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Platini (r.) wurde drei Mal zu Europas Fußballer des Jahres gewählt © getty

Uefa-Chef Platini bricht eine Lanze für den kritisierten Fifa-Boss Blatter und kann sich vorstellen den Schweizer zu beerben.

München - UEFA-Chef Michel Platini hat eine Lanze für den umstrittenen FIFA-Boss Joseph Blatter gebrochen und sich gleichzeitig erstmals als dessen Nachfolger ins Gespräch gebracht.

Im Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" kündigte Platini an, dass er sich vorstellen kann, in vier Jahren Blatter als Chef des Fußball-Weltverbandes zu beerben.

Eine vorzeitige Ablösung des in die Kritik geratenen Schweizers zieht Platini aber ebenso wenig ins Kalkül wie eine Revolte gegen den 75-Jährigen.

Im vergangenen Monat hatte Platini stets sein Desinteresse am höchsten Posten im Fußball betont, wohl auch, um seinen ehemaligen "Boss" Blatter nicht in den Rücken zu fallen.

Platini: Unfair und unzutreffend

Nun ist der Franzose, in dessen Heimat 2016 die EM-Endrunde stattfindet, offenbar bemüht, sich frühzeitig in Stellung zu bringen.

Zunächst gilt es aber, Blatter in Schutz zu nehmen, der vor vier Wochen trotz der harschen Kritik an seiner Person für vier weitere Jahre als Fifa-Präsident wiedergewählt worden war.

"Es sind viele Anschuldigungen an Blatter gerichtet worden, die unfair und unzutreffend waren. Vielleicht, weil manche meinten, als FIFA-Präsident wäre er für alles verantwortlich, was in der FIFA geschieht", sagte Platini.

"Kein Teufel, aber auch kein Engel"

"Aber wenn es Fälle von Korruption gegeben hat, dann sicher nicht im direkten Zusammenhang mit Blatter. Man kann kritisieren, wie Blatter die FIFA managt, aber korrupt ist er ganz sicher nicht", ergänzte der Franzose über den Schweizer und fügte an: "Blatter ist nicht der Teufel, und er ist auch kein Engel."

Platini ist davon überzeugt, dass Blatter nach wie vor der richtige Mann ist, um das schlechte Image des Fußball-Weltverbandes zu bekämpfen.

FIFA-Chefposten ist vorstellbar

"Er hat mir versprochen, die FIFA zu reinigen. Wenn er in der Geschichte bleiben möchte, muss er die FIFA säubern", sagte Platini. Der frühere Weltklassespieler, der von 1998 bis 2002 als Berater Blatters gearbeitet hat, hofft, dass die FIFA in der Lage ist, ihre Probleme intern zu lösen.

"Meiner Meinung nach muss die Veränderung von innen durch die FIFA kommen, und nicht von außen. Wir haben Gremien, die dafür zuständig sind", so der 56-Jährige, der sich vorstellen kann, eines Tages Blatter als FIFA-Präsident zu beerben.

"Ich dränge niemanden aus dem Amt"

Er selbst werde sich aber nicht für diesen Posten aufdrängen.

"Ich bin doch gerade erst als UEFA-Präsident wiedergewählt worden. Es bleibt noch viel Zeit, bis diese Entscheidung getroffen werden muss. Ich fühle mich in der UEFA sehr wohl. Wieso sollte ich um einen neuen Posten kämpfen, wenn es mir Spaß macht, den alten fortzuführen. Ich dränge niemanden aus seinem Amt", sagte Platini.

Der Uefa-Chef fügte aber vielsagend hinzu: "Wenn Blatter sagt, er höre auf, dann ist das etwas anderes. Und er hat angekündigt, es werde sein letztes Mandat sein. Wenn es so weit ist, werden wir sehen. Wenn plötzlich ganz, ganz, ganz, ganz großer Trouble entstünde, müsste ich dann noch mal überlegen. Aber ich gehe davon aus, dass sich die Frage erst in vier Jahren stellt."

Blatter mit prominenter Unterstützung

Möglicherweise kann dies auch früher sein, denn vor allem die Vergabe der WM-Endrunde 2022 an Katar lässt nach wie vor viele Fragen offen.

Der Verdacht der Bestechung schwebt nach wie vor wie ein Damoklesschwert über der FIFA.

Blatter will unter anderem mit Hilfe des niederländischen Fußball-Idols Johan Cruyff, des früheren US-Außenministers Henry Kissinger und von Startenor Placido Domingo die Probleme Schritt für Schritt beheben.

Zwanziger will mehr Transparenz

DFB-Präsident Theo Zwanziger will zudem nach der Frauen-WM in Deutschland möglichst zügig die Vergabepraktik der WM 2022 überprüfen lassen, wobei er auch staatliche Strafverfolgungsbehörden ins Spiel gebracht hat.

Exekutiv-Mitglied Zwanziger will ebenso wie Platini für mehr Transparenz und Demokratie in der FIFA sorgen. "Vielleicht haben wir dem Präsidenten wirklich zu viel Macht gegeben. Wir müssen uns um diesen Punkt kümmern", so Platini.

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