Uwe Morawe erklärt, warum sich die Geschichte nie wiederholt und empfiehlt John Terry sich Rat bei Weidenfeller zu holen.

Ältere, leicht vereinsamte Männer sind gerngesehene Opfer. Verwitwete Millionäre an der Hotelbar in Florida - ein gekonnter Augenaufschlag, schon ist die Brust-OP durchfinanziert.

Oder die späte Liebe eines knorrigen Landwirts - schwupps sind die 100 Hektar Weideland der jungen Deern überschrieben und das Geschrei in der Familie ist groß.

Wir begeben uns in das Jahr 1994. Der damals schon altehrwürdige Sir Bobby Robson tritt die Trainerstelle beim FC Porto an.

Porto - bekannt für schweren Wein, aber nicht für ausgeprägte Fremdsprachenkenntnisse seiner Bewohner.

"Porto good, Benfica bad" - sehr viel mehr ist nicht rauszuholen aus dem Hotelpersonal. Ohne Gesprächspartner wird Sir Bobby der Martini schnell staubtrocken. Langweeeeiiilig! Ein älterer, vereinsamter Mann als Opfer...

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Da betritt ein 16-Jähriger die Szenerie und spricht den Grandseigneur frech von der Seite an. Keine Angst, jetzt folgt nicht die Schmuddelvariante der neuen Staffel von "Bauer sucht Mann". Nein, Bobby Robson war glücklich verheiratet.

Unser Junge konnte aufgrund seiner Großmutter aus Manchester fließend Englisch und wollte über Fußball reden. Das reichte schon, um das sentimentale Herz des Sirs zu erobern. Es war der Beginn der Trainerkarriere von Andre Villas-Boas.

Robson verschaffte dem wissbegierigen Teenie einen Platz in der Scoutingabteilung des FC Porto, besorgte ihm die Möglichkeit, den Trainerschein in England zu absolvieren, und vermittelte seinem Zögling den skurrilen Job als Nationalcoach der Virgin Islands. Da war Villas-Boas gerade einmal 21 Jahre alt.

Heute ist der Portugiese mit 34 der zweitbestbezahlte Trainer der Welt - hinter seinem anderen Förderer, Jose Mourinho. Eine Bilderbuchkarriere.

Im Vorjahr marschierte Villas-Boas mit dem FC Porto ungeschlagen zur Meisterschaft, holte den nationalen Pokal und die Europaleague. Was lag für Roman Abramovich näher, als sich die Wiederholung der Historie einzukaufen?

Mourinho errang in seinem ersten Jahr als Chelsea-Coach sofort den Meistertitel, mit lediglich einer Saisonniederlage und der ewigen Bestmarke von nur 15 Gegentoren in 38 Partien. Und zack haben wir was gelernt: Geschichte wiederholt sich eben nie!

Zwei Pleiten in Folge für die Blues. Nach dem 0:1 bei den Queens Park Rangers nun die deftige Klatsche gegen Arsenal (BERICHT: 5:3! "Gunners" gewinnen Derby). Zum erstenmal seit 22 Jahren fünf Gegentore an der Stamford Bridge.

Und was macht unser Trainer-Novize? Er posaunte nach dem Debakel: "Genauso habe ich mir das vorgestellt, spektakulär und offensiv, Super-Fußballnachmittag!" Hier würde uns die Meinung seines Chefs interessieren...

Und Andre Villas-Boas steht der nächste Ärger ins Haus. Die Rassismus-Vorwürfe gegen John Terry kommen zur Verhandlung vor den englischen Verband.

Anton Ferdinand, der angeblich von Terry verunglimpfte, hat seine Sicht der Dinge schriftlich bei der FA hinterlegt. Hätte er sicher nicht gemacht, wenn er der Meinung von John Terry wäre, dass deftige Worte auf dem Fußballplatz schon einmal fallen und die Sache nach Abpfiff geklärt worden sei.

Dass Terry von der Gesinnung her ein Rassist sei, können wir wohl ausschließen. Dafür hat er zu lange als Kapitän seines Vereins und der Nationalmannschaft mit und gegen Spieler schwarzer Hautfarbe gekickt, ohne auch nur irgendwie auffällig geworden zu sein.

Das bedeutet natürlich nicht, daß sich Terry unter Umständen am letzten Wochenende eines Ausdrucks mit rassistischem Hintergrung bedient haben könnte. John Terry braucht definitiv eine Verteidigungsstragie, sonst könnte es unangenehm werden.

Dafür sollte er sich mal mit Roman Weidenfeller in Verbindung setzten, dem Master of Arts in English Language aus Westfalen.

Weidenfeller weiß ja nicht nur, how to play a grandios season, sondern zog einst in einem vergleichbarem Fall den Kopf aus der Schlinge. Der erste Fußballer, der ein völlig neues Wort erfand!

Selbstverständlich hatte Weidenfeller zu Gerald Asamoah nicht etwa "Du schwarzes Schwein!", sondern eindeutig "Du Schwabbelschwein!" gesagt.

Stellt sich für John Terry nur noch die Frage: How to translate "Schwabbelschwein"?

Euer Uwe Morawe

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