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Henrik Larsson schoss für Schweden in 100 Spielen 37 Tore © getty

Schwedens Fußball-Star versucht sich im Hallen-Hockey - das mit Erfolg. Die Fans strömen zu den Spielen, nur Auswahlcoach Lagerbäck motzt.

München - Für einen Topstürmer wie Henrik Larsson war es keine große Sache. Der schwedische Nationalspieler nimmt den Ball an und schlenzt ihn ins leere Tor.

Dennoch war der Treffer zwei Tage vor Heiligabend ein besonderer - Larssons erster in der schwedischen Floorball-Liga.

Der 37-Jährige hat zur Zeit keine Lust auf Fußball, spielt lieber "Innebandy" und reißt die Fans zu Begeisterungsstürmen hin. Nur Fußball-Nationalcoach Lars Lagerbäck will nicht mitjubeln.

Fünf Teamkollegen, ein 23 Gramm leichter Lochball, ein Plastikstock und kleinere Tore: der schwedische Volkssport erinnert eher an Hallenhockey.ad

In Deutschland Randsportart

In seinem schwarz-blau gestreiften Trikot mit der Rückennummer 17 sieht Larsson ein bisschen wie ein Kicker von Inter Mailand aus. Viel mehr Parallelen zu seinem gewohnten Umfeld gibt es nicht, wenn Larsson für Helsingborg auf Torejagd geht.

In Deutschland ist Unihockey, wie das rasante Spiel hierzulande genannt wird, eine Randsportart. Im Mutterland des Sports spielen es über 500.000 Menschen, einer von ihnen ist seit Mitte November auch Larsson.

Als sich dessen Fußball-Kameraden vom Tabellenvierten Helsingborgs IF in die Winterpause verabschiedeten, wechselte der 102-malige Nationalspieler in die "Superligan" zum FCH.

Mit 18 bereits Hockey-Erstligaspieler

Sein Kumpel Mikael Karlberg, Coach des abstiegsbedrohten Klubs, hatte Larsson gefragt, und weil der zweimalige schwedische Fußballer des Jahres nichts Besseres zu tun hatte, nahm er an.

Als 18-Jähriger war Larsson bereits Erstligaspieler im Innebandy gewesen, und er hat nichts von seiner Klasse verloren. In vier Begegnungen gab er drei Assists, beim 8:7 gegen Västeraas IBF erzielte er das Siegtor.

Zuscherrekord dank Larsson

2355 Zuschauer wollten Larssons jüngsten Auftritt am zweiten Weihnachtsfeiertag gegen Warberg (4:6) sehen, das bedeutete für den FCH einen Zuschauerrekord und rund 10.000 Euro Einnahme. Mancher Fan will Larsson sogar in der Auswahl des Rekordweltmeisters sehen, doch der lehnt ab.

"Nationalmannschaft? Na, ihr habt vielleicht Humor!"

Aus in der Nationalmannschaft?

Jedoch: Larssons zweite Karriere könnte zuende sein, ehe sie richtig begonnen hat. Coach Lagerbäck ließ ihm über Assistent Roland Andersson ausrichten, was er vom "Fremdgänger" hält: "Wenn er nicht bald anfängt zu trainieren, ist er raus."

Die beiden Testspiele Ende Januar gegen die USA und Mexiko fänden dann ohne Larsson statt.

Doch der will sich nicht reinreden lassen. "Hier geht es nicht um Lagerbäck, sondern um mich. Ich bin jetzt schon 37 und lasse mir von niemandem vorschreiben, was ich tun oder lassen soll", sagt er.

Immer noch Top-Klub-Interesse

Den Trainingsstart bei seinem Fußballklub am 7. Januar wird "Henke" ohnehin verpassen: "Da bin ich im Urlaub." Sein Vertrag läuft am 11. Januar aus. Wohin die Reise geht, "ist noch nicht sicher", sagt er.

Helsingborgs IF möchte Larsson gerne halten, aber auch der FC Everton und Olympique Marseille haben Interesse an dem Mann, der bei Manchester United, dem FC Barcelona und Celtic Glasgow seine Klasse unter Beweis gestellt hat.

In Helsingborg wird hinter vorgehaltener Hand indes eine besondere Variante diskutiert: Larsson spielt noch bis Februar Innebandy und kehrt dann bei HIF auf den Rasen zurück.

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