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Diego Forlan (l.) gewann 2010 mit Atletico Madrid die Europa League © getty

Der Altmeister übertrumpft mit dem 15. Copa-Erfolg Argentinien und bestätigt die starke WM. Forlan setzt eine Tradition fort.

Von Tobias Käufer

Buenos Aires - Dem Vater des Erfolgs zitterte in der Stunde des größten Triumphs ein wenig die Stimme.

"Das ist sicherlich nicht das Wichtigste dieser Welt, aber für uns Uruguayer bedeutet es sehr, sehr viel", so Oscar Washington Tabarez (DATENCENTER: Copa America).

Der Nationaltrainer, den sie am nördlichen Ufer des Rio de la Plata respektvoll "El Maestro" nennen und demnächst wohl ein Denkmal erbauen werden, war sich der historischen Stunde bewusst.

Mit dem 15. Copa-America-Titel am großen Bruder Argentinien vorbeigezogen, nach 16 Jahren endlich wieder einen Siegerpokal in der Hand, die im vergangenen Jahr mit Platz vier bei der WM in Südafrika angedeutete Rückkehr in die Beletage des Weltfußballs zementiert.

"König von Amerika ist zurück"

"Der König von Amerika ist zurück", titelte dann auch euphorisch das Informationsportal der als seriös angesehen Tageszeitung "El Observador" nach dem 3:0 (2:0) im "Gran Final" gegen Paraguay (Bericht).

Die "Celestes" räumten bei der 43. Auflage des ältesten Nationenturniers der Welt groß ab (434133DIASHOW: Die Bilder des Spiels).

Neben dem neun Kilo schweren Silberpokal erhielten Luis Suarez als bester Spieler des Turniers und Sebastián Cotes als bester Jungspieler ihre eigenen Trophäen.

Eher in die Kategorie "unfreiwillig" fiel der Gewinn der Fair-Play-Wertung, haben sich die "Urus" in den vergangenen Jahrzehnten doch den zweifelhaften Ruf einer kompromisslosen, teils rüden Gangart erworben.

Forlan als Matchwinner

Mittlerweile sind aber auch Ballzauberer am Werke.

Wie Diego Forlan, der beim WM-Turnier im vergangenen Jahr noch mit dem "Goldenen Ball" dekoriert worden war, diesmal zwar ohne individuelle Prämierung blieb, sich im Finale jedoch mit zwei Toren selber belohnte.

Mit nun 31 Länderspieltreffern holte er die Rekordmarke von Hector Scarone ein, die Uruguays Fußballlegende vor über acht Jahrzehnten aufgestellt hatte.

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Stürmer setzt Tradition fort

Wichtiger war dem 32-Jährigen jedoch eine andere historische Tat.

"Dieser Titel bedeutet viel für mich, denn mein Großvater hat ihn schon gewonnen, mein Vater hat ihn gewonnen, und jetzt ich", erinnert der Spross einer großen Fußball-Familie, ehe er den Pathos ablegte und lautstark verkündete: "Jetzt wird gefeiert."

Euphorischer Empfang

Und wie gefeiert wurde.

Noch am Sonntagabend trafen die neuen Nationalhelden auf dem Militärflughafen Montevideos ein, fuhren im Autokorso durch die Innenstadt der Millionen-Metropole und wurden von 60.000 Landsleuten im Estadio Centenario euphorisch empfangen.

[kaltura id="0_esnxassc" class="full_size" title="Guerrero f hrt Peru auf Platz drei"]

Paraguay chancenlos

Himmelsblauer Karneval im uruguayischen Winter (426701DIASHOW: Die Fans der Copa America).

Entzündet in den 90 Finalminuten von Buenos Aires, in denen die Remiskönige Paraguays eigentlich nie eine Siegchance hatten.

Schon nach elf Minuten setzte Suarez, der in der Torjägerliste Zweiter hinter dem Hamburger Paolo Guerrero (Peru/5 Treffer) wurde, mit seinem vierten Turniertor den ersten Nadelstich.

Barrios verletzt

Lange Zeit ohne den Dortmunder Lucas Barrios, der erst spät reinkam und dann nach nur wenigen Minuten vermutlich mit einem Muskelfaserriss wieder den Platz verlassen musste, fand bei den "Albirrojas" vor allem in der ersten Hälfte kein Angriffsspiel statt.

Und auf der Bank fehlte der gesperrte Trainer Gerardo Martino, um die ungewöhnlichen Aussetzer in der Abwehr abzustellen. Folgerichtig markierte Forlan noch vor dem Halbzeitpfiff das vorentscheidende 2:0 (42.).

Im letzten Spielzug dann der schönste Angriff des Tages, als der Ball per Direktspiel erneut bei Forlán landete und dieser gekonnt abschloss (90.).

Tabarez blickt nach vorn

Der Rest war Feiern. Auch wenn Coach Tabarez schon einen Blick nach vorne wagte.

"Die anderen werden jetzt gegen uns auf der Hut sein. Wir werden uns noch besser vorbereiten müssen", warnte der 64-Jährige mit Blick auf die "Eliminatorias" für die WM 2014 im benachbarten Brasilien, wo Uruguay ein Jahr zuvor als neuer Südamerikameister am Confed Cup teilnehmen wird.

Nachwuchsarbeit fruchtet

Die Wiedergeburt des früheren Champions ? Weltmeister 1930 und 1950, Olympiasieger 1924 und 1928 ? steht unter einem günstigen Stern.

In London nächstes Jahr ist das kleine Land erstmals nach 84 Jahren wieder bei einem olympischen Fußballturnier vertreten. Dank der U 20, die am Jahresanfang bei der südamerikanischen Junioren-Copa Zweiter geworden war.

Und die U 17 stand vor wenigen Wochen gar bei einer WM im Endspiel, unterlag dort erst Gastgeber Mexiko (0:3).

"Urus" bestätigen WM-Auftritt

Dass sich spätestens seit Südafrika etwas geändert hat, stellte auch Tabarez fest. "Wir spielen jetzt Testspiele gegen international hochklassige Gegner, die sich vorher nicht für Uruguay interessiert haben."

Und der Copa-Gewinn beseitigte den Rest Zweifel: Die WM war keine Eintagsfliege.

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