vergrößernverkleinern
Didier Deschamps holte 1998 mit Frankreich als Spieler den WM-Titel © getty

Frankreichs neuer Nationaltrainer setzt das Team bereits bei seiner Präsentation unter Druck. Der Verbandsboss verteidigt ihn.

Paris - Ein Vertreter der "Goldenen Generation" lässt Frankreich wieder von großen Zeiten und weiteren Titeln träumen.

Nach der Ernennung des Welt- und Europameisters Didier Deschamps zum neuen Cheftrainer der Nationalmannschaft hofft die Grande Nation auf die Rückkehr an die Weltspitze.

Deschamps nährte am Montagabend die Hoffnungen auf einen Neubeginn bei seiner Vorstellung durch markige Worte nachhaltig.

"Ich will nicht drohen oder ähnliches, aber die Situation des französischen Fußballs hat sich dahin entwickelt, dass die Spieler keinen Raum für Fehler mehr haben. Sie dürfen sich keine Ausreißer mehr erlauben. Als französischer Nationalspieler hat man sich vorbildlich zu benehmen, das funktioniert aber nicht, wenn Spieler ihre persönlichen Ziele vor die Mannschaft stellen", sagte Frankreichs Ikone.

Verband vermeldet Vollzug

Seine Antrittsrede bestätigte die Erwartungen auch bei den Medien.

"Endlich", hatte die Sporttageszeitung "L'Equipe" den Coup des Verbandspräsidenten Noel Le Graet schon am Montagmorgen kommentiert.

Denn eigentlich hatte Deschamps schon nach seiner Demission bei Olympique Marseille für den Trainerposten beim französischen Verband FFF abgesagt. Am Sonntagabend meldete der Verband FFF dann doch Vollzug.

Viel Arbeit für Deschamps

Vor dem 43 Jahre alten Ex-Kapitän der Equipe Tricolore liegt tatsächlich eine Mammutaufgabe.

Die Spieler der französischen Auswahl sorgen in schöner Regelmäßigkeit für Skandale, das Team ist zerstritten und in der Heimat unbeliebt wie noch nie - Deschamps muss nach dem katastrophalen Auftritt bei der WM 2010 und dem Viertelfinal-Aus bei der EM 2012 den Scherbenhaufen zusammenkehren.

Doch es wird ihm zugetraut. (BERICHT: Nun doch - Deschamps wird Frankreichs Nationaltrainer)

Vorfreude und hohe Erwartungen

"Frankreich und Graet brauchen einen Trainer von solch großem Kaliber. Didier Deschamps ist noch sehr jung, aber er hat enorme internationale Erfahrung - als Spieler und Trainer", sagte der ehemalige Nationalcoach Michel Hidalgo: "Er will immer Perfektion. Das französische Team braucht das. Es wird ganz sicher etwas sehr Schönes dabei herauskommen."

Dabei soll der zweimalige Champions-League-Sieger nicht erste Wahl für die Nachfolge von Laurent Blanc gewesen sein.

Le Graet dementiert "Zweite-Wahl-Deschamps"

Und Deschamps schien es nach seiner Vertragsauflösung in Marseille nicht unbedingt eine Herzensangelegenheit gewesen zu sein, Franck Ribery und Co. wieder in die Weltspitze zu führen. Mehrere Tage brauchte Deschamps, damit aus seinem anfänglichen "Non" doch ein "Oui" wurde.

Zwischenzeitlich sollen Arsenals Teammanager Arsene Wenger und Omans Nationaltrainer Paul Le Guen den ihnen angebotenen Job abgelehnt haben. Le Graet dementierte jedoch: "Didier war unsere erste und einzige Wahl. Es gab keinen Plan B."

Viele Problemherde

Wie auch immer - die Probleme sind mannigfaltig. Gegen Hatem Ben Arfa, Yann M'Vila, Samir Nasri und Jeremy Menez hat der Verband FFF wegen Verfehlungen Disziplinarverfahren eingeleitet hat.

Der zwischenzeitlich bei der EM in Polen und der Ukraine entstandene Eindruck, Blanc hätte das Team seit der Skandal-WM 2010 in Südafrika geeint, war spätestens nach dem Viertelfinal-Aus gegen Spanien wieder Geschichte.

Giresse glaubt an Deschamps

Nun soll es Deschamps richten. "Er hat genug Erfahrung, um das französische Team auf das nächste Level zu führen", sagte der ehemalige Nationalspieler Alain Giresse: "Es war klar, dass die Chance für Didier einmal kommt."

Bereits in etwas mehr als einem Monat wird Deschamps sein Debüt als Nationalcoach geben. Sein Vertrag läuft erst einmal bis zur WM 2014 in Brasilien, bei einer erfolgreichen Qualifikation verlängert er sich bis zu Heim-EM 2016.

Messen lassen wird er sich allerdings vor allem an den Leistungen der französichen Welt- und Europameistermannschaft von 1998 bzw. 2000 - an denen er als defensiver Mittelfeldspieler maßgeblichen Anteil hatte.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel