vergrößernverkleinern
Louis van Gaal holte mit Bayern München in der Saison 2009/2010 das Double © getty

Berichten zufolge soll Bayerns Ex-Trainer als argentinischer Nationalcoach im Gespräch sein und den gescheiterten Batista ersetzen.

Buenos Aires - Diego Maradonas mickrige Hinterlassenschaft war für Sergio Batista immer noch eine zu große Bürde.

Rund eine Woche nach Argentiniens Viertelfinal-K.o. bei der Copa America im eigenen Land (Bericht) nahm der nationale Fußball-Verband AFA das Rücktrittsangebot des Trainers nur allzu gerne an - und steht nur ein Jahr nach Maradonas kläglich gescheiterter WM-Mission (0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland) trotz seines Superstars Lionel Messi schon wieder vor einem Scherbenhaufen (DATENCENTER: Copa America).

"Die Nationalmannschafts-Kommission hat beschlossen, den Vertrag mit Batista aufzulösen. Er ist aber nicht entlassen worden, denn er selbst hat gewünscht, dass die AFA über seine weitere Zukunft entscheidet", beschrieb AFA-Sprecher Ernesto Cherquis Bialo das bereits im Vorfeld erkennbare Trennungsszenario.

Wie die holländische Tageszeitung "De Telegraaf" meldet, gehört Bayern Münchens Ex-Trainer Louis van Gaal zu den engeren Kandidaten für die Position des Nationaltrainers. Der Holländer soll sogar bereits Interesse gezeigt haben. Für die "Gauchos" geht es nach der schwachen Copa-Teilnahme nun um die WM 2014 in Brasilien.

Zwei weitere Nachfolger im Gespräch

Ein Nachfolger soll laut Bialo voraussichtlich in der kommenden Woche gefunden sein.

Als weitere Favoriten gelten am Rio de la Plata Alejandro Sabella (Estudiantes Buenos Aires) und Paraguays argentinischer Nationalcoach Gerardo Martino. "Es gibt keine Fristen, wir haben keine Eile und keine Notwendigkeit, Entscheidungen zu überstürzen", sagte Bialo zum Findungsprozess.

Vorsorglich jedoch sagten die Südamerikaner das für den 10. August geplante Länderspiel gegen Rumänien ab.

Reform angekündigt

Bialo: "Der Bereich der Nationalmannschaften soll gänzlich neu strukturiert werden." Das erste Spiel der "Gauchos" in der Qualifikation zur WM-Endrunde 2014 in Brasilien findet erst im Oktober statt.

Batistas Aus war spätestens seit den öffentlich geäußerten Zweifeln mehrerer AFA-Spitzenfunktionäre an der Kompetenz des Trainers absehbar.

[kaltura id="0_gy9eits8" class="full_size" title="Argentinien scheitert im Elfer Krimi"]

Erst trotzig, dann ausgeschieden

Dabei hatte der 48-Jährige nach Argentiniens Copa-Aus durch ein 4:5 im Elfmeterschießen gegen den späteren Titelgewinner Uruguay noch trotzig einen Rücktritt ausgeschlossen: "Ich habe ein Projekt, und es kommt mir nicht in den Sinn abzudanken."

Doch neben den Kritikern im eigenen Verband erhöhten auch die einheimischen Medien den Druck auf den Mittelfeld-Zerstörer aus Argentiniens Weltmeister-Team von 1986 täglich immer mehr - Batista war schlichtweg nicht mehr zu halten und kam 265 Tage nach Amtsantritt mit seinem Rücktrittsangebot einer Entlassung nur zuvor.

Batista, das Bauernopfer

Batista, immerhin Trainer von Argentiniens Olympiasieger-Mannschaft von 2008, kann sich jedoch ungeachtet manch strittiger Personalentscheidung getrost als Bauernopfer fühlen. Denn die seiner Person angelasteten Fehler auf der Jagd nach dem ersten Titel seit dem Copa-Triumph vor 18 Jahren sind überwiegend Altlasten aus der Vergangenheit.

Ein Indiz: Trotz fünf WM-Titeln bei den U-20-Junioren von 1997 bis 2005 bauten auch Batistas Vorgänger Marcelo Bielsa (1998 bis 2004), Jose Pekerman (bis 2006) und Alfio Basile (bis 2008) und auch Maradona (bis 2010) kein Weltklasse-Team um ihren "Wunderfußballer" Messi.

"Stümper": Maradona teilt mächtig aus

Doch gerade Argentiniens immer noch vergöttertes Idol Maradona schoss nach Batistas Inthronisierung aus dem Hinterhalt regelmäßig Giftpfeile in Richtung seines Nachfolgers ab.

Erst kurz vor der Copa noch bezeichnete "Dieguito" seinen Weltmeister-Kollegen noch als "Stümper" und "bescheuert oder betrunken" - und niemand aus der AFA-Führungsriege stellte sich vor den Trainer.

Eine Folge: Beim 0:0 im Copa-Vorrundenspiel gegen Kolumbien feierten die Fans lautstark Batistas Vorgänger - nur ein Jahr nach der WM-Schmach in Südafrika - mit "Ole, ole, Diego, Diego"-Gesängen (426701DIASHOW: Die Fans der Copa America).

Nur dem WM-Titel zählt

Ob Sabella, der Estudiantes 2009 zum Triumph in der Copa Libertadores führte, oder Copa-Finalist Martino für Besserung sorgen können und dazu überhaupt Motivation verspüren, muss bezweifelt werden.

Das Maß aller Dinge für die Argentinier nämlich ist und bleibt - WM-Pleite hin, WM-Pleite her - einzig und alleine Maradona. Batistas Nachfolger hat praktisch nur eine Chance: den WM-Titel 2014.

Für Louis van Gaal dürfte das schwere Erbe eine willkommene Herausforderung darstellen.

Zum Forum - hier mitdiskutieren!Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel