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Verteidiger Kirk Broadfoot (o.) spielt seit 2007 bei den Glasgow Rangers © getty

Die Krise beim angeschlagenen Rekordmeister aus Glasgow hat auch Auswirkungen auf Rivalen Celtic. Der gibt sich unbeeindruckt.

Von Tobias Wiltschek

München - Es war ein beeindruckendes Zeichen der Rangers-Fans für den Erhalt ihres Klubs am vergangenen Samstag.

Über 50.000 Zuschauer strömten gegen den Provinzverein FC Kilmarnock in den altehrwürdigen Ibrox Park und demonstrierten ihre Unterstützung für den Verein.

"Unser Klub wird niemals sterben", hieß es auf zahlreichen Bannern, die die Anhänger der Rangers in die Höhe reckten.

Doch die Existenz des schottischen Rekordmeisters ist auch mehr als eine Woche nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens durch die britische Steuerbehörde akut gefährdet.

Punktabzug, Titel futsch

Da passte es ins traurige Bild, dass der Traditionsverein aus Glasgow auch noch die Partie gegen den Underdog aus Kilmarnock mit 0:1 verlor (DATENCENTER: Schottische Premier League).

Nach den zehn Punkten Abzug wegen der Insolvenz verlieren die Rangers damit drei weitere Zähler auf den Erzrivalen Celtic, der am Sonntag bei Hibernian Edinburgh mit 5:0 gewann.

Mittlerweile ist der Rückstand auf schier uneinholbare 17 Punkte angewachsen.

Suche nach Klarheit

Weitaus schwerer lastet auf dem protestantisch geprägten Verein aus Glasgow allerdings die bange Frage nach der Zukunft.

"Wir möchten, dass alle Zahlen und Fakten auf den Tisch kommen", sagt Rangers-Trainer Ally McCoist. Denn was alle im Verein jetzt am dringendsten bräuchten, sei Klarheit.

So viel zumindest steht fest: Die Rangers sehen sich mindestens 59 Millionen Euro an Steuerschulden und Strafzahlungen gegenüber und stehen fortan unter der Leitung eines selbst gewählten Zwangsverwalters.

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Konten auf Steueroasen

Um Steuern zu sparen, soll der Klub in den vergangenen elf Jahren beispielsweise Spielergehälter auf Konten in Steueroasen überwiesen haben.

Dazu erwirtschaftet der Verein, für den einst die deutschen Ex-Nationalspieler Jörg Albertz und Christian Nerlinger aktiv waren, im laufenden Spielbetrieb Verluste von etwa zwölf Millionen Euro im Jahr.

Eine Folge von sinkenden TV-Einnahmen und des Misserfolgs im internationalen Wettbewerb.

In dieser Saison schaffte es der aktuelle schottische Meister nicht einmal in die Gruppenphase der Europa League - 40 Jahre nach dem Triumph im Europapokal der Pokalsieger 1972.

Hoffnung auf Gläubiger

Was bleibt, ist die Hoffnung auf eine freiwillige Übereinkunft der Gläubiger. Doch der Weg dahin scheint schwerer als zu jeder einzelnen der 54 bislang errungen nationalen Meistertitel.

Zerschlägt sich diese Hoffung, müsste Klubchef Craig Whyte entweder Konkurs anmelden oder die Besitzstände des Vereins - darunter den legendären Ibrox Park und das Trainingsgelände - zur Schuldentilgung verkaufen.

Beide Varianten könnten dazu führen, dass der 1873 gegründete Verein erst einmal formell aufgelöst und nach seiner Neugründung in eine der unteren Ligen eingegliedert wird.

"Old Firm" gefährdet

Ein Zwangsabstieg wiederum hätte für den gesamten schottischen Fußball negative Auswirkungen; in erster Linie für den von irischen Katholiken unterstützten Rivalen Celtic.

Denn die Abgängigkeit der beiden Glasgower Großklubs voneinander ist noch größer als die gegenseitige Ablehnung, auch wenn das Celtic-Boss Peter Lawwell nicht wahrhaben will.

Sein Verein könne auch ohne die andere Hälfte der sogenannten "Old Firm" überleben, bekräftigte Lawwell. Dies mag stimmen, aber sicherlich nicht mehr so gut wie momentan.

Celtic-Finanzspritze gefährdet

In den aktuell gültigen TV-Verträgen ist eindeutig festgelegt, dass von den Sendern nur dann Geld fließt, wenn beide Traditionsvereine aus Glasgow der schottischen Premier League angehören und viermal pro Saison gegeneinander spielen.

Sollten die Rangers nicht mehr in der ersten Liga spielen, müsste Celtic aber wohl auch auf einen stattlichen Betrag aus Zuschauereinnahmen und Sponsorengeldern verzichten.

Beim 5:0-Sieg in Edinburgh entrollten die Celtic-Fans auf der Tribüne allerdings ein riesiges Banner mit der Aufschrift: "Wir feiern eine Party, während die Rangers sterben."

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