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Jürgen Klinsmann führte die deutsche Elf als Bundestrainer 2006 zu Platz drei bei der WM © getty

Jürgen Klinsmann kehrt als US-Coach nach Italien zurück. Das Duell mit dem Ex-Weltmeister dient als Härtetest für die WM-Quali.

Von Christoph Lother

München - Für Jürgen Klinsmann führen zwar nicht alle Wege nach Rom, offensichtlich aber zumindest nach Italien.

Das Land des viermaligen Weltmeisters lässt den 47-Jährigen einfach nicht los.

Beim Testspiel seiner US-Amerikaner in Genua kommt es für Klinsmann (20.30 Uhr im LIVE-TICKER) zum ersten Wiedersehen mit den Italienern nach dem bitteren Halbfinal-Aus mit der deutschen Nationalelf bei der Heim-WM 2006.

Ein weiteres Kapitel in der scheinbar unendlichen Geschichte zwischen "Klinsi" und Italien, wo er 1990 als Weltmeister seinen größten Erfolg feierte, steht bevor.

Herzliche Begrüßung in Genua

"Wir sind gespannt, mit welcher Spielweise die Italiener in diese Partie hinein gehen werden - nach diesem Desaster in Südafrika", sagte Klinsmann vor dem Spiel gegen die "Squadra Azzura".

Ganz so herzlich wie der Empfang durch seinen früheren Arbeitgeber Sampdoria Genua (in der Hinrunde 1997, Anm. d. Red.), von dem er bei seiner Ankunft in der Hafenstadt sogar ein Trikot überreicht bekam, dürfte das Kräftemessen mit den Italienern für Klinsmann und seine US-Boys jedenfalls nicht ausfallen.

Klinsmann zeigt Respekt

"Die wollen jetzt zeigen, dass sie mit allen mithalten können und mit dem neuen Trainer, der eine etwas offensivere Spielweise praktiziert und mehr Risiko geht, scheint das recht gut zu klappen", zollt Klinsmann dem Team von Cesare Prandelli Respekt.

"Die Qualifikation für die Europameisterschaft haben sie ohne Probleme durchlaufen", ergänzt der ehemalige Serie-A-Stürmer, der für Genua und Inter Mailand in 131 Ligaspielen insgesamt 42 Tore erzielte, und verweist dabei auf die makellose Bilanz der Italiener von acht Siegen und zwei Unentschieden in ihren zehn Spielen auf dem Weg zur EM.

Veränderte Spielweise führt zum Erfolg

Einen Grund für diese Wiederauferstehung des Weltmeisters von 2006, der bei der WM in Südafrika vor zwei Jahren bereits in der Vorrunde sang- und klanglos gescheitert war, hat Klinsmann auch schon ausgemacht.

"Normalerweise hatten die Italiener immer eine Mannschaft, die mehr auf den Gegner reagiert hat. Irgendwann stachen sie eben zu. Von dieser Art des Fußballs gehen sie nun etwas weg, sie wollen mehr nach vorne spielen", erklärt der 108-fache Nationalspieler.

Neuaufbau bei den US-Boys

Auch die US-Amerikaner, für die Klinsmann seit Juli des vergangenen Jahres verantwortlich ist, betreiben seit dem Achtelfinal-Aus gegen Ghana bei der WM 2010 eine Art Wiederaufbau.

"Wir bringen viele junge Spieler nach und wollen näher an die Weltspitze heranrücken", so Klinsmann.

Unter der Regie des ehemaligen Bundestrainers ist das bislang zwar noch nicht wirklich gelungen, aus Sicht von Klinsmann aber auch nicht weiter verwunderlich: "Das ist ein Prozess, der über zwei, zweieinhalb Jahre gehen wird."

"Der Welt zeigen, was wir drauf haben"

Nach einem Unentschieden gegen Mexiko (1:1) und zwei 0:1-Niederlagen gegen Costa Rica und Belgien in den ersten drei Partien unter Klinsmann haben die US-Boys inzwischen wieder in die Spur gefunden.

Zuletzt gab es drei Siege in Folge - wenn auch gegen wenig prominente Gegner wie Slowenien, Venezuela und Panama.

Das langfristige Ziel heißt aber ohnehin Brasilien. Klinsmann und seine Schützlinge wollen sich für die WM 2014 nicht nur qualifizieren, sondern "der Welt zeigen, was wir drauf haben".

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