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Andreas Hinkel wechselte vor genau einem Jahr von Sevilla zu Celtic Glasgow © imago

Im zweiten Teil des Interviews spricht Hinkel über sprachliche Barrieren, schottische Trinkfestigkeit und gescheiterte Tanzversuche.

Von Martin Volkmar

Sport1.de: Der schottische Akzent hat seine Tücken. Gibt es denn auch Verständigungsprobleme?

Hinkel: Schottisch ist eine eigene Sprache, mit Englisch hat das oftmals nicht viel zu tun. Wenn sich Schotten untereinander unterhalten, habe ich schon meine Probleme. Da lernt man aber auch dazu. Ich komme ja aus dem Schwabenland, wo man gerne Perfektionist ist.

Als ich nach Sevilla gewechselt bin, wollte ich die Sprache perfekt beherrschen. Ein halbes Jahr später konnte ich schon recht flüssig spanisch sprechen, habe mich aber nicht getraut zu sprechen, weil ich es eben perfekt machen wollte. Ich habe mich dann an Alexander Kerzhakov orientiert, der nach einem halben Jahr in Spanien einfach wild drauf losbrabbelte ? verstanden hat ihn aber kaum jemand. Das sind eben die Unterschiede in der Mentalität.

Sport1.de: Sie haben sich also auch charakterlich verändert?

Hinkel: Jeder verändert sich ständig. Außer es fehlt die Bereitschaft dazu. Dann bleibt man eben stehen.

Sport1.de: Die Schotten sind ja gemeinhin als ein geselliges Volk bekannt, das dem ein oder anderen Bier nicht abgeneigt ist ?

Hinkel: Meine Erfahrungen in Pubs halten sich in Grenzen, man hört aber viel. Mit Teamkollegen war ich unterwegs, viel Alkohol trinken wir aber nicht.

Sport1.de: Im verregneten Schottland sind sie Stammspieler, im sonnigen Spanien saßen Sie in Sevilla oft nur auf der Bank. Wo fühlen Sie sich wohler?

Hinkel: In Spanien habe ich mich persönlich pudelwohl gefühlt. Sportlich haben die letzten sechs Monate sicher zu wünschen übrig gelassen. Mit dem ersten Jahr bin ich aber sehr zufrieden. Anfangs ist es immer schwierig, in ein neues Land zu kommen, mit der neuen Sprache umzugehen und sich ins Team zu spielen. Es wird ein anderer Fußball gespielt, etliche Eindrücke prasseln auf einen ein. Das ist immer schwierig. Mit Dani Alves hatte ich einen Konkurrenten auf meiner Seite, der zu den absoluten Topspielern auf der Welt gehört. Ihn als Konkurrent zu haben, war sicher schwierig. Trotzdem habe ich in der ersten Saison 26 Spiele absolviert. Das hat mir viel Selbstvertrauen gegeben und mich sportlich wie persönlich weiterentwickelt.

Sport1.de: Geht der Blick auch zum VfB Stuttgart zurück?

Hinkel: Der Blick geht zum VfB und zu Sevilla. Ich habe in Sevilla auch noch viele Freunde und Bekannte, mit Torwart Andres Palop stehe ich in regelmäßigem Kontakt. Die Verbindungen bleiben bestehen, nicht nur was den Fußball, sondern was das gesamte Umfeld anbelangt. Meine Frau ist zum Beispiel Tanzpädagogin, sie hat in Sevilla viel Flamengo getanzt. Der Kontakt zu den Tanz- oder Spanischlehrern besteht weiterhin. Wir werden auch immer wieder nach Sevilla zurückkommen.

Sport1.de: Schwingen Sie denn auch selbst das Tanzbein?

Hinkel: Ich habe mich an der einfachsten Variante des Flamengo probiert, die kann eigentlich jeder. Das Tanzen überlasse ich aber lieber meiner Frau.

Sport1.de: Wie eng ist denn noch der Kontakt in die alte Heimat zum VfB Stuttgart?

Hinkel: In Stuttgart bin ich geboren, natürlich sind damit viele Erinnerungen verbunden. Die Mannschaft hat sich in den vergangenen Jahren natürlich verändert. Mario Gomez war damals schon dabei, Hitzlsperger kenne ich auch schon lange. Ansonsten hat sich aber eine Menge verändert.

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