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Dortmudns Lucas Barrios (r.) will am Sonntagabend über den Finalsieg jubeln © getty

Im Finale der Copa America gegen Uruguay kann sich Dortmunds Lucas Barrios mit Überraschungsteam Paraguay seinen Traum erfüllen.

Von Tobias Käufer

Buenos Aires - Wer weiß, ob Lucas Barrios eine solche Chance noch einmal bekommt:

32 Jahre lang wartet Paraguay auf den Gewinn der Copa America, heute soll es endlich so weit sein.

Das Finale gegen das leicht favorisierte Uruguay (ab 20.55 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 und SPORT1+ und im LIVE-TICKER) soll für den Stürmer des Deutschen Meisters Borussia Dortmund einen weiteren illustren Titel bescheren.

Titel-Hattrick im Visier

Nach der Auszeichnung zum Welttorjäger, dem Bundesliga-Titel soll es nun auch mit der ersten Trophäe im Trikot der Nationalmannschaft klappen.

Und das ausgerechnet in Barrios' Heimatstadt Buenos Aires. (DATENCENTER: Copa America).

Hier in San Fernando, einem Vorort im Ballungszentrum der argentinischen Hauptstadt, erblickte Barrios am 13. November 1984 das Licht der Welt.

Und hier lernte er das Fußballspielen.

Der Mama zuliebe

Heute kommt Barrios als gestandener Profi zurück.

Weil seine Mutter aus Paraguay stammt, hat er sich vor der WM 2010 entschieden, die Nationalität des Staates aus dem Zentrum Südamerikas anzunehmen.

Seitdem ist er aus Paraguays Nationalteam nicht mehr wegzudenken. Ausgerechnet in Buenos Aires also wird er ein Schlüsselspieler im Finale gegen Uruguay sein.

Im Estadio Monumental, in dem Kultklub River Plate spielt, geht es um Südamerikas Fußballkrone.

Zuletzt hatte zweimal Brasilien jeweils gegen Argentinien in Peru 2004 und Venezuela 2007 die Oberhand behalten.

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Die große Bühne des südamerikanischen Fußballs

Doch die südamerikanischen Giganten haben sich vorzeitig verabschiedet, nun gehört Lucas Barrios und den 21 weiteren Akteuren des Finales die große Bühne des südamerikanischen Fußballs.

Das Stadion wurde eigens für das Finale renoviert.

Nach dem ebenso überraschenden wie bitteren Abstieg von River Plate in die Serie B - erstmals muss der Klub in der zweiten Liga ran - hatten die Fans im Stadion und im unmittelbaren Umfeld der Arena schwere Verwüstungen angerichtet.

Die Rechnung bezahlt nun der Steuerzahler. Wochenlang war unklar, ob wegen der Beschädigungen die Partie überhaupt in der River-Arena stattfinden kann.

"Es geht darum dieses Spiel zu gewinnen."

Doch das wird Lucas Barrios und seine Teamkollegen nicht interessieren: "Wir spielen ein Finale", sagt er SPORT1 in Buenos Aires.

Ein klein wenig wurmt es den Dortmunder dann doch, dass die südamerikanischen Medien angesichts der fünf Remis in Serie - im Viertel- und Halbfinale setzte sich Parguay dank der Paraden von Keeper Justo Villar durch - ein wenig spöttisch über die Minimalisten berichten. (Bericht und Video)

[kaltura id="0_esnxassc" class="full_size" title="Guerrero schie t Peru auf Platz drei"]

"Wir müssen niemanden etwas beweisen, das haben wir schon bei der WM getan, als wir bis ins Viertelfinale gekommen sind. Aber wir müssen und wir werden besser spielen", sagt Barrios und verschwindet mit entschlossenem Blick in den Mannschaftsbus.

BVB-Kollegen drücken die Daumen

Seine Teamkollegen in Dortmund werden ihm heute Abend vor dem Fernseher die Daumen drücken. Mit ihnen hat er sich bereits fleißig per SMS ausgetauscht.

Für die südamerikanischen Medien ist es ein Duell der Stürmer - auf der einen Seite der Ex-Dortmunder Nelson Valdez und eben Barrios - auf der anderen Seite Luis Suarez vom FC Liverpool und Diego Forlan von Atletico Madrid.

Suarez könnte mit einem Doppelpack im Finale noch mit dem Peruaner Paolo Guerrero vom Hamburger SV (5 Treffer) im Kampf um die Torjägerkrone gleichziehen.

Für Forlan geht es darum, die Familientradition fortzusetzen.

Großvater Juan Carlos Corazzo gewann als Trainer gleich zweimal die Copa, sein Vater Pablo stemmte als Spieler die Trophäe ebenfalls einmal in die Höhe.

"Ich glaube das wäre etwas Historisches"

"Ich glaube das wäre etwas Historisches. Hoffentlich gelingt uns das", sagt Forlan der Tageszeitung "La Nacion".

Bei der laufenden Copa America avancierte Forlan zudem mit 81 Spielen zum neuen Rekord-Nationalspieler seines Heimatlandes.

"Niemals hatte ich daran gedacht, dass sich alles so entwickelt, als ich als junger Spieler zur Nationalmannschaft gekommen bin. Das Ganze ist schon verrückt."

Entscheidend wird auch sein, welcher der beiden Torhüter den besseren Tag erwischt.

Sowohl Paraguays Justo Villar als auch Uruguays Fernando Muslera waren bisher sichere Rückhalte ihrer Teams, bewiesen im Elfmeterschießen kühlen Kopf und zählen zu den absoluten Leistungsträgern in ihren Mannschaften.

Es ist alles offen vor dem Finale.

Es wird Geschichte geschrieben

Nur eines steht fest. Es wird am Sonntag Geschichte geschrieben:

Gewinnt Uruguay, krönt sich das Team mit Titel Nummer 15 zum alleinigen Rekord-Copasieger vor Argentinien (14) und Brasilien (8).

Gewinnt Paraguay wäre eine drei Jahrzehnte lange Wartezeit ohne Titel zu Ende.

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