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Fabio Capello ist seit Dezember 2007 englischer Nationaltrainer © getty

Englands Nationalcoach wehrt sich gegen die Absetzung seines Kapitäns John Terry durch den Verband FA - und riskiert seinen Job.

London - Fabio Capello ist im Rassismus-Skandal um seinen Kapitän John Terry "in den Krieg gezogen" und hat vier Monate vor Beginn der Fußball-EM möglicherweise seinen Rauswurf provoziert.

Der englische Nationalcoach war nach der Absetzung von Kapitän John Terry im Rassismus-Skandal auf Konfrontationskurs zu seinem Verband FA gegangen und wurde nun zu Gesprächen über seine persönliche Zukunft zitiert (BERICHT: Terry verliert Kapitänsamt).

"Die FA nimmt diese Sache sehr ernst. Es kann sein, dass Capello Vertragsbruch begangen hat", sagte der frühere FA-Direktor David Davies und drohte dem Italiener schon indirekt mit der Trennung.

Präsident David Bernstein habe in der vergangenen Woche mit dem Entzug der Kapitänsbinde von Terry "nicht gezögert, und er würde es auch diesmal nicht tun".

Capello stärkt Terry den Rücken

Man müsse sich vor allem fragen, "was seine Motivation ist. Normalerweise denkt man, er will verhindern, dass John Terry vor der EM zurücktritt, aber diese Sache hat weitere Ausmaße".

Aus seiner italienischen Heimat hatte Capello verlauten lassen, dass er mit der Absetzung von Kapitän John Terry "absolut nicht einverstanden" sei: "Ich denke, Terry sollte die Kapitänsbinde behalten".

Die Entscheidung hatte das 14-köpfige Exekutivkomitee der FA am Donnerstag getroffen, ohne den im Urlaub weilenden Nationaltrainer einzuweihen.

Der größte "Akt von Illoyalität"

Das Boulevardblatt "The Sun" hatte Capellos Affront zuvor schon als "den größten Akt von Illoyalität eines ohnehin weit überbezahlten Mannes" eingestuft und getitelt:

"Capello zündet eine große Bombe und zieht in den Krieg gegen die FA." Diesen kann er wohl nicht gewinnen, auch weil zahlreiche Mitspieler bereits von (Ex-) Kapitän Terry abgerückt sind.

Der "Telegraph" schreibt von einer "explosiven Stimmung rund um das Nationalteam". Kein Wunder.

Denn die Diskussion um Terry zieht weite Kreise.

Mit Terry in die EURO 2012?

Capello begründet sein Veto für den Spielführer damit, dass man ihn nicht bestrafen dürfe, bevor die Rassismus-Vorwürfe gegen ihn von einem Zivilgericht bestätigt worden sind.

Da die Verhandlung erst am 9. Juli und damit nach der EM in Polen und der Ukraine stattfinden wird, heißt das übersetzt:

Capello will mit Terry als Kapitän in die Endrunde gehen.

Wo er dann wohl die Innenverteidigung ausgerechnet mit Rio Ferdinand bilden würde, dem Bruder des von Terry angeblich beleidigten Anton Ferdinand.

Ferdinand kein Interims-Kapitän

Rio Ferdinand wiederum hatte Terry schon nach der ersten Absetzung als Kapitän beerbt.

2010 war das, nachdem bekannt wurde, dass der verheiratete Familienvater eine Affäre mit der Ex-Freundin seines ehemaligen Teamkollegen Wayne Bridge hatte.

Nun erklärte Ferdinand schon, er habe kein Interesse, wieder als Spielführer einzuspringen.

Interne Strömungen gegen Terry

Auch ohne Spielführerbinde gilt Ferdinand aber als Anführer einer "kleinen einflussreiche Gruppe", die nach Angaben des Observer Terry schneidet und dafür plädiert, ohne den 31-Jährigen vom FC Chelsea zur EM zu fahren.

Dass der Prozess gegen seinen Abwehr-Kollegen in den Juli verschoben wurde, hatte der Bruder des angeblichen Opfers schon als "faden Beigeschmack" bezeichnet.

Springt Capello nun also so vehement für Terry in die Bresche, riskiert er nicht nur Ärger mit dem Verband, sondern auch mit einer nicht unbedeutenden Gruppe seiner Spieler.

Und das, obwohl der 65 Jahre alte Italiener in den Vergangenheit mehrfach betont hatte, für ihn sei es nicht wichtig, wer Kapitän sei.

Taylor rügt Capello

Der frühere Nationaltrainer Graham Taylor kritisierte in der "BBC" derweil Capellos "ungeschickten" Aussagen.

"Sich so öffentlich zu äußern, schafft größere Probleme in Bezug auf die Harmonie für die EM", sagte Taylor, der die Three Lions von 1990 bis 93 betreut hatte.

Terry soll Anton Ferdinand im Ligaspiel am 23. Oktober gegen die Queens Park Rangers beleidigt haben. Die Abschrift der angeblich üblen Beleidigungen kursiert im Internet.

Das Videomaterial veranlasste die Staatsanwaltschaft zumindest, ein Verfahren einzuleiten.

Terry witter Hetzkampagne

Die FA setzte Terry "aufgrund der hohen moralischen Verpflichtung des Amtes" solange ab, bis die Vorwürfe gegen ihn entkräftet seien.

Terry bestreitet die Vorwürfe vehement und bezeichnet den Vorgang als Hetzkampagne gegen seine Person.

"Ich werde mit Klauen und Zähnen kämpfen, um meine Unschuld zu beweisen", hatte er zuletzt stets betont.

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