Uwe Morawe schreibt in seiner Kolumne über die Rückkehr von Carlos Tevez nach England und vergleicht ihn mit Zsa Zsa Gabor.

Ich war lange weg, jetzt bin ich wieder da, Comeback!

Sensationelle Wende im Fall Carlos Tevez. Keine zwei Wochen nach Schließung des Transferfensters und dem Ausbleiben eines koffergroßen Handgelds fiel dem Argentinier auf, daß er seit Monaten kein Geld mehr überwiesen bekommt. Beziehungsweise seinen diversen Spielerberatern.

Davon hat Tevez ungefähr so viele wie Zsa Zsa Gabor einst Ehemänner. Sie wissen schon, die Urgroßmutter aller It-Girls. Die Gabor schaffte es auch mit 93 Jahren noch in die Medien, Oberschenkelhalsbruch und Beinamputation.

Von einem Eingriff dieser Art ist Tevez weit entfernt. Topfit und tatendurstig sei er, so ließ es sein Management aus dem fernen Buenos Aires verkünden.

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Die Oberarmmuskulatur ausgeprägt durch Caipirinha-Heben, der Kiefer durchtrainiert durch die viele schwere süße Kost von Mutter und die Waden stramm wie aus Oberbayern. Mülltüten runtertragen hält fit.

Wir sind gespannt auf die Ankunft in Manchester. Als Tevez einst vom Verwaltungsbezirk Trafford über die Stadtgrenze kam, wurde er von den City-Fans begeistert empfangen. Überlebensgroße Plakate: "Welcome to the City!"

Dieses mal spricht alles für eine verhuschte Ankunft am Flughafen, wartende Kamerateams, Nebeneingänge, übergezogene Kapuzen. Noch ist völlig offen, wie die Fans reagieren werden.

Bisher haben die Anhänger der Citizens die riesige Investitionswelle von Scheich Mansour als einzige auf dem Globus eher unkritisch gesehen. Das war ihr gutes Recht.

Nach Jahren des Leidens und Darbens sind wir auch mal dran. Nicht immer nur United und Chelsea. Kann man als Fan so sehen.

Doch nun haben sie es mit einem Spieler zu tun, der als ihr Kapitän das Armband trug, der das Wappen nach fast jedem erzielten Treffer küsste - um es dann im übertragenen Sinn zu bespucken.

Schon im Sommer verkündete Tevez, wie häßlich Manchester sei, wie unsympathisch die Leute, und im Herbst weigerte er sich für den Club zu spielen. Was tun mit so einem Mann?

In den letzten Jahren hat sich die These durchgesetzt, die Fußballer seien nicht mehr so schlicht gestrickt wie früher. Smarte Geschäftsmänner statt tumbe Zeitgenossen, denen man außer Tankstellen und Lotto-Annahmestellen kein weiteres Geschäftsmodell zutraute.

Tevez ist da noch einer von altem Schrot ganz in der Tradition eines Helmut Rahn. Der bekam 1953 ein Millionenangebot von Inter Mailand und ging damit schnurstracks zu Georg Melches, seinem Präsidenten bei Rot-Weiss Essen.

Der Präsi bewegte den Rechtsaußen mit folgenden Argumenten zum Bleiben: "Sehen Sie, Helmut, Sie haben ja gar nicht an die Abgaben gedacht. Da in Italien zahlen Sie allein an Steuern viermal so viel wie Sie hier bei uns brutto bekommen. Und dann noch das Telefon, alles Auslandsgespräche, da bleibt unterm Strich kaum was übrig."

Rahn blieb Beifahrer im Fuhrpark von Melches, wurde ein Jahr später Weltmeister - und starb verarmt und vereinsamt.

Das wird weder Zsa Zsa Gabor noch Carlos Tevez passieren, doch auch dem Argentinier steht ein zukunftsweisendes Gespräch bevor.

Trainer Roberto Mancini beharrt weiterhin auf einer Entschuldigung. Auf Spanisch wird das beim stolzen Argentinier nur schwerlich über die Lippen kommen. Und so arbeiten die 25 Berater seit Tagen an den ersten englischen Worten, die Tevez je sprechen wird.

Komm übe mal, kleiner Knirps: "Sorry, Sorry, I am really really sorry..."

Euer Uwe Morawe

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