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Paolo Guerrero (l.) spielt seit 2004 für die peruanische Nationalelf © getty

Nach dem überraschenden Einzug ins Halbfinale stimmt Peru Lobeshymnen auf Paolo Guerrero an. Der steht vor einem Wechsel.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

San Juan - Vom Problemfall zum Volkshelden:

Perus Nationalstürmer Paolo Guerreo hat mit seiner starken Vorstellung bei der Copa America in Argentinien nach skandalreichen Jahren nicht nur die Herzen der Fans in seinem Heimatland zurückerobert, sondern sich offenbar auch ins Visier des spanischen Traditionsklubs Atletico Madrid gespielt.

Nach Informationen des peruanischen Internetportals "generacion.com" hat Atletico bereits versucht mit dem Stürmer des Hamburger SV Kontakt aufzunehmen, doch der wiegelt bislang ab:

"Ich möchte mich jetzt erst einmal auf Peru konzentrieren, die Angebote kann ich mir später immer noch anhören", sagte der bislang überragende peruanische Stürmer.

Ein Dementi klingt anders.

Konzentration auf das Halbfinale

Jetzt konzentriert sich Guerrero erst einmal auf das Halbfinale gegen Uruguay (Mittwoch ab 2.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+).

Der Bundesliga-Profi durchlebt in den 14 Tagen die Verwandlung vom Problemfall zum Volkshelden.

Vor gut zwei Wochen noch machte sich der peruanische Comedian Carlos Alvarez mit einer TV-Imitation über die angebliche Wehleidigkeit des Stürmers lustig, nachdem sich Guerrero zuvor über die harte Gangart Senegals im letzten Testspiel vor der Copa beschwert hatte.

Mittlerweile hat sich das Blatt gewendet: Moderator Beto Ortiz, einer der einflussreichsten TV-Journalisten des Landes lobt den Andenkicker via Twitter in höchsten Tönen.

"Paolo Guerrero ist ein Gott, eine Sonne und eine Macht, die eine Welt von einem Augenblick zum anderen verändern kann."

Guerrero als echter Leader

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Wie immer ist bei der Bewertung der Leistung ihrer Kicker die Gefühlslage in Südamerika etwas extremer als im zurückhaltenden Deutschland.

Doch Guerrero präsentiert sich in Peru als echter Leader eines durch die verletzungsbedingten Ausfälle von Claudio Pizarro (Werder Bremen) und Jefferson Farfan (Schalke 04) geschwächten Teams.

Er stoppt ganz bewusst die Euphoriewelle nicht, auf der die Peruaner derzeit schwimmen: "Wir alle könnten für Peru töten", bedient der "Krieger" gewöhnungsbedürftige Vergleiche.

Zugleich warnt er aber auch vor übertriebenen Erwartungen:

"Wir denken noch nicht ans Finale. Zuvor haben wir ein anderes Finale gegen Uruguay. Jeder von uns weiß was er zu tun hat. Wir alle lösen hier unsere Versprechen ein."

[kaltura id="0_rxz3pso9" class="full_size" title="Brasilien nach Elfer Blamage raus"]

Farfan: "Die Sensation der Copa"

Lob gab es unterdessen vom verletzten Teamkollegen Farfan.

Der Schalker kürte Guerrero kurzerhand zum besten Stürmer des Turniers: "Für mich ist er die Sensation der Copa", sagte er.

"Viele hat er mit seinem Spiel überrascht. Mich aber hat das nicht gewundert, denn ich kenne ihn von kleinauf. All das hat er sich wegen seiner vielen Verletzungen redlich verdient. Jetzt erlebt er seine ganz persönliche Revanche."

Kandidat für die Torjägerkanone

Guerrero ist mit bislang zwei Treffern immer noch ein heißer Kandidat um die Torjägerkrone der Copa America, die in der Vergangenheit so illustre Namen wie Ronaldo, Gabriel Batistuta, Rivaldo oder Pele gewannen (DATENCENTER: Copa America).

Hinter dem peruanischen Aufstieg steht - neben Guerrero - vor allem ein Name:

Sergio Markarian, Uruguayer, 66 Jahre, und ein echtes Urgestein, der erst vor wenigen Tagen einen Auftritt bei einer Pressekonferenz in bester Trapattoni-Manier hinlegte.

Eigentlich wollte Markarian keine Nationalelf mehr übernehmen, um nicht gegen sein Heimatland spielen zu müssen. Nun muss er ausgerechnet Uruguay einen möglichen Einzug ins Finale vermiesen.

Der Otto Rehhagel aus Peru

Markarian war selbst nie Profi und arbeitet nun schon seit 35 Jahren als Trainer.

Insgesamt in sechs Ländern (Uruguay, Paraguay, Peru, Griechenland, Mexiko und Chile) war der Otto Rehhagel Perus tätig.

Er ist einer der fleißigsten Titelsammler Lateinamerikas und holte elf nationale Meisterschaften.

Seit dem 23. Juli 2010 ist Nationaltrainer Perus, wo er zuvor von 1993 bis 1997 auf Klubebene gearbeitet hatte.

Aus dieser Zeit resultiert auch der Spitznamen "El Mago" (der Zauberer), weil er Universitario Lima 1993 vom vorletzten Platz zur Meisterschaft führte und 1997 Sporting Cristal bis ins Finale der Copa Libertadores brachte.

Sollte er aus Peru den neuen Südamerika-Meister machen, werden sie in Lima endgültig zum Zauberer erklären.

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