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Iker Casillas gab 2000 sein Debüt in der spanischen Nationalmannschaft © getty

Spaniens Iker Casillas steht gegen England vor seinem 126. Länderspiel. Von Rekorden und Trophäen hat er noch lange nicht genug.

München/London - Elf lange Jahre wirkt der "heilige Iker" nun schon auf den Fußballplätzen der Welt.

Wunder, so sagen viele, hat er in dieser Zeit einige vollbracht, und die "Rote Furie" wurde mit Casillas zum Titelsammler.

Am Samstag aber, da wird Welt- und Europameister Iker Casillas eine ganz und gar irdische Ehre zuteil.

Denn dann bestreitet Spaniens Nationaltorwart in London gegen Ex-Weltmeister England (ab 18 Uhr im LIVE-TICKER) sein 126. Länderspiel und wird damit Rekordnationalspieler Andoni Zubizarreta einholen.

Capello: Fußball vor Familie

Doch nicht nur für Casillas hat das Prestige-Duell der beiden großen Fußball-Nationen einen besonderen Stellenwert.

Englands Nationaltrainer Fabio Capello verpasst wegen des Testspiels gar die Hochzeit seines Sohnes.

Ursprünglich war die Partie für Freitagabend angesetzt, doch die Verlegung auf Samstag führte zur Terminkollision.

"Das ist wirklich kein Problem. Er ist eben ein Trainer, das ist er, seit ich ein Kind bin. Wir werden auf ihn anstoßen, wenn er im Wembley auf der Bank sitzt", gab sich Sprössling Pierfilippo gegenüber "The Independent" aber verständnisvoll.

Casillas fühlt sich geehrt

Solche Sorgen hat Casillas nicht. Der Keeper bleibt trotz allem Lob bescheiden:

"Niemals hätte ich mir vorstellen können, so weit zu kommen. Tatsache ist, dass ich jedes Mal, wenn ich nominiert wurde, gedacht habe, es wäre das letzte Mal", sagte Casillas im Interview mit der Sporttageszeitung "AS":

"Ich möchte allen Mitspielern danken, die aus mir einen besseren Menschen und einen besseren Fußballspieler gemacht haben."

Viele Rückschläge in 125 Länderspielen

Tatsache ist aber auch, dass Casillas, der am Dienstag gegen Costa Rica alleiniger Rekordhalter werden kann, bei seinen bisherigen 125 Länderspielen viele Rückschläge verkraften musste.

Während er mit 18 Jahren beim Weltklub Real Madrid debütierte und mit den Königlichen bereits früh in seiner Karriere alle möglichen Titel abräumte, stand der dreimalige Welttorhüter mit der Seleccion immer wieder mit leeren Händen da.

EM-Titel 2008 Casillas zu verdanken

Bei den Europameisterschaften 2000 (als Ersatzspieler) und 2004 sowie bei den Weltmeisterschaften 2002 und 2006 platzten für die stets als Geheimfavorit angereisten Spanier alle Titelträume.

Dass die Iberer bei der EM 2008 den Turnier-Fluch beendeten und den im eigenen Land kaum für möglich gehaltenen Endspiel-Sieg gegen das DFB-Team schafften, lag auch an Casillas.

Xavi, Andres Iniesta David Silva verzauberten in Österreich und der Schweiz mit ihrem "Tiki-taka" zwar die Welt, Kopf der Mannschaft aber war der immer besonnene und charismatische Kapitän Casillas, der im gesamten Turnier nur dreimal hinter sich greifen musste (in der regulären Spielzeit) und im Viertelfinale gegen Italien zwei Elfmeter hielt.

Lob von Rivalen und Legenden

"Seine Reflexe sind unglaublich. Wenn er so weitermacht, wird er eines Tages einer der besten Torhüter in der Geschichte des Fußballs sein", sagte der legendäre Gordon Banks 2009.

"Er ist eine beispielhafte Person. Er ist einer dieser Menschen, der den Respekt aller anderen gewonnen hat", ergänzte selbst Casillas' einstiger Rivale Santiago Canizares.

Festgewachsen in Madrid

Der Erfolg des inzwischen 30-Jährigen Casillas ist dabei umso erstaunlicher, als dass er über all die Jahre nie ernsthaft infrage gestellt wurde - obwohl er in Canizares, Barcelonas Victor Valdes oder Liverpools Pepe Reina stets starke Konkurrenten hatte.

Während vor allem bei Real Madrid die Feldspieler kommen und gehen, ist Casillas - vor allem nach dem Abgang von Raul - die Konstante beim Rekordmeister.

"In Spanien wird darüber diskutiert, ob vielleicht Valdes für Casillas spielen sollte. Aber im Ernst, es gibt keinen Grund zu wechseln", sagte selbst Canizares, den Casillas einst in der Nationalmannschaft verdrängte.

Nachfolger im Tor muss noch warten

Nichtsdestotrotz steht in David de Gea, der im Sommer mit der spanischen U21 Europameister wurde und anschließend von Atletico Madrid zu Manchster United wechselte, der Nachfolger für "San Iker" schon parat.

Bis dahin dürfte allerdings noch einige Zeit ins Land gehen.

"Hoffe, dass noch viele Spiele hinzukommen"

"Es ist ein wahres Vergnügen gewesen, in den letzten elf Jahren Nationalspieler zu sein. Ich hoffe, dass noch viele Länderspiele hinzukommen und ich eines Tages Zubizarreta überholen kann", sagte Casillas im Rahmen der Präsentation des neuen Nationalmannschafts-Trikots:

"Ich hoffe, dass die neuen Trikots, in meinem Fall ein gelbes, auf Fotos von neuen Titel-Feiern gut aussehen werden. Das wäre eine exzellente Nachricht."

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