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Lionel Messi (r.) erzielte in 44 Länderspielen für Argentinien 13 Tore © getty

Gastgeber Argentinien steht nach dem zweiten Remis bei der Copa America vor dem Aus. Die Kritik an Lionel Messi wird lauter.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

Buenos Aires/Santa Fe - Die lateinamerikanischen Radio- und TV-Reporter sind redselige Leute.

Auch bei der Copa America (täglich bis zum 24. Juli LIVE im TV bei SPORT1+) ist es für deutsche Ohren immer wieder ein Erlebnis zu hören, wie die Kollegen ein Fußballspiel fast 90 Minuten lang ohne Punkt und Komma durch kommentieren.

Als die 80. Minute in der Vorrundenpartie zwischen Argentinien und Kolumbien (BERICHT: Argentinien wieder ohne Sieg) gekommen war, da steigerte sich das lateinamerikanische Stimmengewirr in den "Cabinas de Television" des Stadions in Santa Fe zu einem wahren Orkan.

Schockstarre auf den Rängen

Lionel Messi hatte sich am Strafraumeck den Ball für einen Freistoß zurechtgelegt. Es war die Chance für den Superstar des FC Barcelona mit einem Geniestreich endlich all die Kritiker Lügen zu strafen, die ihn wegen seiner glücklosen Vorstellungen im Dress der argentinischen Nationalmannschaft so hart angingen.

Doch statt einer scharfen Flanke, eines gefährlichen Direktschusses, landet der Ball irgendwo im Nirgendwo - und plötzlich herrschte eisige Stille auf den Kommentatorenplätzen. Drei, vier Sekunden lang sagten all die Reporter aus Argentinien, aus Kolumbien, aus Brasilien oder aus Ecuador einfach nichts.

Geschockt ließen sie das Bild eines verzweifelten Mannes mit der Nummer 10 auf dem Rücken für sich sprechen. Ein erbärmlich ausgeführter Freistoß, der eines Weltfußballers nicht einmal im Ansatz würdig war.

Schweigen kann manchmal ein grausames Urteil sein.

[kaltura id="0_8vjhzg7d" class="full_size" title=" Messi und Co m ssen zittern "]

"Wir müssen das abschütteln"

Die Fans hatten ohnehin schon genug: Immer mehr Pfiffe hallten durch das ausverkaufte "Estadio Brigadier General Estanislao Lopez" und wo zu Spielbeginn noch tausende die eigene Mannschaft mit allen Kräften unterstützen, gab es nun nur noch höhnischen Beifall und hässliche Sprechchöre.

Besonders der gelungene Beinschuss des eingewechselten Mainzer Bundesliga-Profis Elkin Soto verzückte die mittlerweile wütenden argentinischen Fans. Fast hätte Soto damit doch noch den kolumbianischen Führungstreffer kurz vor Schluss möglich gemacht.

Zuvor hatten bereits im ersten Durchgang der Berliner Adrian Ramos und Dayro Moreno für die Kolumbianer treffen müssen. (424417DIASHOW: Bundesliga-Stars bei der Copa).

"Natürlich schmerzen diese Beleidigungen", sagte Carlos Tevez nach der Partie angesprochen auf die gekippte Atmosphäre. "Aber wir müssen das abschütteln."

Argentinien vor dem Aus

Die Tageszeitung "Clarin" sollte noch am Abend kommentieren: "In Santa Fe ist es zum Bruch zwischen der Nationalmannschaft und den Fans gekommen."

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Argentiniens Nationalmannschaft und mit ihr Lionel Messi stehen nach dem zweiten enttäuschenden Unentschieden in Folge vor dem Aus.

Ein Remis oder eine Niederlage gegen Costa Rica im letzten Gruppenspiel - vor dem Turnier noch undenkbar, jetzt eine echte Bedrohung - könnte sogar das Verpassen der Viertelfinals im eigenen Land bedeuten.

Nationaltrainer Sergio Batista wollte am Abend davon nichts hören: "Ich habe volles Vertrauen in unsere Mannschaft. Ich glaube daran, dass wir uns qualifizieren. Mathematisch ist noch alles möglich." (DATENCENTER: Copa America).

Allein diese Aussage muss für die argentinischen Fans angesichts der leichtesten Turniergruppe mit den Fußballzwergen Bolivien und Costa Rica wie Hohn klingen.

Kritik an Messi wird lauter

Die argentinischen Medien haben inzwischen die Geduld verloren. Immer wieder analysieren sie die Szenen in denen Messi voller Frust sein Trikot vor das Gesicht zieht, wie er verzweifelt in den Himmel starrt.

Und zwischendurch - ungewollter blanker Zynismus - Jubelbilder Messis gemeinsam mit seinen kongenialen Partnern Iniesta und Xaxi im Trikot des FC Barcelona als Werbung für die kommende Champions-League-Saison. Krasser könnte der Gegensatz nicht sein.

Auf der Tribüne halten Fans Banner mit Durchhalteparolen hoch: "Auch Messi ist nur ein Mensch", steht darauf zu lesen. Die User der Tageszeitung "La Nacion" sehen das anders. Sie wählten Messi zum schlechtesten Spieler der Partie.

Es wird einsamer und kälter für den Superstar und das liegt nicht nur am argentinischen Winter.

An der Integration Messis ins Nationalteam sind bereits die Trainer Alfio Basile und Diego Maradona gescheitert. Sergio Batista könnte das nächste Opfer werden.

Argentinien schimpft auf Messi und zittert vor Costa Rica. Wer hätte das noch vor einer Woche für möglich gehalten.

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