vergrößernverkleinern
Juan Arango spielt bereits seit 1999 für die venezolanische Nationalmannschaft © getty

Im Halbfinale der Copa gegen Paraguay will der Gladbacher Profi Venezuela mit Hilfe der "Heiligen Jungfrau" ins Finale schießen.

Von der Copa America berichtet Tobias Käufer

San Juan - Vor ein paar Tagen erntete er noch ein mitleidiges Lächeln.

"Wir wollen ins Finale", verkündete Juan Arango verwegen.

Die "Creme de la Creme" des südamerikanischen Fußballs hatte sich im Viertelfinale der Copa America versammelt, Venezuela wirkte als ewiger Prügelsack im Konzert der Großen fehl am Platze.

Doch dann machte der Mittelfeldstratege von Borussia Mönchengladbach im K.o.-Duell gegen Chile seinem einstigen Spitznamen "Knallrango" alle Ehre. (DATENCENTER: Copa America)

Ein perfekt gezirkelter Freistoß auf dem Kopf von Oswaldo Vizcarrondo - das überraschende 1:0.

Ein zweites Geschoss, dass Chiles Schlussmann Claudio Bravo nur vor die Füße von Gabriel Cichero abwehren konnte - die Entscheidung zum 2:1-Sieg.

"Vinotintos" attackieren den Baseball

"Es war unglaublich, ein Schwall von Emotionen. Ich wollte eigentlich nicht losheulen, aber die Tränen flossen ungehemmt", beschrieb der Kapitän der aufgrund ihrer weinroten Trikots "Vinotintos" genannten Heroen, die im Land an der Karibikküste nun an der Monopolstellung des Nationalsports Baseball knabbern.

Nach dem sensationellen Bundesliga-Endspurt mit den eigentlich schon totgesagten Gladbachern weiß der 31-Jährige, dass im Fußball alles möglich ist. "

"Wir sind hier, um große Dinge zu vollbringen", lautete dann auch die Kampfansage an Paraguay mit dem Dortmunder Lucas Barrios vor dem Halbfinale am Mittwoch (Do., ab 2.40 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+) in Mendoza.

Zeit der Duckmäuser

Die Zeit der Duckmäuser ist endgültig vorbei.

Als einziges südamerikanisches Team war Venezuela noch nie Gast bei einer WM-Endrunde, der einstige Punktelieferant ist auf dem Kontinent jedoch zu einer ernsthaften Größe gereift.

[image id="187d790f-6472-11e5-acef-f80f41fc6a62" class="half_size"]

"Das Team ist eine gute Mischung aus erfahrenen Fußballern und jungen Talenten. Wir haben ein paar feine Techniker in den Reihen und eine Abwehrreihe, die solide steht", beschreibt "Arangol" die Erfolgsformel.

Bei der Qualifikation zur WM 2002 hatte Venezuela erstmals zum Abschluss nicht die "Rote Laterne" in der Hand.

"Keine Rache gegen Paraguay"

Auf dem Weg nach Südafrika 2010 stoppte ausgerechnet Paraguay das Team von der Karibikküste mit einem 2:1-Auswärtssieg am vorletzten Spieltag.

"Es wird keine Rache geben. Wir werden unser Spiel, unser Halbfinale spielen. Und gewinnen", verriet der als ruhiger Vertreter bekannte Kapitän.

Auf jeden Fall ist Arango, der ohne Urlaub zur Copa fuhr, in Argentinien noch bis zum Wochenende beschäftigt, entweder im "kleinen Finale" am Samstag oder beim Endspiel am Sonntag.

Und käme dann auf die Jubiläumszahl von 100 Länderspielen.

[kaltura id="0_ck5ngsg0" class="full_size" title="Venezuela schafft Historisches"]

Konkurrenz in Gladbach

Bleibt abzuwarten, wann und wie er sich anschließend bei der Borussia vorstellt, bei der in der Vorbereitung Neuzugang Lukas Rupp einen tollen Eindruck als Arango-Ersatz hinterlässt.

Auf Anfrage von SPORT1 teilte Borussia Mönchengladbach mit, der Mittelfeldstratege werde direkt nach der Copa an den Niederrhein reisen. Sonderurlaub ist nicht geplant.

Dabei hatte sich der "Hurrikan der Karibik" bei Trainer Lucien Favre wieder in die Stammelf gespielt, nachdem er unter Michael Frontzeck nicht mehr erste Wahl war.

Bundesliga noch fern

Beim Schweizer genoss der Linksfuß jedoch vollstes Vertrauen, spielte stets von Beginn an und wurde nur dreimal spät ausgewechselt.

Aber die Bundesliga ist für Arango noch fernes Gedankengut.

"Es fehlen noch zwei Partien, und erst danach haben wir Geschichte geschrieben", so der Spielmacher, der vor der Copa von einem Fan eine kleine Statue der "Heiligen Jungfrau von el Valle" geschenkt bekam.

Erfolg mit Hilfe der "Heiligen Jungfrau"

Die Schutzpatronin West-Venezuelas hatte den "Vinotintos" schon beim dramatischen 3:3 im Gruppenspiel gegen Paraguay Glück gebracht.

Der späte Ausgleichstreffer entsprang dabei erneut den Füßen Arangos, der einen Eckball auf den Kopf des aufgerückten Torhüters Renny Vega zirkelte, von wo aus die Kugel zum umjubelten Torschützen Grenddy Perozo sprang.

Paraguay und Venezuela standen sich bislang 20 Mal gegenüber, und die "Guaranies" dominieren die Bilanz mit 15:2 Siegen bei drei Unentschieden.

In den bislang fünf Duellen beim südamerikanischen Kontinentalturnier fällt der Vergleich mit 4:0-Erfolgen (1 Remis) noch eindeutiger aus.

Doch mit Hilfe der "Heiligen Jungfrau" und "Knallrango" wollen die "Vinotintos" ein neues Erfolgskapitel in ihrer noch jungen Fußball-Historie schreiben.

Das letzte Kapitel soll beim Finale in Buenos Aires geschrieben werden.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternteilenE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel