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Jürgen Klinsmann trainierte von 2008 bis 2009 den FC Bayern München © dpa Picture Alliance

Klinsmanns erster Auftritt als US-Coach steht nach zwei Trainingstagen bevor. Doch vor der Partie beschwert er sich nicht.

Philadelphia - Jürgen Klinsmann gibt gerne zu, dass sein Einstand zu früh kommt.

Der Zeitpunkt sei "sicher nicht ideal", sagt er, und das ist noch untertrieben.

Nur neun Tage, nachdem er als neuer Nationaltrainer der USA vorgestellt wurde, findet am Mittwoch gleich das erste Länderspiel seiner Amtszeit statt, es geht im derzeit drückend warmen Philadelphia gegen Mexiko.

Und damit zusätzlich um jede Menge Prestige.

Aber Klinsmann hat gewusst, auf was er sich da einlässt. "Es ist, wie es ist", sagt er deshalb lächelnd, "und ich beschwere mich nie."

"Nur ein kleiner Anhaltspunkt"

Klinsmann hat keine Zeit vergeudet. Am Samstag tauchte er im schmucken Stadion von Philadelphia Union auf, er sah dort ein 1:1 gegen Houston Dynamo.

Major League Soccer, das ist künftig sein Alltag. Noch am Sonntagabend bat er zum ersten Training, obwohl erst 13 Spieler da waren, darunter Jermaine Jones von Schalke 04 und Steven Cherundolo von Hannover 96.

Für Montag und Dienstag waren dann jeweils zwei Einheiten angesetzt. Diese beiden Tage, sagt Klinsmann, "geben uns einen kleinen Anhaltspunkt, wo wir stehen."

Erste Eindrücke sammeln, dazu ein erstes gegenseitiges Kennenlernen, mehr ist wohl kaum möglich.

Klinsmann wirkt entspannt

Der erste Eindruck auf dem Trainingsplatz ist noch gewöhnungsbedürftig. Zumindest rein äußerlich hat dieser Jürgen Klinsmann überhaupt nichts mehr zu tun mit dem ehemaligen Bundestrainer Jürgen Klinsmann (2831DIASHOW: Jürgen Klinsmanns Karriere).

Er trägt nunmehr blaue Jacke, blaues Shirt und blaue Hose, und vorne drauf prangt das Emblem von "US Soccer".

Gesprochen wird Englisch und Spanisch. Bei den Einheiten kommuniziert Klinsmann viel, blickt ab und an auf einen Zettel, doch obwohl er erst mal nur wenig Zeit hat, wirkt er entspannt. "Wir werden einen Schritt nach dem anderen machen. Man kann den Prozess nicht beschleunigen", sagt der 47-Jährige.

"Eine verdammt gute Vorstellung abliefern"

Das Spiel am Mittwoch im imposanten Lincoln Financial Field, wo sonst die Football-Mannschaft der Philadelphia Eagles spielt, sieht Klinsmann daher nur als Beginn dieses Prozesses. Die Einheiten auf dem Gelände der University of Pennsylvania nannte er einen "wundervollen Start".

Doch ernst wird es eh erst ab dem kommenden Juni.

"Er hat uns gesagt: Das Wichtigste ist, dass wir uns auf diese WM-Qualifikation konzentrieren und dann runterfahren nach Brasilien und eine verdammt gute Vorstellung abliefern", sagt Torhüter Tim Howard: "Danach werden wir beurteilt werden."

Bis 2014 läuft auch Klinsmanns Vertrag.

Klinsmann beeindruckt

In den kommenden Monaten will Klinsmann zunächst jeden anhören und jedem eine Chance geben. Das gilt für die diesmaligen "Gasttrainer" wie den früheren Bundesligaprofi Thomas Dooley oder Martin Vasquez, Klinsmanns Assistent beim FC Bayern München.

Das gilt für Spieler wie Michael Bradley, Sohn des bisherigen Trainers Bob Bradley, der bei Borussia Mönchengladbach keine Zukunft mehr hat. Oder Jones, der sich nach seiner Ausleihe zu den Blackburn Rovers in Schalker Mannschaft gekämpft hat.

Das hat Klinsmann wohl imponiert, versprochen jedoch wird nichts, außer: "Jeder Spieler wird konstant überprüft werden."

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Viel Kontakt mit Löw

Was die "deutschen" Spieler angeht, so könnten die womöglich nebenher von Joachim Löw beobachtet werden.

So etwa alle zwei Wochen, hat Klinsmann Sports Illustrated verraten, habe er Kontakt mit seinem Nachfolger als Bundestrainer, "ausführlich" werde sich dann ausgetauscht über alles, was so los sei in der Welt des Fußballs. Oder "Soccer", wie Klinsmann nun sagen muss.

Und nur damit auch die Amerikaner verstehen: Was Löw bei der deutschen Nationalmannschaft so gut weiterführe, habe er, Klinsmann, dort angefangen. Womit er sagen will: Auch die USA können weit kommen, wenn sie ihn machen lassen.

"Wird trotzdem komisch ausschauen"

Das Interesse am Einstand von Klinsmann hält sich freilich erst mal in Grenzen.

Im Vorfeld des Spiels am Mittwoch gingen lediglich 25.000 Karten weg, das liegt an den hohen Eintrittspreisen ab 38 Dollar, am ziemlich ungünstigen Abendtermin unter der Woche und am überfrachteten Sportangebot in "Philly".

"Es wird trotzdem ziemlich komisch ausschauen, wenn das Stadion nur halb voll ist", schreibt die Washington Post. Halb voll? In das "Linc" passen immerhin 69.000 Zuschauer.

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