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Thomas Broich gab sein Bundesliga-Debüt am 7. Februar 2004 für Mönchengladbach © dpa

In Deutschland galt Thomas Broich als gescheitert, ein Kinofilm zeigt, wie er in Australien den Spaß am Fußball wieder entdeckte.

Von Björn Seitner und Thorsten Mesch

München - "Deutschland. Ein Sommermärchen" - und dann lange nichts.

Es gibt nicht gerade viele Kinofilme über den deutschen Fußball.

Über Thomas Broich gibt es jetzt einen.

Broich? - Der einst im Perspektivkader für die WM 2006 stand, in Köln nicht zurecht kam, anschließend aus Nürnberg "flüchtete" und sich nach Australien absetzte?

Genau diese Achterbahnfahrt hat der Bonner Filmemacher und Grimme-Preisträger Aljoscha Pause über neun Jahre begleitet. Am Donnerstag kommt "Tom meets Zizou - Kein Sommermärchen" ins Kino.

"Es ist ein sehr persönlicher Film und ein intensives Porträt. Aljoscha Pause kommt in dem Film ganz nahe an mich heran", erklärte Broich SPORT1.

"Der Film ist heilsam für mich"

"Der Film ist in gewisser Weise heilsam für mich", findet der 30-Jährige sogar: "Als ich vor zwei Jahren in einer halb eingerichteten Wohnung in Nürnberg saß, war ich am Boden zerstört. Nun lebe ich in Australien und bin rundum zufrieden. Das war mein Weg, und der fühlt sich rückblickend auch gut an, obwohl ich viele Fehler gemacht habe."

2009 war das, als Broich unter Dieter Hecking, dem damaligen Club-Coach, aufs Abstellgleis geriet und keine Perspektive mehr in der Bundesliga sah.

Gefeiert als "neuer Netzer"

Zuvor ging es für den gelernten Mittelfeldspieler gewohnheitsmäßig immer bergauf.

Von Unterhachung ging es nach Burghausen. Von Burghausen nach Mönchengladbach , wo man ihn schon als "neuen Netzer" feierte.

Der Sprung in die Nationlmannschaft blieb ihm jedoch verwehrt. In Köln kam er mit Christoph Daum nicht zurecht, in Nürnberg konnte er Hecking nicht überzeugen.

"Das hat mir sehr geschadet"

Ein Grund dafür war wohl, dass Broich zu sehr von sich selbst überzeugt war.

"Ich hatte mich zu einem Fußball-Intelektuellen stilisiert und habe mich zum Beispiel in der Philharmonie fotografieren lassen und mich berufen gefühlt, immer ganz außergewöhnliche Standpunkte zu vertreten", erklärte er SPORT1.

Heute weiß der gebürtige Münchner um die Folgen dieser Inszenierung seiner Person: "Das hat mir sehr geschadet."

In Pauses Film würde diese Entwicklung deutlich: "Ich bin damals einzig und allein an mir selber gescheitert. Ich wollte immer anders sein, und dieses Anderssein hat dafür gesorgt, dass ich zum Außenseiter wurde."

Und weiter: "Ich wäre besser dran gewesen, wenn ich mich aufs Fußballspielen konzentriert hätte."

Rückkehr in die Bundesliga vorstellbar

Das kann er nun in Australien. Im März wurde Broich mit Brisbane Roar erstmals australischer Meister und zum zweitbesten Spieler der A-League gewählt.

Anfang Oktober geht es erst weiter, trotzdem hat die Saisonvorbereitung schon wieder begonnen. "Man muss abwarten und sehen, wie wir die Doppelbelastung mit Meisterschaft und asiatischer Champions League verkraften werden", stapelt Broich schon mal tief.

Druck macht er sich aber nicht mehr, das hat Broich aus seiner persönlichen Geschichte gelernt. Eine Rückkehr in die Heimat schließt er trotz aller Vorteile des Lebens in Australien zwar nicht aus, aber "meine Zukunft liegt fußballtechnisch woanders".

Und vielleicht gibt es nach den Erfahrungen mit "Tom meets Zizou" ja auch eine ganz neue berufliche Perspektive - auf der Leinwand.

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