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Lothar Matthäus (mit Freundin Liliana) wurde 1990 Weltmeister mit Deutschland © getty

Lothar Matthäus hat bei seinem Job in Israel mit vielen kleinen Problemen zu kämpfen. Er bereut seinen Schritt allerdings nicht.

München/Netanya - Von der besonderen Weihnachtsstimmung im Heiligen Land bekommt Lothar Matthäus nichts mit.

"Ich werde ein paar Tage Ski fahren und mich entspannen", erklärt der deutsche Rekord-Nationalspieler, der seit Sommer den israelischen Erstligisten Maccabi Netanya trainiert.

Nach einem 3:3 im letzten Punktspiel des Jahres beim FC Ashdod ist Netanya Tabellenzweiter (DATENCENTER: Die israelische Liga).

Viel Zeit für Erholung hat der 47-Jährige nicht, denn bereits am 10. Januar geht die Meisterschaft wieder los.

"Kritik ist nicht erwünscht"

"Die Spieler brauchen ein paar Tage Pause, um abzuschalten", berichtet Matthäus, der mit seinem Team seit Saisonbeginn durchweg in der Spitzengruppe steht. 43342(DIASHOW: Lothar Matthäus beim Promi-Zocken)

Dass er die Begegnung mit Ashdod wegen einer Sperre nur auf der Tribüne verfolgen durfte, ärgert ihn aber gewaltig: "Das ist symptomatisch für den Fußball in Israel. Kritik ist einfach nicht erwünscht, das hat auch der Platzverweis gezeigt."

Wegen Schiedsrichter-Beleidigung hatte Matthäus beim 0:0 bei Hapoel Petach-Tikva zwei Spiele Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von rund 1500 Euro erhalten.

Mehr Professionalität erhofft

Mangelnde Kritikfähigkeit sei das größte Übel im israelischen Fußball, berichtet Matthäus nach seiner rund halbjährigen Tätigkeit in Nentanya, wo er noch bis 2010 unter Vertrag steht.

"Die Arbeit gefällt mir insgesamt sehr gut. Aber ich hatte mir mehr Professionalität erhofft. Die gesamte Infrastruktur müsste verbessert werden. Aber der Fußball wird hier nicht so gut verkauft", sagt Matthäus.

Die Zusammenarbeit mit den Medien, speziell dem Fernsehen, sei nicht optimal: "Da besteht in vielen Bereichen Verbesserungsbedarf."

"Es wird nicht viel miteinander geredet"

Er selbst werde aufgrund seiner Erfahrung zwar ernst genommen, mit seinen Ratschlägen stoße er aber auf taube Ohren.

"Ähnlich wie zu meiner Zeit als ungarischer Nationaltrainer spüre ich, dass die Verantwortlichen gar nicht daran interessiert sind, alte Strukturen zu verändern. Hinzu kommt ein großes Kommunikationsproblem, weil ohnehin nicht viel miteinander geredet wird."

Dies empfindet er als sehr bedauerlich, denn "ich selbst habe gelernt, zuzuhören und Ratschläge anzunehmen. Nur dumme Menschen ändern nicht ihre Meinung."

"Hier kann man gut leben"

Unabhängig von den vielen Unzulänglichkeiten habe er den Schritt, nach Israel zu wechseln, aber zu keiner Sekunde bereut.

"Auch wenn die Rückendeckung durch die Gemeinde und durch das Land fehlt, tut unser Klubchef alles, um die Rahmenbedinungen zu verbessern", berichtet er über die Arbeitsverhältnisse in Netanya, einer Stadt mit rund 175.000 Einwohnern an der israelischen Mittelmeerküste.

"Hier kann man gut leben. Aufgrund der zumeist sommerlichen Temperaturen verbringt man den größten Teil seiner Freizeit im Freien."

Weihnachten feiert er aber doch lieber im Schnee.

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