Uwe Morawe hält das Mantra von Arsenal-Coach Arsene Wenger, auf Talente zu setzen, für überholt. Die "Gunners" sieht er im Sinkflug.

Staatsverschuldung, Bankenkrise, Währungsverfall und Strukturprobleme der internationalen Finanzwelt. Ich kann's nicht mehr hören.

Der homo sapiens war halt immer schon ein Meckerfritze, anstatt sich brav an den kleinen Dingen des Lebens zu erfreuen. Jawoll, auch im vielgeschmähten Universum des Großkapitalismus gibt es die ein oder andere Nettigkeit.

Einmal im Jahr kommt es zu den wohl kuriosesten Banküberweisungen auf diesem Planeten. Der französische Finanzminister zahlt an die höchsten Würdenträger der Republik, die Mitglieder der Ehrenlegion, den sogenannten Ehrensold aus. Das geht so seit 1802.

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Interessanterweise wurde diese Besoldung niemals der Inflation angepaßt und besitzt demnach exakt die selbe Höhe wie vor über 200 Jahren. Da füllt also der französische Staatskämmerer mit Kuli die Überweisungsformulare aus. Kontonummern von Superpromis - und skurrile Summen. Alles fein abgestuft.

Jean-Paul Belmondo und Karl Lagerfeld erhalten als Commandeur de la Legion d'Honneur jährlich 12,20 Euro. Giorgio Armani und Mireille Mathieu kommen als Officier auf 9,15 Euro. Und der untere Rang des Chevaliers erinnert schon an Armenspeisung. Kontoeingang bei Arsene Wenger: 6 Euro und 10 Cent! Immerhin einkommensteuerfrei...

Da kann der Trainer des FC Arsenal keine großen Sprünge machen auf dem Transfermarkt!

Diese Meckerfritzen der Gattung homo fussballfans stellen sich das immer so einfach vor. Aber 6 Euro und 10 Cent sag ich nur.

Da bleibt dem einst eleganten Franzosen nur der eremitenhafte Rückzug ins klösterliche Gebet. Seit Jahren rattert Wenger den immergleichen Rosenkranz herunter: Geduld, liebe Gemeinde, eine große Mannschaft ist am wachsen, das gelobte Land voll Milch, Honig und silbernen Pokalen ist nicht fern...

Doch warme Worte haben noch nie satt gemacht. Wo einst Bergkamp, Henry und Viera den Gaumen kitzelten, herrscht heute nur noch schmale Hausmannskost.

Emmanuel Frimpong, Henri Lansbury, Ignasi Miquel und Carl Jenkinson - diese Speisefolge tischte Arsene Wenger seinem zahlenden Publikum beim ersten Heimauftritt in der Premier League auf. Zartes Gemüse aus der Region, mehr nicht.

Und klatsch, 0:2 gegen einen keineswegs überzeugenden FC Liverpool.

Schade, Arsenal verkommt zu einer mittelmäßigen Adresse ohne Strahlkraft. Nachvollziehbar, daß ein Cesc Fabregas mit aller Macht weg wollte, um in der Heimat endlich mal einen Titel zu gewinnen.

Als Ersatz für den abgewanderten Kapitän hatte Wenger den Spielmacher des FC Valencia, Juan Mata, eingeplant. Doch dem waren es bei Arsenal zu viele Frimpongs und Lansburys. Mata entschied sich für den FC Chelsea, dort seien nach eigener Aussage die Titelaussichten weitaus höher.

Es erscheint so, als ob sich Arsene Wenger in seinem Jugendwahn verstrickt habe. Er wollte mit aller Macht beweisen, dass man auf Spitzenniveau auch mit 6 Euro und 10 Cent erfolgreich sein kann.

In den beiden nächsten Spielen in Udine und Manchester könnte es bereits zum sportlichen Bankrott von Arsenal kommen - obwohl die Saison gerade erst begonnen hat

Selbst eine Trennung von Arsene Wenger erscheint nicht mehr gänzlich ausgeschlossen. Nach über 15 Jahren hätte er zumindest einen ehrenvollen Abschied verdient.

Einen Abschied wie dem vom einzigen Mitglied der Legion d'Honneur, das niemals einen Ehrensold erhielt.

Die Brieftaube, deren überbrachte Mitteilung die Schlacht von Verdun entschied, verstarb noch am selben Tag an eingeatmeten Kampfgasen.

Dem ausgehauchten Vogel wurde das rote Band der Republik postum verliehen.

Haltung, edler Ritter der Ehrenlegion, Haltung!

Euer Uwe Morawe

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