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Vor seinem Engagement bei Chelsea coachte Luis Felipe Scolari Portugals Nationalteam © getty

Nach dem Remis beim FC Everton schieben die Londoner Frust: Die Verantwortlichen schweigen, die Defensive wird zur Problemzone.

Von Maximilian von Harsdorf

München - Felipe Scolari war aufgebracht.

Schon in der Halbzeitpause des Auswärtsspiels seines FC Chelsea gegen den FC Everton ging er Schiedsrichter Phil Dowd im Spielertunnel an: "Hast du Angst vor den Zuschauern? Hast du Angst?"

Auslöser für die heftige Reaktion des portugiesischen Trainers war die Rote Karte, die Kapitän und Abwehrchef John Terry bereits nach 35 Minuten kassiert hatte (zum Spielbericht).

Und auch nach Abpfiff des torlosen Remis war die Wut des 60-Jährigen noch nicht verraucht.

Presse-Boykott

Medienvertreter warteten auf der Pressekonferenz nach dem Spiel umsonst auf das Erscheinen der Londoner Stars und das ihres Trainerstabs.

"Kein Chelsea-Verantwortlicher fühlt sich in der Lage zu kommen. Sie haben Probleme mit ein paar Entscheidungen im Spiel und denken, dass es besser ist sich dazu nicht zu äußern", war alles, was einem Sprecher des Vereins zu entlocken war.

Auch Michael Ballack hatte keinen Redebedarf. Der DFB-Kapitän sah wegen Meckerns die Gelbe Karte, die allerdings ohne Folgen bleibt.

Die Enttäuschung darüber, dass Chelsea erneut den Ausrutscher des Tabellenführers FC Liverpool nicht nutzen konnte und durch die Nullnummer den Sprung an die Spitze verpasste (DATENCENTER: Ergebnisse Tabelle) , ist groß.

Für Chelsea war es das erste Auswärts-Unentschieden in dieser Saison, bisher hatten sie alle Auswärtsspiele gewonnen.

Terry fehlt drei Spiele

Doch nicht nur dieser Fakt dürfte Scolari Kopfzerbrechen bereiten. Die Innenverteidigung entwickelt sich zur echten Problemzone: So wird John Terry den Blues nach seinem Platzverweis drei Spiele fehlen.

Zwar erwägt man Einspruch gegen die Sperre, doch in diesem Fall bestünde das Risiko, dass Terry noch ein zusätzliches Spiel absitzen muss.

Falls das eintrifft, würde der Kapitän auch im Schlagerspiel gegen Meister Manchester United nicht zur Verfügung stehen - ein hohes Risiko.

Ermittlungen gegen Alex

Auch Ricardo Carvalho, der an einem Muskelfaserriss laboriert, wird dieses Jahr voraussichtlich nicht mehr gegen den Ball treten und auch Aushilfsverteidiger Mikael Essien fällt mit einem Kreuzbandriss noch länger aus.

Da passt es ins Bild, dass auch Alex nach einem Tritt auf den am Boden liegenden Everton-Akteur Tim Cahill eine Sperre droht.

Ein Sprecher des Englischen Verbands erläutert: "Wenn ein Schiedsrichter einen Vorfall nicht sieht, können wir ihn bitten das Videomaterial erneut zu sichten und ihn fragen, was er getan hätte, wenn er es gesehen hätte." Auch für Alex ist eine Sperre wahrscheinlich.

Zwei Spieltage stehen an

Somit verbleibt mit Branislav Ivanovic wohl nur ein etatmäßiger Innenverteidiger für das Spiel gegen WestBrom Albion am traditionellen Boxing Day (26. Dezember).

Und auch für die zwei Tage später folgende Ligapartie beim FC Fulham (DATENCENTER: Spielplan) ist keine Besserung in Sicht.

Cech verbreitet Zuversicht

Bei so vielen Negativnachrichten behält wenigstens einer einen klaren Kopf: "Es war schwer zu sehen. Er hat nur den Bruchteil einer Sekunde und die Zuschauer im Nacken", äußert sich Torhüter Petr Cech auf die Leistung des Referees gegen Everton angesprochen und zieht das Positive aus dem Spiel:

"Letztendlich hat er eine Entscheidung getroffen und wir müssen damit leben. Schade, weil wir gewinnen und uns die Tabellenführung holen wollten, aber letztendlich ist es ein guter Punkt. Es sind ja noch einige Spiele zu absolvieren."

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