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Gary Speed spielte in der Premiere League zwischen 1996 und 1998 für den FC Everton © getty

Nach dem Selbstmord von Gary Speed trägt Großbritannien Trauer. Es werden Parallellen mit Hannovers Robert Enke gezogen.

Hamburg - Fassungslosigkeit, Trauer, Respekt - und keine schnellen Schlüsse.

Schon das Wort "Suizid" wird so gut wie nie benutzt. Der Profifußball im Vereinigten Königreich steht am Tag nach dem Tod von Gary Speed noch unter Schock.

Der Nationaltrainer von Wales war Sonntagmorgen in seinem Haus in Huntington/Nordwales von seiner Ehefrau Louise erhängt aufgefunden worden (Bericht).

Es gab keine Hinweise auf Fremdverschulden. Speed wurde 42 Jahre alt.

Die Briten geben in der Tragödie um einen ihrer größten Fußballer ein Beispiel für Seriosität und Fairness. Es gab am Montag noch keinerlei Spekulationen über die Gründe.

Die Familie wurde nicht belästigt, sondern die Privatsphäre von Louise und den 13 und 14 Jahre alten Söhnen Tommy und Ed respektiert.

Vor dem Haus von Speeds Eltern in Queensferry wurden Blumensträuße niedergelegt. Schwager Tony Haylock sagte der "Sun": "Wir sind wie betäubt, der ganzen Familie geht es so."

Anteilnahme von Blatter und Beckham

"Gary Speed war ein ungemein talentierter Spieler, der seinen Vereinen und seinem Land große Dienste erwiesen hat und eine große Lücke hinterlassen wird. Er wird immer als mustergültiger Profi und fantastischer Botschafter für den Fußball in Erinnerung bleiben", schrieb auch FIFA-Präsident Sepp Blatter sein Anteilnahme an den walisischen Verbandspräsidenten Phil Pritchard.

Auch Englands Star David Beckham zeigte sich bestürzt: "Es ist sehr traurig, einen Mann wie ihn zu verlieren. Er war ein erstaunlich talentierter Spieler. Ich, die Spieler, Manager und das ganze Team von LA Galaxy sind mit unseren Gedanken bei seiner Frau, seinen Kindern und der Familie", sagte Beckham in Jakarta.

"Warum, warum, warum?"

"Warum, warum, warum?" fragte die Boulevardzeitung "Daily Mirror" zwar, irgendwelche Antwortversuche vermeintlicher und tatsächlicher Experten aber blieben aus.

Lediglich die "Times" zog die Parallele zum deutschen Nationaltorwart Robert Enke, der sich vor etwas über zwei Jahren in Folge seiner Depressionserkrankung das Leben genommen hatte. "Die Fußball-Industrie weiß nicht, wie mit mentalen Gesundheitsproblemen umzugehen ist", folgert "Times"-Autor Oliver Kay.

Bei Robert Enke war das Thema Depression schon am Tag nach seinem Tod durch die Aufsehen erregende Pressekonferenz der Witwe Teresa ins öffentliche Bewusstsein gerückt worden.

Louise Speed fand am Montag noch nicht die Stärke zu einem Kommentar, die Familie hatte sich zurückgezogen. Auch die offizielle Website von Gary Speed war Montagmittag noch nicht bearbeitet.

[kaltura id="0_9zmdqgvg" class="full_size" title="Wales trauert um Speed"]

Schweigeminute in Premier League

In Großbritannien gab es bislang erst einen Suizid eines bekannten Profifußballers. Am 2. Mai 1998 setzte Justin Fashanu seinem Leben mit 37 Jahren ein Ende.

Fashanu hatte sich zu seiner Homosexualität bekannt. "Schwul und eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, ist hart", schrieb er in seinem Abschiedsbrief.

Noch am Samstag war Speed in einer Fußball-Sendung von "BBC1" aufgetreten. Das Video ist überall im Netz zu sehen. Dort saß ein dynamischer, gut gelaunter Mann.

"Schockiert, kann es nicht glauben, unfassbar", war der allgemeine Tenor in den Reaktionen zahlreicher prominenter Sportler, Funktionäre, Fans und Politiker.

Die Partien in der Premier League am Sonntag begannen mit einer Schweigeminute.

Premierminister Cameron "tief traurig"

Regierungschef David Cameron ließ über seinen Sprecher eine Stellungnahme abgeben: "Der Premierminister ist tief traurig, von Gary Speeds Tod zu hören, der von Fußballfans überall im Land tief respektiert wird. Die Gedanken des Premieministers sind bei Gary Speeds Familie und Freunden an diesem traurigen Tag."

Speed bestritt 535 Spiele in der Premier League.

Den überwiegenden Teil seiner Karriere war er für Leeds United aktiv, mit denen er 1992 die englische Meisterschaft gewann. Er spielte auch für den FC Everton, Newcastle United, die Bolton Wanderers und Sheffield United.

Im Dezember 2011 übernahm er die Nationalmannschaft von Wales als Cheftrainer, für die er 85 Länderspiele bestritt.

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