Pariser Großangriff: "Bedrohung für die Fußballwelt"
Von Julian Buhl
Paris/München - Vielleicht wurde Nasser Ghanim Al-Khelaifi damals einfach nur falsch verstanden.
"Wir suchen den neuen Messi. Ihn zu finden, ist mein Traum", hatte der arabische Geschäftsmann der "Qatar Investment Group" nach dem Einstieg bei Paris St. Germain vor knapp einem Jahr gesagt.
Weitaus wahrscheinlicher als den kommenden Weltfußballer als Talent zu entdecken erscheint es momentan aber, dass er den aktuellen einfach kaufen wird.
Diese Botschaft sendete Al-Khelaifi, der seit der Mehrheitsübernahme durch den katarischen Investor als erster Ausländer das Präsidentenamt bei PSG bekleidet, zumindest mit seinen jüngsten Entscheidungen. (DIASHOW: Transfermarkt international)
Silva fix, "Ibra" wohl auch
Denn mit Thiago Silva hat Paris einen weiteren internationalen Topspieler für knapp 40 Millionen Euro vom AC Mailand abgeworben. Und damit nicht genug: auch der Deal mit Milans Zlatan Ibrahimovic für weitere 22 Millionen Euro ist fast perfekt.
"Bei einem derartigen Angebot kann man nicht nein sagen", sagte Milan-Chef Silvio Berlusconi und bestätigte damit den bevorstehenden Abschluss des Transfers.
Laut der Sportzeitung "L'Equipe" ist sich Paris mit Ibrahimovic bereits einig.
"Solche Deals sonst nur in England"
Dessen Berater Mino Raiola wurde bereits in der französischen Hauptstadt gesichtet und verhandelt wohl letzte Vertragsdetails. Im Gespräch ist ein Dreijahresvertrag, der dem schwedischen Starstürmer ein Jahresgehalt von 14,5 Millionen Euro einbringen soll.
Ibrahimovics "Ankunft bei PSG wäre ein besonderes Ereignis", sagte Raiola, "normalerweise finden solche Deals in England statt. Nun ist es auch in Paris möglich."
Mit dem Transfer würde Al-Khelaifi ein großes Ausrufezeichen hinter sein Vorhaben in Paris setzen. "Wir wollen erst zeigen, dass wir der beste Klub in Frankreich sind. Das nächste Ziel ist die Spitze in Europa."
Trotz Megatransfers Zweiter
100 Millionen wolle man in den nächsten fünf, sechs Jahren investieren, hatte Al-Khelaifi zu Beginn seines Engagements in Paris gesagt.
PSGs Sportdirektor Leonardo, der seinen Job im Sommer 2011 antrat, übertraf diese Summe allerdings bereits in der vergangenen Spielzeit. Unter anderem Javier Pastore, Thiago Motta, Alex und Maxwell lotste er damit an die Seine.
Aber auch die Verpflichtung des ehemaligen Chelsea und Milan-Trainers Carlo Ancelotti zum Jahreswechsel führte nicht zum sofortigen Gewinn der französischen Meisterschaft.
PSG musste sich am Ende der abgelaufenen Saison hinter Überraschungschampion Montpellier mit Platz zwei begnügen und damit weiter auf die erste Meisterschaft seit mittlerweile 18 Jahren warten.
PSG mit neuer Transferoffensive
Für die Pariser Verantwortlichen offenbar Grund genug, gleich die nächste Transferoffensive zu starten. Vor dem 62-Millionen-Angebot an Thiago Silva und Ibrahimovic wurde für die kommende Spielzeit bereits Ezequiel Lavezzi vom SSC Neapel für 26 Millionen Euro verpflichtet.
Mit Arsenals Theo Walcott soll bereits der nächste internationale Topspieler auf der Einkaufsliste stehen.
Den Pariser Transferaktivitäten scheinen keine Grenzen gesetzt. "Das ist eine Bedrohung für die Fußballwelt", sagte deshalb Christian Gourcuff, Trainer des Ligakonkurrenten FC Lorient gegenüber dem Radiosender "RMC Sport": "Vereine leben von den Geldern von Investoren. Wir müssen über das Gleichgewicht im Fußball sprechen."
PSG will Ibrahimovics Strahlkraft nutzen
Mit dem Ibrahimovic-Transfer würde PSG das des europäischen Fußballs jedenfalls nachhaltig beeinflussen. Es wird interessant zu beobachten sein, welche Strahlkraft das wahrscheinliche Engagement des 30-Jährigen in der französischen Hauptstadt haben wird.
Ibrahimovics Anwesenhenheit dürfte jedenfalls ein gutes Argument sein, Al-Khelaifis Traum zu erfüllen und einen kommenden Weltfußballer von einem Wechsel nach Paris zu überzeugen - vielleicht ja sogar für den aktuellen.