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Lionel Messi war von 2009 bis 2011 Torschützenkönig in der Champions League © getty

Argentinien steht nach dem verpatzten Copa-Auftakt gegen Kolumbien unter Druck. Messi sucht seine Form in einem "verfluchten" Stadion.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

Santa Fe - Wimbledon hat seinen "Friedhof der Stars", Argentinien aber hat seinen "Friedhof der Elefanten".

Ausgerechnet hier - im Estadio Brigadier General Estanislao Lopez von Santa Fe - will die argentinische Nationalmannschaft und ganz besonders ihr Superstar Lionel Messi endlich den Fluch der letzten Jahre vertreiben.

Auf dem grünen Rasen, auf dem ansonsten Erstligist "Club Atletico Colon" um Meisterschaftspunkte kickt, sind schon manch große Namen ganz klein geworden.

Dort scheiterte schon Pele

Hier bissen sich Argentiniens Topklubs an dem Provinzverein die Zähne aus und hier verlor die brasilianische Fußball-Legende Pele mit seinem FC Santos 1964 mit 1:2.

Und später erging es der argentinischen Nationalmannschaft in einem Testspiel gegen Colon nicht viel besser.

Ausgerechnet auf diesem verwunschenem Platz also soll es endlich klappen mit einer Gala-Vorstellung von Superstar Messi.

Fans warten auf Messi-Tor

Den bekommen die Fans der "Albiceleste" bislang nur in Werbespots so zu sehen, wie sie es sich erhoffen.

Im offiziellen Magazin des argentinischen Fußball-Verbandes küsst Messi für einen Sponsor des Wappen des blau-weißen Trikots wie nach einem Torerfolg.

Doch auf eine solche Szene mussten die argentinischen Anhänger bei der Copa America bislang vergeblich warten.

Bundesliga-Spieler wollen sich nicht verstecken

Gegen Kolumbien (Do., ab 2.40 Uhr LIVE im TV bei SPORT1+) mit seinen Bundesliga-Profis Adrian Ramos (Hertha BSC) und Elkin Soto (FSV Mainz) soll das anders werden (424417DIASHOW: Bundesliga-Stars bei der Copa).

Zwar sagt der Berliner Torschütze Ramos nach dem 1:0-Auftaktsieg gegen Costa Rica:

"Wir haben Selbstbewusstsein getankt. Es gibt keinen Grund sich zu verstecken."

Und auch der Mainzer Soto gibt sich kämpferisch: "Wir werden Argentinien die Stirn bieten."

[kaltura id="0_xyb2z1vr" class="full_size" title="Schiedsrichter markiert Freisto "]

"Er kann nicht alles alleine machen"

Doch das will in Argentinien niemand hören. Stattdessen werden die Mitspieler Messis für dessen Erfolgslosigkeit im argentinischen Dress verantwortlich gemacht:

"Nicht Messi ist das Problem, sondern die, die um ihn herumspielen", sagt der allmächtige Verbandsboss Julio Grondona.

Auch Nationaltrainer Sergio Batista verteilt Streicheleinheiten an den Superstar: "Er kann nicht alles alleine machen, Bälle verteilen und diese dann auch noch selbst verwandeln."

Messi spielte im Copa-Auftaktspiel so wie immer in den letzten Jahren im Nationaltrikot: bemüht, aber erfolglos.

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Presse rätselt über Messi

Abgetaucht sei Messi, befanden die allmächtigen Experten in den unzähligen Talkshows des argentinischen Fernsehens. Ihre Worte sind nicht immer fair und gerecht, aber sie haben Gewicht bei den Fans.

Unterdessen überbieten sich die argentinischen Zeitungen in tiefenpsychologischer Analyse des Seelenheils von Lionel Messi.

Die Tageszeitung "La Nacion" zeigt ein Foto eines traurigen, gedankenversunkenen Stars.

Unter Druck gegen befreite Kolumbianer

Ganz so dramatisch ist die Situation nach dem 1:1 gegen Bolivien im Auftaktspiel noch nicht, dennoch könnte ausgerechnet in Santa Fe das argentinische Schicksal dieser Copa America eine vorentscheidende Wendung nehmen (DATENCENTER: Copa America).

Geht nämlich die Partie gegen Kolumbien verloren, wird sich die bislang noch verhaltene Kritik an dem Wunderstümer aus Rosario zu einem echten Proteststurm entwickeln.

Kolumbien kann derweil befreit aufspielen. Genüsslich zeigen die kolumbianischen TV-Sender wie immer am Vorabend eines Duells mit dem zweifachen Weltmeister die Szenen aus der legendären Partie vom 5. September 1993.

Erinnerung an Valderrama

Ein klein wenig erinnert dieses Ritual an den deutschen Silvesterbrauch "Dinner for one".

Doch die kolumbianischen Fans können sich auch 18 Jahre nach dem wohl spektakulärsten Triumph auf argentinischen Boden nicht an diesen Szenen satt sehen.

Damals gewann Kolumbien dank seiner goldenen Generation um Carlos Valderrama im Estadio Monumental in Buenos Aires mit 5:0.

Einen Favoriten zu Fall bringen

Unter den Torschützen damals: Adolfo "El Tren" Valencia, der zu jener Zeit des Trikot des FC Bayern München trug.

Zwei Kolumbianer, die Argentinien am letzten Spieltag der WM-Qualifikation damals in die Playoff-Runde schickten, sind auch heute noch dabei:

Spieler Leonel Alvarez ist mittlerweile Co-Trainer und Assistent von Hernan Dario Gomez, der damals zum kolumbianischen Trainerstab gehörte.

Zumindest diese beiden werden die Legende vom "Friedhof der Elefanten" genau kennen. Und ihre Spieler werden aufmerksam zuhören, wie man einen Favoriten zu Fall bringen kann.

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