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Mit Andre Santos und Brasilien scheitert ein weiterer Favorit bereits im Viertelfinale © getty

Die Selecao tut es Rivale Argentinien gleich und verabschiedet sich von der Copa America. Der Schuldige ist schnell ausgemacht.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

San Juan - Schuld war am Ende der Sand.

"Man kann uns zehnmal zum Elfmeterschießen hinstellen. Dann werden wir sicherlich auch mal das Tor verfehlen, aber niemals so weit darüber schießen. Es gab ein Loch am Elfmeterpunkt, das sie mit Sand aufgefüllt hatten. Der Fuß ist dort regelrecht eingesunken", sagte Andre Santos nach dem bitteren Aus im Elfmeterschießen gegen Paraguay mit dem Ex-Bremer Nelson Valdez.

Vier brasilianische Schützen waren angetreten, viermal brachten sie die Kugel aus elf Metern nicht im Gehäuse des an diesem Tage überragenden Albirroja-Schlussmann Justo Villar unter (die Halbfinalspiele Mittwoch und Donnerstag ab 2.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+).

Elano, Andre Santos und Fred hatten ihre Versuche über oder neben das Tor gesetzt, Thiago Silva scheiterte an Paraguays Torhüter.

"Das war heute nicht unser Tag", gestand dann auch Trainer Mano Menezes. Dagegen trafen immerhin zwei der drei Schützen Paraguays: Marcelo Estigarribia und Cristian Riveros waren aus der Sandgrube erfolgreich.

Brasilien nutzt Chancen nicht

Im eiskalten Stadion von La Plata hatte Brasilien zuvor 120 Minuten lang die Partie beherrscht, aber die Chancen nicht genutzt.

Neymar, Pato, Ganso, Lucio und Robinho scheiterten entweder an der eigenen Unfähigkeit oder eben an Justo Villar, der von den rund 20.000 Fans aus Paraguay im schmucken Stadion von La Plata gefeiert wurde.

Auch Elano, eigens für das Elfmeterschießen kurz vor Schluss eingewechselt, zeigte sich dann auch selbstkritisch: "Ich trainiere täglich Elfmeter, deshalb tut das Aus doppelt weh. Der Rasen war schrecklich, aber das soll nicht als Ausrede dienen. Augen nach vorne richten und weiter arbeiten."

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Derweil suchte Robinho, seit Amtsantritt des neuen Coaches Menzenes bislang noch ohne Torerfolg, die Schuld wieder einmal woanders: "Der Rasen hat uns benachteiligt. Bei dem unebenen Rasen hatten wir Probleme mit unserem Passspiel."

Zumindest seine Kollegen nahm der Mailänder in Schutz: "Wir hatten Elfmeter trainiert. Wer angetreten ist, erzählte, dass es nicht einfach war zu schießen."

Trotz des frühen Aus im Viertelfinale und der verpassten Titelverteidigung richtet Robinho den Blick nach vorne: "Wir haben ein gutes Turnier gespielt. Wir stehen am Anfang unserer Arbeit. Jetzt müssen wir den Kopf hochheben und an die WM im eigenen Land denken." (Copa AmericaLIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+)

Selecao enttäuscht schon in der Vorrunde

Diese Einschätzung hat Robinho dagegen exklusiv, denn wirklich überzeugt hat der Rekord-Weltmeister bei dem Turnier nicht.

Zwei Remis gegen Venezuela (0:0) und Paraguay (2:2) ein lockeres 4:2 gegen Ecuador, das schwächste Team des Turniers, und nun das glücklose Gekicke im zweiten Aufeinandertreffen mit Paraguay binnen acht Tagen (DATENCENTER: Copa America).

Menezes: "Müssen Weg weitergehen"

Für Coach Menezez hat die Copa America trotz des Scheiterns gezeigt, dass sein Team sich entwickelt. "Wir müssen den Weg weitergehen und eine Mannschaft formen, die der brasilianische Fan sehen will", sagte der 49-Jährige.

Brasilien tritt mit einer ähnlich ernüchternden Bilanz die Heimreise an, wie das am Tag zuvor ausgeschiedene Argentinien. Südamerikas Fußball-Giganten haben sich beim ältesten Nationen-Turnier der Welt kräftig blamiert.

[kaltura id="0_rxz3pso9" class="full_size" title="Brasilien nach Elfer Blamage raus"]

Für Trainer Mano Menezes brechen nun schwere Zeiten an. In den nächsten zwei Jahren gibt es keine Möglichkeit, in Pflichtspielen seine Truppe einzuspielen. Stattdessen warten für die als Gastgeber automatisch für die WM 2014 qualifizierten Brasilianer mehr oder weniger sportlich wertvolle Testspiele.

Blick in die Geschichte macht Hoffnung

Mit dem Makel des frühen Ausscheidens muss sich der brasilianische Coach nun in der Heimat der kritischen Presse stellen. Immerhin einen Hoffnungsschwimmer gibt es dennoch - der Blick in die Geschichte.

Vor exakt zehn Jahren bei der Copa America 2001 war Brasilien zuletzt frühzeitig im Viertelfinale gescheitert. Damals gab es im kolumbianischen Manizales eine 0:2-Schlappe einer ersatzgeschwächten brasilianischen Mannschaft gegen Honduras.

Rückendeckung für den Trainer

Der Trainer, der sich damals beißende Kritik aus der Heimat anhören musste, hieß Luiz Felipe Scolari. Ein Jahr später bei der WM in Japan und Südkorea wurde er nach einem Sieg im Finale gegen Deutschland Weltmeister.

Menezes erhielt noch am gleichen Abend die Rückendeckung von Verbandsboss Ricardo Teixeira. "Mano bleibt Trainer der Selecao", ließ Teixeira über seinen Pressesprecher verkünden.

Wie viel diese Worte jedoch wert sind, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.

Menezes kennt die Gesetze des Marktes, der Nachfolger von Carlos Dunga weiß um die Kurzlebigkeit solcher Treueschwüre - besonders nach Blamagen wie diesen: "Der Fußball wertet nur denjenigen auf, der gewinnt."

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