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Frank Lampard (3. v.l.) wechselte 2001von West Ham United zum FC Chelsea © getty

Gegen Spanien feiert Capellos Team mit vielen Youngstern einen Prestigeerfolg. Die Iberer meckern über die Defensivtaktik.

London - Ein Kopfball-Abstaubertor von Frank Lampard hat die in den letzten Jahren nicht immer erfolgsverwöhnten Engländer urplötzlich zum Weltmeister-Besieger gemacht.

Die Kicker der "Three Lions" genossen sichtlich den 1:0 (0:0)-Prestigesieg in London gegen WM- und EM-Titelträger Spanien (Bericht), womit die Insel-Kicker endlich auch mal wieder einen der Großen in die Knie zwangen.

"Natürlich müssen wir uns noch steigern, aber es war eine große Nummer, die Spanier zu schlagen. Das ist die beste Mannschaft der Welt. Wir haben aber unseren Siegeswillen gezeigt", kommentierte Torschütze Lampard (49.), der seinen Chelsea-Teamkollegen John Terry als Kapitän vertrat, den Coup des Fußball-Mutterlandes.

Entsprechend begeistert titelte die einheimische Presse. "Captain Fantastic und sein Team schocken den Weltmeister", tönte beispielsweise die "Sun".

Spielwitz gegen Kampf

Die "Furia Roja" bestimmte zwar eindeutig das Geschehen und hatte wie gewohnt viel mehr Ballbesitz, aber die Mannschaft von Teammanager Fabio Capello kämpfte aufopferungsvoll.

So nahm Weltmeister-Trainer Vicente Del Bosque die Niederlage vor 87.189 Zuschauern im Wembley-Stadion auch nicht allzu tragisch.

"Ich bin ein bisschen enttäuscht, ja sogar wütend, dass wir nicht gewonnen haben. Aber ich bin total zufrieden mit der Vorstellung meiner Mannschaft", kommentierte der spanische Coach.

Del Bosque weist Arroganz-Vorwurf zurück

Unterschätzt hätten die Iberer laut Del Bosque die englische Auswahl in keinem Fall.

"Wir waren keineswegs überheblich. Wir haben in diesem intensiven Spiel 100 Prozent bringen müssen. England hatte nur nach einer Standardsituation eine Chance, das wars. Wir haben das Spiel total dominiert. Sie haben nur verteidigt", meinte der frühere Trainer von Real Madrid.

Pleitenserie geht weiter

Dennoch haben die Spanier derzeit Probleme, in Nicht-Pflichtspielen zu Siegen zu kommen.

Während der WM- und EM-Champion die Qualifikation für die EURO 2012 in Polen und der Ukraine mit acht Siegen in acht Spielen mit makelloser Weste abschloss, setzte es in einigen anderen Länderspielen diverse Niederlagen 481412(DIASHOW: EM-Playoffs).

So gab es unter anderem gegen Argentinien (1:4) und gegen Portugal (0:4) sogar deftige Pleiten sowie ein 1:2 gegen Italien. In Wembley wurde die vierte Pleite für die spanischen Ausnahmekicker in Freundschaftsspielen nach der WM 2010 in Südafrika notiert.

Casillas selbstkritisch

"Uns fehlte heute nur die Entschlossenheit im Abschluss", entgegnete der spanische Trainer.

Die Niederlage trübte auch ein wenig den 126. Länderspieleinsatz von Torwart Iker Casillas, der damit mit seinem berühmten Vorgänger Andoni Zubizarreta gleichzog.

"Wir hatten es nicht verdient, in London zu verlieren", konstatierte der Real-Keeper, der zur Halbzeit ausgewechselt wurde.

Selbst England setzte vor heimischer Kulisse auf eine Kontertaktik: "Die Gegner wissen, dass wir das Spiel dominieren und viel Ballbesitz haben. Ihnen bleibt nur, mit zwei Viererketten zu verteidigen."

Junge Welle auf der Insel

Umso ärgerlicher für die stolzen Spanier, dass die "Three Lions" einen Erfolg feierten. Capello war derweil stolz auf die jungen englischen Spieler wie Phil Jones (19), Jack Rodwell (20), Danny Welbeck (20) und Kyle Walker (21), die in Abwesenheit von Terry oder Wayne Rooney überzeugten.

"Das waren richtig gute junge Spieler", äußerte der italienische Coach: "Sie haben ohne Furcht gespielt, und sie haben Persönlichkeit gezeigt. Sie sind gut genug, um hier bei den Großen mithalten zu können."

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