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Brasilien scheiterte im Viertelfinale im Elfmeterschießen an Paraguay © getty

Nach dem Finale zwischen Uruguay und Paraguay steht die Copa America vor einer Reform. Das Teilnehmerfeld soll ausgebaut werden.

Von Tobias Käufer

Buenos Aires - Die 43. Auflage der Copa America in Argentinien, die am Sonntag (ab 21 Uhr LIVE auf SPORT1 und SPORT1+) mit dem Überraschungsfinale zwischen Uruguay und Paraguay im Estadio Monumental in der Hauptstadt Buenos Aires zu Ende geht, dürfte die letzte in dieser Form gewesen sein.

Nach Informationen der argentinischen Tageszeitung "La Nacion" steht das älteste Nationenturnier der Welt vor einer tiefgreifenden Reform (DATENCENTER: Copa America) .

In vier Jahren, wenn Brasilien nach Konföderationen-Pokal 2013, Fußball-WM 2014 auch noch die Copa America 2015 ausrichten soll, wird die Südamerika-Meisterschaft weiter wachsen.

Ausweitung des Teilnehmerfeldes

Geplant ist eine Ausweitung des Teilnehmerfeldes auf 16 Nationen. Hinzukommen würden die stärksten Nationen des nord- und mittelamerikanischen Verbandes CONCACAF, also unter anderem die USA, Kanada, Mexiko und Costa Rica.

Aus diesem Grund erwägt der südamerikanische Verband das Turnier 2015 auch nicht wie nach zuletzt festgelegter alphabetischer Reihenfolge nach Brasilien, sondern nach Mexiko zu vergeben.

Die Expansion nach Norden würde ökonomisch angesichts der vielen lateinamerikanischen Einwanderer in den USA und Kanada durchaus Sinn machen.

Zudem wäre mit einem 16er-Feld auch eine deutlich spannendere Vorrunde als im derzeitigen 12er-Feld möglich, aus der vor dem Viertelfinale nur vier Teams ausscheiden.

Aus für Gold-Cup

Der neue Modus wäre praktisch das Aus für den Gold-Cup, also die Nord- und Mittelamerikameisterschaft. Im Gegenzug würden die 40 CONCACAF-Länder analog zur Europameisterschaft eine Qualifikationsrunde ausspielen.

Im August und September wollen sich die Spitzen der beiden Kontinentalverbände treffen, um die Verhandlungen voranzutreiben.

Conmebol-Präsident Nicolas Leoz hat bereits seine Zustimmung signalisiert: "Ich sehe keine Probleme, wenn die Freunde aus dem Concacaf den Vorsitz der ersten Etappe der Verhandlungen übernehmen", baut der Funktionär aus Paraguay eine Brücke.

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Er gilt als einer der mächtigsten Männer im südamerikanischen Fußball.

Ausrichter Argentinien in der Kritik

Vielleicht hat auch das organisatorische Debakel bei der Copa America die Verantwortlichen wachgerüttelt. Schon länger träumen die Conmebol-Verantwortlichen davon, dass die Copa in etwa den Stellenwert einer Europameisterschaft erhält.

Dazu ist aber eine professionellere Organisation notwendig. Argentinien hat eine große Chance verpasst, sich als möglicher Gastgeber für eine WM 2030 zu präsentieren.

Gemeinsam mit Uruguay plant Argentinien eine gemeinsame WM-Bewerbung. Die Tageszeitung "El Pais" aus Uruguay bewertete das Turnier als eine "Copa der dritten Welt."

Probleme mit den Akkreditierungen, arrogante und unfreundliche Funktionäre, ein undurchsichtiger Ticketverkauf, der für ein halbleeres Halbfinale in Mendoza sorgte und Spielflächen im katastrophalen Zustand, werfen kein gutes Licht auf den argentinischen Fußballverband.

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Zu allem Überfluss tobt derzeit auch ein öffentlicher Rosenkrieg der Mitglieder der Weltmeistermannschaft 1986. Diego Maradona, Nationaltrainer Sergo Batista und all die anderen sind heillos zerstritten. Dass zudem auch noch die Gastgeber sportlich enttäuschten, passte irgendwie ins Bild.

Uruguay bestätigt Vormachtstellung

Rein sportlich betrachtet hat die Copa America den Trend der letzten Jahre bestätigt. Der WM-Vierte Uruguay unterstrich seine Vormachtstellung auf dem Kontinent.

Als bestes südamerikanisches Team der WM 2010, das zudem auch den besten WM-Spieler stellte (Diego Forlan), kann Uruguay am Sonntag zum alleinigen Rekord-Copasieger aufsteigen, wenn tatsächlich Titel-Nummer 15 eingefahren wird.

Luis Suarez könnte sich zum Copa-Torjäger krönen. Alles kein Zufall wie Trainer Oscar Tabarez betont, sondern das Ergebnis einer durchgreifenden Verbandsreform in den letzten Jahren.

Die U 17 wurde vor wenigen Wochen Vize-Weltmeister, die U 20 gehört zum erweiterten Kandidatenkreis der Titelanwärter bei der in der kommenden Woche beginnenden U-20-WM in Kolumbien. Uruguay macht es den beiden Giganten vor.

Großmächte verlieren den Anschluss

Argentinien und Brasilien scheinen dagegen den Anschluss an die Weltmarktführer in Sachen Natonalmannschaft aus Spanien und Deutschland etwas verpasst zu haben.

Beide südamerikanischen Großmächte kamen sowohl bei der letzten WM als auch bei der noch laufenden Copa nicht über das Viertelfinale hinaus.

Während Brasilien bereits den Generationswechsel mit den Jungstars Pato, Gato und Neymar einläutete, stehen Argentinien diese brisanten personellen Einschnitte noch bevor.

Zumindest eines kann den Gastgebern noch Hoffnung machen: Aus dem tiefen Tal der Tränen gibt es in der Regel nur einen Ausweg und der führt wieder nach oben.

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