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Diego Maradona trainierte von 2008 bis 2010 die argentinische Nationalmannschaft © getty

Argentiniens Fußball-Idol muss sich einen neuen Job suchen. Der Weltmeister von 1986 ist in Dubai als Trainer entlassen.

Dubai - Selbst in der Wüste war kein Platz für Diego Armando Maradona: Man kann nur vermuten, wie er, das strahlende Fußball-Idol Argentiniens, der Held der Vergangenheit, die Art und Weise seiner Entlassung aufgenommen hat.

"Al-Wasl gibt offiziell bekannt, dass die Zusammenarbeit mit dem Trainerteam beendet ist - einschließlich der mit dem Trainer Diego", schrieb der Scheich-Klub aus Dubai am Dienstagabend bei Twitter.

Eine schlichte Zeile im Internet - allein das dürfte für "El Pibe de Oro", den Goldjungen, schon Majestätsbeleidigung genug gewesen sein.

Nur ein Jahr war die argentinische Ikone Trainer des ambitionierten Wüsten-Klubs. Die "wunderbare Herausforderung", die Maradona gesucht hatte, war von Beginn an eine Achterbahnfahrt, ein großes Missverständnis.

"Dieguito" der Beste der Welt

Als Spieler war "Dieguito" einst der Beste der Welt und durfte sich auch so fühlen. 1986 führte er die argentinische Nationalmannschaft mit Zauberfußball zum Weltmeistertitel, in Europa machte er sich beim SSC Neapel unsterblich.

Als Trainer aber - und das war schon vor seinem Engagement in der Wüste klar - blieb der 51-Jährige bislang jegliche Rechtfertigung schuldig, auch absolut unantastbar zu sein.

[kaltura id="0_zku0m9ww" class="full_size" title="Maradona gefeuert"]

Differenzen mit Klub-Bossen

Unter seiner Regie hatte Al-Wasl in der Meisterschaft der Vereinigten Arabischen Emirate als Achter enttäuscht und außerdem das Endspiel der Golfstaaten-Champions-League verloren, nachdem Maradonas Team im nationalen Pokalwettbewerb schon im Halbfinale ausgeschieden war.

Differenzen mit den Klub-Oberen gab es schon vor der Trennung.

Mal ließ der exzentrische Argentinier verlauten, dass er mit dem verfügbaren Budget nicht arbeiten könne, dann verkündete er euphorisch, man möge ihm doch einen Vertrag auf Lebenszeit anbieten.

Ohne Polemik geht es nicht

Ohne Polemik geht es bei Maradona eben nicht. Ging es nie. Im ewigen Streit mit dem italienischen Fiskus forderte er zuletzt eine Entschädigung von 50 Millionen Euro.

Nachdem seine Bemühungen um eine Einigung mit den Steuerbehörden, die die Rückzahlung von 38 Millionen Euro verlangt hatten, gescheitert sind, sei eine entsprechende Entschädigung für den Imageschaden sowie für die Verluste mehrerer Verträge in Italien in den letzten zehn Jahren angebracht, hatte sein Rechtsanwalt Angelo Pisani gesagt. (486320DIASHOW: Transfermarkt international).

Völlig verrückt und blasiert könnte man das nennen. Wenn dieser kleine, dickliche und bärtige Mann dann aber traurig davon spricht, man habe ihm "vor allem 18 Jahre Liebe der Neapolitaner entzogen", erscheint das plötzlich vollkommen angebracht.

Unrühmliche "Hand Gottes"

Diese Methode funktioniert bei dem genialen Fußballer sein ganzes Leben lang.

Das absichtliche und eigentlich unrühmliche Handspiel bei der WM 1986 gegen England erklärte Maradona achselzuckend mit der "Hand Gottes", kurz nach einem Drogenentzug bat er mit "Drogen kann man nicht in den Griff bekommen, denn es sind die Drogen, die einen im Griff haben" um Mitleid - und bekam es.

Maradonas Zukunft bleibt offen

Welche Aufgabe Maradona als nächstes übernimmt, ist fraglich. Argentinischer Nationaltrainer war er schon. Bei der WM 2010 musste er von der Seitenlinie aus hilflos mit ansehen, wie die "Albiceleste" von Deutschland mit vier Toren zerlegt wurde.

Aber auch das hat man ihm in seiner Heimat wohl verziehen. Er ist ja schließlich Diego Armando Maradona.

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