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Der Chilene Arturo Vidal (l.) spielt seit 2007 bei Bayer Leverkusen © getty

Vor Chiles Auftaktspiel gegen Mexiko sorgt der Leverkusener für Transfer-Wirbel. Das Sportliche gerät in den Hintergrund.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

San Juan - Arturo Vidal beherrscht das Pokerspiel mit den Medien.

Fast täglich lässt der Mittelfeldspieler im Lager der chilenischen Fußball-Nationalmannschaft bei der Copa America in Argentinien eine Bemerkung über seine berufliche Zukunft fallen. (DATENCENTER: Copa America)

Ein klein wenig scheint es so, als wäre die persönliche Zukunft des 24-Jährigen wichtiger als die Auftaktpartie Chiles am Montag gegen Mexiko (Di., ab 2.40 Uhr LIVE im TV bei SPORT1+)

Mal heißt es. "Wir sprechen mit sehr großen Klubs auf internationalem Niveau. In Deutschland, Italien, England und Spanien."

"Werde nicht vergessen, wer Leverkusen ist"

Dann wiederum erinnert sich der Mittelfeldspieler, den sie in Chile in Anlehnung an die Frisur einer kubanischen Salsa-Sängerin "Celia Punk" rufen, an seine Versprechen seinem aktuellen Arbeitgeber gegenüber.

"Ich werde nicht vergessen, wer Bayer Leverkusen ist, weil ich großen Respekt vor diesen Leuten habe. Sie waren die ersten, die an mich geglaubt haben und ich habe noch ein Jahr Vertrag", spricht Vidal artig in die Mikrofone, wohlwissend, dass der Klub in Deutschland sehr genau verfolgt wie sich Vidal derzeit verhält. (INTERVIEW: "Vidal wird nicht in Deutschland wechseln")

Neapel, London und mehr

So geht das nun fast Tag für Tag. Mal schlägt das Herz für den SSC Neapel, der "ein großer Klub ist und der im nächsten Jahr in der Champions League spielt."

Dann ist es der FC Arsenal: Der Klub soll bereits einen Koffer voller Geld bereitstehen haben, weiß das chilenische Portal "Todofutbol" zu berichten. (424417DIASHOW: Bundesliga-Stars bei der Copa)

Selbstverständlich sind aber auch Juventus Turin und dann wieder Bayern München hervorragende Optionen.

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Berater heizt Wettbieten an

Eine wichtige Rolle in dem Pokerspiel spielt Berater Fernando Felicevich. Der heizt das öffentliche Wettbieten an und dient zudem als willkommene Ausrede, um sich nicht weiter festlegen zu müssen.

"Ich weiß nur, dass Fernando verschiedene Gespräche hatte, aber alles hängt von Bayer Leverkusen ab", sagt Vidal. Für das chilenische Internetportal "Trifuno" hat das Wechseltheater um Vidal fast schon die Züge einer Seifenoper, ähnlich des vergleichbaren Tauziehens um Teamkollege Alexis Sanchez, der vor einem Wechsel zum FC Barcelona steht - oder doch noch nur stehen soll?

Auch hier heißt der verantwortliche Berater übrigens Fernando Felicevich.

[kaltura id="0_qb0wvk33" class="full_size" title="Paraguay entt uschtzum Auftakt"]

Trainer Borghi ist gespalten

Zwischendrin gibt es noch Auftritte bei Sponsoren und bei der chilenischen Spieler-Gewerkschaft. Die nutzte die Gelegenheit erstmals die besten Profis der nationalen Ligen eins und zwei im Rahmen einer Gala auszuzeichnen.

Bei der "Gala del Futbol Chileno" zeichneten sich dann die Nationalspieler gegenseitig aus. Arturo Vidal erhielt von seinem Teamkollegen Pablo Contreras die Ehrung für den beste "Performance" im Ausland.

Chiles Trainer Claudio Borghi sieht dem ganzen Treiben vor dem Auftaktspiel seiner Mannschaft gegen die B-Auswahl Mexikos am Montag bei der Copa America mit gemischten Gefühlen zu.

Einerseits erhofft sich Borghi eine Motivationsspritze für die wechselwilligen Spieler, andererseits spricht kaum noch jemand im chilenischen Lager über den ersten, vermeintlich schwachen Gegner.

Bielsa, der Witwen-Produzierer

Borghi flüchtet sich derweil in Ironie: Angesprochen auf seinen Vorgänger Marcelo Bielsa, der wegen eines politischen Streits mit der Verbandsspitze trotz erfolgreicher Arbeit überraschend verließ, ließ sich Borghi einen launischen Spruch entlocken.

"Bielsa hat Chile mehr Witwen produziert als der zweite Weltkrieg", sprach er und musste so gleich über sich selbst lachen. Gemeint war wohl die große enttäuschte Fanschaar, die Bielsa in Chile hinterließ.

Der Begeisterung im Lager der chilenischen Fans tat das keinen Abbruch. Bei ihrer Ankunft am Sonntagabend im Spielort San Juan empfingen rund 200 Fans "La Roja".

Arturo Vidal musste viele Hände beim Gang durch das Spalier der Fans viele Hände schütteln. Zumindest die Vorschusslorbeeren hat Chile schon einmal einfahren.

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