Uwe Morawe erklärt, wie das Inselvolk tickt, und lüftet das Geheimnis um Swansea City. Chelseas Coach rät er zu mehr Demut.

Gary Neville hat einen neuen Job: TV-Experte.

Vielen Briten wird nachgesagt, smart, feinsinnig und humorvoll zu sein. Gary Neville gilt als schlicht und bieder. Also dachte sich der Gary, hauen wir mal einen raus.

Bei der überraschenden 1:2-Niederlage von Chelsea gegen Liverpool äußerte der ehemalige ManUnited-Captain den Kommentar, dass Chelseas David Luiz spiele, als sei er von einem 10-Jährigen auf der Playstation ferngesteuert.

Junge, Junge, Schenkelklopfer...

Hierbei sei angemerkt, dass die Familie Neville seit Generationen über einen Humor verfügt, der sich nicht jedem auf die Schnelle erschließt. Der Vater von Gary läuft seit seiner Taufe als wandelnder Witz durchs Leben. Er heißt traurigerweise: Neville Neville!

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Elternmord erscheint bei dieser Namenswahl als ernstzunehmende Option.

Kurzum, Chelseas Coach Andre Villas-Boas fand die Worte Gary Nevilles nicht lustig und forderte mehr Ernsthaftigkeit ein.

Fatalerweise ließ sich der Portugiese angesichts von drei Niederlagen aus den letzten vier Partien zu einer weiteren Äußerung hinreißen. Seinen Job betrachte er als absolut safe, denn schließlich habe Roman Abramowitsch nicht 15 Millionen Euro Ablösesumme an den FC Porto gezahlt, um ihn, Andre Villas-Boas, den talentiertesten aller Trainertalente, kurz danach wieder rauszuschmeißen.

Das wiederum ist unbestreitbar lustig! Denn seit wann interessiert es Roman Abramowitsch, wieviel Geld er für was ausgibt?

Nicht nur Villas-Boas, sondern allen auf der Insel Zugereisten sei dringend angeraten, die Briten nicht zu ernst zu nehmen. Schnurrenerzähler vor dem Herren - was glaubst denn Du?

Am schlimmsten sind die Waliser!

95 Prozent dieses wunderlichen Völkchens bekennen, dass sie stolz seien auf relative Eigenständigkeit und Autonomie von England. Gleichzeitig geben 72 Prozent aller Waliser unumwunden zu, dass ihnen die walisische Sprache komplett unverständlich ist. Erscheint logisch...

Das walisische Landesmotto lautet Y Draig Goch ddyry cychwyn (der Rote Drache rückt vor) und die Dichter des Mittelalters hießen Llywarch ap Llyweilyn oder Cynddelw Brydydd Mawr. Da bekommt man zwangsläufig Sinn fürs Skurrile.

Nehmen wir mal den sympathischen Aufsteiger in die Premier League, Swansea City.

Der Spitzname des Vereins lautet "The Jacks". Jedem, der es gar nicht hören will, wird der Ursprung dieser Bezeichnung runtergerattert.

In den 30er Jahren gab es am Hafenbecken der Stadt einen legendären Hund namens "Swansea Jack", der mindestens 27 Menschen aus dem Meer fischte und ihnen das Leben rettete. Selbstredend sei dieser Überköter in Großbritannien hochoffiziell zum Hund des Jahrhunderts gewählt worden - mit großem Vorsprung vor "Pickles", dem Wuffi, der 1966 den gestohlenen Weltmeisterpokal wiederfand.

Bei dieser Wahl haben wohl nur Waliser mitgemacht.

27 Menschen, die ihr Leben einer einzigen Töle verdanken - unter normalen Umständen völliger Blödsinn. Warum soll die Hafenmole von Swansea die mit Abstand rutschigste der Welt sein? Doch vergessen wir nicht den Humor der Briten. Ich sage nur: Mutprobe!

Wahrscheinlich taperten jede Nacht gelangweilte, whiskygeschwängerte junge Männer an die Hafenmole und einer von ihnen mußte in die Fluten springen.

Wetteinsatz! Kommt Swansea Jack ...oder kommt er nicht?

Über die immense Zahl der Volltrunkenen, die selbst ein Hund des Jahrhunderts nicht retten konnte, schweigt sich der Waliser aus. Dem Swansea City Football Club wurde eine ganze Generation hoffnungsvoller Fußballtalente entrissen!

Aber was tut der Brite nicht alles für eine gute Story?

Euer Uwe Morawe

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