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Xamax-Mäzen Tschagajew steht bereits seit Monaten im Kreuzfeuer der Kritik © getty

Nach dem Punktabzug für den FC Sion droht nun Neuchatel wegen gefälschter Bürgschaften und ausbleibende Gehälter die Pleite.

Neuchatel - Die Rekordstrafe von 36 Punkten Abzug für den FC Sion hat den Schweizer Fußball in den Blickpunkt gerückt. (BERICHT: Höchststrafe für Sion)

Doch die eigentliche "Skandalnudel" der Eidgenossen ist seit Monaten Xamax Neuchatel.

Gefälschte Bankgarantien, nicht gezahlte Spielergehälter und die fast unabwendbare Insolvenz:

Fast keine Woche vergeht, in der der Traditionsverein nicht für neue Schlagzeilen sorgt - negative, versteht sich.

Und mittendrin im Geschehen: der tschetschenische Eigentümer Bulat Tschagajew.

Gerüchte und Kuriositäten

Seit seiner Inthronisation im Mai 2011 ranken sich diverse Gerüchte um den Schwiegersohn des letzten KPdSU-Vorsitzenden in Tschetschenien - ein kurioses Vorkommnis reiht sich nahtlos ans vorherige.

Mit dramatischen Folgen für den Klub: Mittlerweile rechnet selbst der Chef der Schweizer Fußball-Liga (SFL), Heinrich Schifferle, nicht mit einer Fortsetzung des Spielbetriebs beim dreimaligen Meister.

"Bei Xamax brennt es lichterloh", sagte Schifferle der Boulevardzeitung "Blick".

Ob die Liga denn mit neun Mannschaften in die Rückrunde starten werde?

"Im Moment sind es noch zehn. Aber ich wäre überrascht, wenn es so bleiben würde", sagte der SFL-Boss.

Schulden und nicht gezahlte Gehälter

Die ganze Hoffnungslosigkeit in zwei Sätzen zusammengefasst.

Sechs Millionen Franken sollen die Schulden von Xamax betragen.

Dazu kommen noch nicht gezahlte Gehälter für November und Dezember sowie die noch nicht beglichene Ablösesumme von einer Million Euro für den nigerianischen Stürmer Kalu Uche von UD Almeria.

Die SFL bestrafte den Verein bereits mit einem Abzug von vier Punkten wegen Unregelmäßigkeiten bei der Lizenzerteilung.

Konkurs steht bevor

Der Konkurs ist anscheinend nur noch eine Frage der Zeit. "So wird es wohl sein", sagte Schifferle.

Doch warum eigentlich? Schließlich war Tschagajew als Multimilliardär vorgestellt worden.

Für den Vertrauten des früheren tschetschenischen "Warlords" und heutigen Präsidenten der Teilrepublik, Ramsan Kadyrow, sollten die fehlenden Millionen eigentlich nur Peanuts sein.

Immerhin soll der Oligarch, der offiziell sein Vermögen mit Rohstoff- und Immobiliengeschäften gemacht hat, gerne wahlweise mit Nobelkarossen der Marke Bentley oder Mercedes zu den Spielen vorfahren.

Gefälschte Bürgschaften

Bisher blieb er jedoch den Nachweis wirtschaftlicher Potenz schuldig. Zwei Bankbürgschaften, die seinen Reichtum belegen sollten, waren gefälscht. Plump gefälscht.

Rechtschreibfehler und das "dürftige" Englisch erweckten erste Zweifel - der unterzeichnende Beamte der Bank of America hieß "Tomas Milller".

Thomas ohne H und Miller mit drei l...

Durchsuchungen bei Tschagajew

Und das Dokument hatte Folgen. Die Genfer Staatsanwaltschaft ließ die Schweizer Firmen Tschagajews durchsuchen.

Dieser reagierte daraufhin "not amused" und verklagte seinerseits das Westschweizer Wochenmagazin "L'Illustre" auf eine Million Franken Schadenersatz.

Vielleicht war die Laune Tschagajews aber auch wegen eines anderen Vorkommnisses getrübt.

Sein Vorschlag, den Vereinsnamen um das Wort "Vainach" (Klub des Volkes) zu ergänzen, wurde von der Liga abgelehnt.

Auch sportlich im Chaos

Nicht zu vergessen, dass der Tschetschene auch im sportlichen Bereich verbrannte Erde hinterlässt.

Nach zwei Niederlagen zum Auftakt entließ er im Handstreich sämtliche Mitarbeiter der Geschäftstelle, dazu noch den kompletten Trainerstab, den Sportdirektor und den von ihm eingesetzten Präsidenten.

Unzählige weitere Trainerwechsel folgten.

"I will kill you all"

Auch die Spieler bekamen den neuen Wind zu spüren.

In der Halbzeitpause des später verlorenen Pokalfinales soll, so heißt es aus Spielerkreisen, Tschagajew in der Kabine mit den Worten "I will kill you all" getobt haben.

Seitdem haben die Spieler Angst. Verständlich.

Gegner im Pokalfinale war übrigens der FC Sion. Nach dessen Rekordstrafe wegen Missachtung der FIFA-Transfersperre solidarisierte sich Xamax in einer offiziellen Mitteilung mit dem Konkurrenten.

Fraglich allerdings, ob man sich in Sion über diese Freunde freut...

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