Uwe Morawe erklärt, warum die Ferguson-Statue nur schwer realisierbar ist und inwiefern ein Kaugummi die Lösung sein könnte.

Oh ungerechter Lauf der Dinge. Warum lebtest Du, Auguste Rodin, in einer anderen Zeit?

Nur der größte aller Bildhauer hätte diese herkulische Aufgabe schultern können.

Eine Statue der Sphinx von Old Trafford, ein gegossenes Abbild von Sir Alex Ferguson!

Was mutet Manchester United den Künstlern der Gegenwart da nur zu?

Der erste Festakt zum 25-jährigen Dienstjubiläum war Pippifax dagegen.

Tribüne umbenannt, bißchen Farbe und Buchstabenschablonen - und schon steht er da, der "Sir Alex Ferguson Stand". Bingo, der erfolgreichste Trainer der Moderne war gerührt.

Doch wie soll man Brille und maschinengewehrartiges Kaugummikauen in Bronze bannen?

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Ein Denkmal mit Sehhilfe sieht schon mal bescheuert aus. Ausdruck hinter den Augen gleich null, da wirkt selbst der stärkste schottische Charakterkopf wie Puck die Stubenfliege.

Auf das typisch fergusonsche Kassengestell müssen wir wohl verzichten. Abzug in der B-Note, da geht schon mal typischer Ausdruck flöten.

Noch ist das Kunstwerk damit nicht verloren, der Sir läuft ja nicht immer als Vierauge herum, wir kennen ihn auch unbebrillt.

Heikel, schier unlösbar, erscheint dagegen das Problem mit dem Chewing Gum.

Andere große Trainer waren da einfacher zu packen.

Kiews Valery Lobanowski zum Beispiel war selbst eine Statue. Anfängerkurs Kunsthochschule, jeder Student bekommt den stoischen Ukrainer irgendwie hin.

Oder Helmut Schön - Schiebermütze draufmodelliert, fertig.

Bei Sepp Herberger benötigen wir als Markenzeichen lediglich den Trainingsanzug, schon achtet keiner darauf, ob die vielen Falten im Gesicht exakt getroffen wurden.

Trenchcoat in epileptisch zuckendem Torjubel - jeder weiß, das muss der Hitzfeld sein!

Doch Fergie ist nun mal nicht Fergie ohne Kaugummi.

Eine ständige Bewegung der Kiefermuskulatur, ein Dauermahlen der Backenzähne - dieses ewige Rührwerk in Bronze zu gießen gleicht der Quadratur des Kreises. Jedes Eins-zu-Eins-Abbild geriete zum schalen Abklatsch ohne Ausstrahlung.

Ein völlig anderer künstlerischer Ansatz muß also her. Am besten packen wir die Geschichte an wie Sir Alex seinen Trainerjob. Handfest und doch visionär. Dem nackten Realismus verschworen und dennoch voller Phantasie.

Nehmen wir als Vorbild den anderen Jubilar des Wochenendes. Uwe Seeler und sein Riesenfuß. Narben und Hornhaut. Die Originalfarbe der Fußnägel möchte man sich gar nicht ausmalen...

Und gerade deshalb ist es gute Kunst, denn es regt zum Denken an. Viel mehr als bei einer Skulptur des ganzen Uwe Seelers.

Auch bei Manchester United läge die Lösung des Problems in dieser gegenständlichen Abstrahierung. Mit normalen Maßstäben ist die Lebensleistung dieses großartigen Trainers eh nicht zu begreifen.

Also Mut, meine Künstler Englands!

Das ist es doch: Ein Riesenklumpen vorm Old Trafford!

Eine drei Meter hohe, vier Tonnen schwere Nachbildung eines ausgelutschten Original-Sir-Alex-Ferguson-Kaugummis!

Denn nichts verkörpert diesen Mann mehr als sein Chewing Gum.

Euer Uwe Morawe

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