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Lionel Messi führte Argentinien 2008 zum Olympiasieg © getty

Nach dem bitteren Aus gegen Uruguay herrscht beim Copa-Gastgeber Katzenjammer. Die Medien laufen Sturm, die Fans feiern Maradona.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

Santa Fe - Als die argentinischen Stars mit hängenden Köpfen in den Mannschaftsbus verschwunden waren, begann TV-Moderater Fernando Niembro noch im Flutlicht des Stadions in Santa Fe mit der wütenden Generalabrechnung.

"Basta - Es ist jetzt genug", forderte der weißhaarige Kritiker mit aufgeregter Stimme:

"Wir brauchen einen radikalen Neuanfang mit Spielern die hungrig sind und nicht nur in ihr Heimatland kommen, weil sie finanzielle Abmachungen zu erfüllen haben. All diese Stars von Manchester United, von Real Madrid und FC Barcelona sind satt und träge."

Die "Gauchos" warten nun schon seit 1993 auf den Titel bei der Copa America.

Niembro meint den Grund zu kennen:

"Sie kommen, weil sie die Zeit mit ihren Familien verbringen wollen und nicht weil sie für ihr Land spielen wollen. Warum nehmen wir nicht einfach mal eine Pause von all diesen Muchachos, die uns so enttäuscht haben."

"Nationales Fiasko"

"Eine nationales Fiasko" urteilte die argentinische Tageszeitung "Clarin" nach dem Aus im Viertelfinale.

"Die Copa America - eine weiterer geplatzter Traum für Lionel Messi", schreibt "La Nacion" und legte nach: "Argentinien und eine Copa zum Vergessen".

120 Minuten lang hatten sich die beiden Nachbarn und Rekord-Copasieger Argentinien und Uruguay im Kampf um einen Platz im Halbfinale bekämpft (DATENCENTER: Copa America).

Zwei Platzverweise

Zunächst hatte Diego Perez die Gäste in Führung geschossen, war aber 21 Minuten nach Gonzalo Higuains Ausgleich (18.) mit Gelb-Ror vom Platz geflogen.

Doch 48 Minuten numerische Überlegenheit blieben erfolglos, ehe Gaucho-Kapitän Javier Mascherano ebenfalls die Ampelkarte sah (87.).

Am Ende behielt Uruguay im Elfmeterschießen die Oberhand (News), weil ein kreidebleicher Carlos Tevez im Elfmeterschießen scheiterte.

[kaltura id="0_gy9eits8" class="full_size" title="Argentinien scheitert im Elfer Krimi"]

Tevez als Sündenbock

"Uru"-Torwart Fernando Muslero entschärfte den schwach geschossenen Ball von Tevez, der von allen argentinischen Stars den tiefsten Sturz zu verkraften hat.

[image id="65015541-6472-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Die Geschichte von Tevez hat schlecht angefangen und noch schlechter aufgehört", spottete "Clarin" mit Blick auf die schwachen Auftritte des von Nationaltrainer Sergio Batista in die Seleccion zurückgeholten Stürmers in der Vorrunde.

"Er bleibt alleine zurück im Auge des Orkans", meinte "La Nacion" über den "Spieler des Volkes."

Tevez sollte der Held der Copa America werden, am Ende wurde er der große Versager.

Fans verspotten Messi

Spott gab es zudem von den zahlreichen Uru-Fans im Stadion für Lionel Messi bereits während der Partie:

"Messi ist ein Spanier", sangen die Fans der "Celeste" gehässig und streuten damit Salz in die Wunde des schwierigen Verhältnisses zwischen dem Superstar des FC Barcelona und den argentinischen Fans.

Fast 16 Pflichtspiele ist der "Floh" nun schon ohne einen Treffer im Nationaltrikot.

Die Anhänger trösteten sich wie schon nach den schwachen Auftritten beim 1:1 gegen Bolivien und beim 0:0 gegen Kolumbien mit ihrem Lieblingslied "Ole, Ole, Ole - Diego, Diego".

Batista will weitermachen

Das frühe Aus und die insgesamt schwachen Auftritte des zweimaligen Weltmeisters werden in den nächsten Tagen hitzige Debatten in Argentinien nach sich ziehen.

Nationaltrainer Batista erklärte unmittelbar nach der Partie, er wolle seinen Vertrag erfüllen.

"Ich habe immer gesagt, dass das wichtigste Ziel die WM 2014 ist. Ich werde weitermachen."

Genau das aber kritisieren die argentinischen Medien scharf: "Eine Copa America im eigenen Land, ist das nicht wichtig?", fragt Kommentator Niembro und stellt die Trainerfrage:

"Vielleicht sollten wir auch über einen Neuanfang auf der Bank nachdenken. Wir brauchen einen Trainer der erfahren ist, der respektiert wird und der ein Konzept hat und der den Stars in den Hintern tritt."

Argentinier wollen Maradona zurück

Schon am Samstagabend kehrte ein Name in die Spekulationen zurück, der mit der Nationalmannschaft eigentlich schon abgeschlossen hatte.

Diego Maradona, mittlerweile Trainer beim arabischen Klub Al-Wasl in Dubai, ist der Wunschtrainer der einfachen Fans.

Doch ihn verbindet mittlerweile mit dem allmächtigen Verbandsboss Julio Grondona eine tiefe Feindschaft.

Um Maradona zurück ins Traineramt zu hieven, wäre eine Revolution im argentinischen Fußball-Verband nötig.

Genau aber das fordern die enttäuschten argentinischen Journalisten. Die Abrechnung hat gerade erst begonnen.

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