte schon vor dem Schlusspfiff.

Als die ersten Gegenstände Richtung Spielfeld flogen, folgte der Spielabbruch und anschließend der Gewaltausbruch der Enttäuschten.

68 Verletzte, 50 Festnahmen - so die erste Schreckensbilanz nach River Plates historischem Fall in die Zweitklassigkeit des argentinischen Fußballs.

Es herrschten Szenen wie in einem Bürgerkrieg, Tränengas hing schwer in der Luft.

Der Klub der Volksmassen aus Buenos Aires, in der Beliebtheitsskala Nummer zwei hinter den Boca Juniors, konnte nach dem 0:2 im Relegations-Hinspiel gegen CA Belgrano aus Cordoba das Unvorstellbare nicht mehr abwenden.

"Ende mit Wut und schweren Zwischenfällen"

Und verließ mit einem enttäuschenden 1:1 nach 80 Spielzeiten in der Ära des Profifußballs die Beletage der Primera Division.

"Das ist, als würde Real Madrid in die 2. Liga absteigen", beschrieb Spaniens Tageszeitung El Pais treffend. "Unvorstellbar, aber wahr", titelte dann auch Argentiniens Sportblatt "Ole", während Clarin die Gewalt hervorhob.

"Ein Ende mit Wut und schweren Zwischenfällen."

Zwei Polizisten schwer verletzt

Bereits nach dem Hinspiel hatte es Morddrohungen von verwirrten Anhängern gegen die Spieler gegeben. Der Frust nach dem besiegelten Abstieg am Sonntag brach sich Bahn.

Noch im Stadion versuchten Wasserwerfer die Gemüter der Barra Brava, der für ihren Fanatismus bekannten Ultras, zu kühlen. Doch vor dem Estadio Monumental eskalierte die Gewalt. Zwei Polizisten erlitten Schädeltrauma, ihr Zustand sei ernst, hieß in einer ersten Mitteilung.

Die Agonie des Rekordmeisters (33 Titel) endete ausgerechnet am 26. Juni.

Am gleichen Tag vor 25 Jahren hatten sich die "Millonarios" zum zweiten und vorerst letzten Mal mit dem Libertadores-Cup-Sieg zu den Königen Südamerikas gekrönt.

Der finanzielle Kollaps droht

Als Klub-Idol Daniel Passarella, Weltmeister von 1978 und 1986, im Dezember 2009 das Präsidentenamt antrat, übernahm er von seinem Vorgänger umgerechnet rund sieben Millionen Euro Schulden.

Und ohne die TV-Gelder für Erstliga-Teams droht jetzt sogar der finanzielle Kollaps, auf jeden Fall der Ausverkauf der Spieler.

Sportlich begann die Talfahrt 2008, als der Klub mit dem roten Diagonalstreifen auf der Brust erstmals Tabellenletzter wurde. Die negativen Resultate setzten sich auch in den folgenden fünf Halbjahresturnieren fort, zuletzt gab es neun Spiele ohne Sieg.

"Wir sind in Trauer vereint"

Zur Erklärung: In Argentinien werden die Abstiegskandidaten anhand des Punktdurchschnitts der letzten drei Jahre ermittelt.

River Plate führt noch die Ewige Tabelle in Argentinien an, ist der Klub mit den meisten nationalen und internationalen Titeln, Wiege unzähliger Nationalspieler wie dem Fußballgenie Alfredo Di Stefano oder dem Ex-Wolfsburger Andres D'Alessandro.

Er meldete sich als einer der wenigen Klubidole zu Wort und bekannte: "Wir sind in Trauer vereint."

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