Überall nur Rost
Der größte Schädling unserer Volkswirtschaft sind weder Nikotin, Alkohol noch die Bayerische Landesbank.
Weit gefehlt, es ist die Oxidation von Eisen oder Stahl in Gegenwart von Wasser. Rost verursacht jährliche Kosten in Billionenhöhe.
Das untätige Vorsichhin-Gammeln hat nun auch den Fußball erreicht. Nehmen wir den durchschnittlichen deutschen Fan.
In der unendlich langen Saisonvorbereitung keine Impulse, keine Anregungen.
So dümpelt seit Wochen die immergleiche Frage durchs Hirn: Warum hat unser Repräsentant für Schönheitsprodukte von der Stange, formerly known as Jogi Löw, gegen Italien diese Aufstellung gewählt?
Bis heute keine Antwort. Da müssen die Synapsen ja korrodieren.
Und wer sich vom Saisonauftakt in Europas Ligen einen Sandstrahleffekt für die Fontanellen erhoffte, sah sich getäuscht.
Auf dem ganzen Kontinent knirschte und knarzte es wie in einem durchgefressenen Stoßdämpfer.
In Deutschland fliegen sechs Bundesligisten aus dem Pokal. In Frankreich reicht es für das neuerdings trilliardenschwere PSG zu zwei bemerkenswerten Remis in Folge. Immerhin noch ungeschlagen, Bravo!
Gerade in England blühte der Rost. ManCity und Chelsea mit mühevollen Auftaktsiegen. Arsenal dagegen nur 0:0 gegen Sunderland, Podolski in EM-Form.
Und Arsene Wenger verkündete nachher wie gewohnt optimistisch, dass man trotz der Abgänge von van Persie und Song hervorragend aufgestellt sei - genau wie in den letzten sieben titellosen Jahren.
Liverpool mußte beim peinlichen 0:3 bei West Brom feststellen, dass ein neuer Coach machtlos ist gegen die gammelige Personalpolitik der letzten Jahre.
Und Sir Alex Ferguson hat bei der Euro wohl unsere Nationalmannschaft zu genau studiert. Was nutzt all die prächtige Offensivpower, wenn du bei den Standards pennst?
Eine Ecke, ein Kopfball, ein Gegentor, 0:1 beim FC Everton.
Wo wir schon bei der "1" sind...
Während Joachim Löw auf seiner zackig vorgetragenen Pressekonferenz an die Wiedereinführung der Wehrpflicht gemahnte, beschäftigte sich José Mourinho bei seinem Bühnenmonolog wie gewohnt nur mit sich selbst.
Er sei nicht mehr "The Special One", sondern ab sofort "The Only One"!

Seit 1995 ist Uwe Morawe aus der SPORT1-Fußball-Berichterstattung nicht wegzudenken.
Der internationale Fußball ist dabei sein Spezialgebiet.
Lange kommentierte er die Kultsendung "LaOla".
Auch in der 1. und 2. Bundesliga sowie im Europacup war er mittlerweile bei hunderten von Begegnungen am Mikrofon zu hören.
In dieser Saison betrachtet er wöchentlich das Geschehen im internationalen Fußball in einer Kolumne mit leichtem Augenzwinkern.
Vorschnelle Journalisten deuteten diese Überhöhung mit der profanen Tatsache, dass Mourinho als Einziger bisher Meistertrainer in England, Italien und Spanien wurde.
Doch erst nach dem Saisonauftakt gegen Valencia wird Mourinhos genialer Masterplan deutlich. Der Egomane feilt an der perfekten Saison: "Only One Goal, Only One Point"!
Eine gesamte Spielzeit mit hochdiszipliniertem Fußball in jeder Partie exakt 1:1 spielen - das ist der Olymp, die ultimative Herausforderung für den einzig wahren Meistertrainer!
Soll der FC Barcelona doch mit großem Vorsprung den Titel holen - das würde verblassen gegen die Saison des "Only One"!
38 Ligaspiele "Only One Goal, Only One Point" - es wäre die Apotheose der Taktiktafel, die Gottwerdung des Allmächtigen "Mou"...
Euer Uwe Morawe