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Cristiano Ronaldo endlich auf dem Thron: Die Wahl zum Weltfußballer des Jahres 2008 war eine logische Konsequenz
Cristiano Ronaldo gewann 2008 mit Manchester United die Champions League © getty

Der Portugiese ist der Weltfußballer des Jahres 2008. Lothar Matthäus sieht auch deshalb schwarz für den deutschen Fußball.

Zürich - Als der neue Weltfußballer Cristiano Ronaldo vor dem Opernhaus von Zürich unter dem Gekreische seiner Fans über den roten Teppich schritt, polterte Lothar Matthäus los.

Der einzige alte deutsche Preisträger sieht den Fußball in seiner Heimat sehr kritisch.

"Wir brauchen uns nicht wundern, dass wir solche Superstars nicht mehr haben. Das scheint doch gar nicht gewünscht, weil jeder in ein System gezwängt wird", erklärte der Rekordnationalspieler und Weltmeister-Kapitän von 1990.

Matthäus forderte "mehr Freiheiten" für kreative Spieler - damit deutsche Profis bei künftigen Ehrungen wieder über die Rolle der Statisten hinauskommen.

"Wir haben früher vielleicht auch mal ins Fettnäpfchen getreten. Aber wir haben Verantwortung übernommen und das Vertrauen auf dem Platz zurückgezahlt."

Doch an eine schnelle Rückkehr deutscher Profis ins Konzert der Großen glaubt Matthäus nicht.

"Spektakuläre Individualisten fehlen"

"Die Nationalmannschaft war zuletzt zwar recht erfolgreich, doch die richtig spektakulären Individualisten fehlen in Deutschland", meinte der Trainer von Israels Klub Maccabi Netanya.

"Und das wird wohl auch erstmal so bleiben. Wenn man hier die Finalisten um Cristiano Ronaldo anschaut: Die sind alle noch jung, die werden auch in den nächsten Jahren den Ton angeben."

Während vor allem Portugals Superstar Cristiano Ronaldo als erster Weltfußballer aus der englischen Premiere League Preis und Lob für ein triumphales Jahr 2008 mit Meister, Champions-Leauge-Sieger und Klub-Weltmeister Manchester United bekam, landete DFB-Kapitän Michael Ballack als einziger deutscher Profi auf der Vorschlagsliste des Weltverbandes FIFA auf Rang 14.

Werbung für Frauen-WM

So war es einmal mehr den deutschen Frauen vorbehalten, zumindest etwas im Rampenlicht zu stehen.

Zwar überreichte Franz Beckenbauer die Auszeichnung an Brasiliens Ballzauberin Marta, doch Rekordnationalspielerin Birgit Prinz auf Rang zwei und Nadine Angerer als erste Torhüterin bei den Finalisten auf Rang vier vertraten immerhin den DFB vor Ort - und machten damit auch Werbung für die Frauen-WM 2011 in Deutschland.

"Der deutsche Frauenfußball hatte mit Bronze bei Olympia in Peking und unserem Gewinn des UEFA-Pokals mit dem 1. FFC Frankfurt wieder ein gutes Jahr", erklärte Prinz.

"Wir haben viele gute Spielerinnen und auch junge Mädchen, die nach vorne drängen. Wir können positiv auf die WM in Deutschland schauen."

Das sah auch Angerer so: "Die WM 2011 wird ein hochklassiges Turnier und eine richtig große Party."

Blatters soziale Verantwortung

Dass die FIFA bei der Party in Zürich die "soziale Verantwortung" nicht außen vorließ, betonte Präsident Joseph S. Blatter und unterstrich der Weltverband mit weiteren Preisen.

So ging der Fairplay-Preis an die Verbände der Türkei und Armenien. Hintergrund war das WM-Qualifikationsspiel im September 2008, bei dem sich die Präsidenten der beiden Länder nach zwei Jahrzehnten diplomatischer Funkstille im wahrsten Sinne des Wortes die Hand reichten.

Feines Gespür

Ein feines Gespür bewies die FIFA auch mit der Vergabe des Entwicklungspreises an den Verband von Palästina.

Der Verband aus der Krisenregion erhielt die Auszeichnung für den Umbau des Al-Husseini-Stadions in Al-Ram und dem ersten Heimspiel im Oktober 2008 gegen Jordanien.

Zumindest diese Preisvergabe verfolgte auch Matthäus mit Wohlwollen.

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