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Lothar Matthäus ist seit April 2008 Trainer bei Maccabi Netanya © getty

Lothar Matthäus nimmt mit Maccabi Netanya Kurs auf die Tabellenspitze. Dennoch bleibt der Coach ungewohnt zurückhaltend.

Von Conny Konzack und Uri Oz

Tel Aviv/München - Er genoss den Triumph erst im Stillen, später mit seiner frisch angetrauten Frau Liliana im gemeinsamen Luxus-Appartment in Herzliya:

Lothar Matthäus hatte nur kurz seine Faust geballt und dann sofort seine Spieler "ermahnt", nicht durchzudrehen.

Dennoch war das 1:0 seines Teams Maccabi Netanya über Maccabi Tel Aviv ein Meilenstein für den deutschen Rekord-Nationalspieler.

"Maccabi Tel Aviv ist hier in Israels Liga immer noch das Maß aller Dinge - wie der FC Bayern in Deutschland", sagt Matthäus nach dem Erfolg über den Rekordmeister.

Nur einen Zähler Rückstand auf Platz eins

Der Sieg im ersten Spiel nach der Pause wegen der militärischen Intervention im Gazastreifen war umso höher zu bewerten, weil der Coach derzeit "ständig drei, vier Spieler in Armeebereitschaft für einen eventuellen Kriegseinsatz" hat.

Nun beträgt der Rückstand auf Tabellenführer Maccabi Haifa (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle) nur noch einen Punkt .

"Wer mich kennt, der weiß, dass ich mich schon als Spieler nie mit dem zweiten Platz zufrieden gegeben habe", erklärt der 48-Jährige Sport1.de, schränkt dann aber ein: "Der Meistertitel ist für uns Wunschdenken."

"Sind immer noch Außenseiter"

Matthäus weiß natürlich, dass man in Netanya von der ersten Meisterschaft seit 1983 träumt: "Aber ich rede bewusst nicht davon, weil wir immer noch Außenseiter sind."

Immerhin hat es der Ex-Weltstar mit seiner Beharrlichkeit geschafft, die Bedingungen seines Vereins zu professionalisieren. Auch die Heimspiele im alten, von Stacheldraht umzäunten Stadion werden bald der Vergangenheit anhören.

"Ich kann den Umzug kaum erwarten", sagt Matthäus, der mit der sportlichen Entwicklung ebenfalls zufrieden ist:

"Meine Spieler haben jetzt mit zwei Trainingseinheiten pro Tag keine Schwierigkeiten mehr. Die dachten Anfangs der Saison noch, ich spinne, als ich denen das erzählt habe. Aber jetzt entwickelt sich alles so langsam nach meinen Vorstellungen."

Lobeshymnen von Klubboss Jammer

Entsprechend begeistert ist Klubboss Daniel Jammer von seinem Freund. "Ich habe immer gewusst, dass Lothar das Zeug dazu hat, eine Mannschaft zum Titel zu führen", meint der Deutsch-Israeli.

"Lothars Arbeit hier sehe ich ganz realistisch als Momentaufnahme, weil ich weiß, das er das Zeug zu noch weitaus höheren Aufgaben hat. Ich traue ihm sogar auch mal eine Nachfolge von Jogi Löw als Bundestrainer zu."

Der so Gelobte gibt sich auch bei solchen Lobeshymnen neuerdings ungewohnt zurückhaltend. "Was soll ich mir jetzt den Kopf über andere Aufgaben zerbrechen? Ich habe hier meine Aufgabe, darauf konzentriere ich mich", sagt Matthäus nur.

Zumal ihm die letzten Wochen vor Augen geführt haben, dass es Wichtigeres als Fußball gibt.

"Bei aller Freude über Siege, ein Frieden in Israel wäre mir noch lieber, denn ich fühle mich mittlerweile sehr verbunden zu diesem Land."

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