Festgeld schießt keine Tore!
Die Saison in der Premierleague ist gerade mal sechs Spieltage alt, und schon wälzt sich Arsene Wenger erneut im Hotelbett in Punxsutawney, um in den Tag des Murmeltiers zu starten.
Nach der Heimpleite gegen Chelsea ist klar: das wird auch im achten Jahr in Folge nix mit Arsenal. Same procedure as every year...
Und das alles nur, weil Wenger in seinem Wirtschaftswissenschaftsstudium zu genau hingehört hat.
Fußballclubs sind heutzutage keine Vereine mehr, sondern Wirtschaftsunternehmen. Dieser banale Stehsatz mag seine Berechtigung haben, in einem Punkt ist er allerdings grundlegend falsch.
Unternehmen sind dazu da, ihren Eigentümern oder Aktionären möglichst viel Gewinn zu erwirtschaften. Bei einem Fußballclub dagegen macht eine Beitragsrückerstattung für Vereinsmitglieder keinerlei Sinn.
Zumindest wenn die Infrastruktur wie Stadion und Trainingsgelände in Topzustand sind, ist Nettogewinn kontraproduktiv. Denn er offenbart, dass der Club zu wenig in möglichst schnelle Beine investiert hat.
So kommt es, dass ausgerechnet der FC Arsenal, dieser Musterschüler mit Note 1+ im Fach "Financial Fairplay", unter dem seltenen Krankheitsbild leidet: zu viel Geld!
45 Millionen Pfund Überschuss wies die letzte Jahresbilanz aus. Wow! Eine Nettorendite von über 10 Prozent würden am Aktienmarkt schlichtweg als Sensation aufgenommen werden. Im Fußball ist das pure Idiotie.
Denn Geld schießt nur in einem Zustand keine Tore: wenn es auf dem Konto liegt!
Bayern München hatte lange Zeit eine ähnliche Haltung wie der FC Arsenal: "Wir machen die Preisspirale nicht mit!"
Nun haben die Bayern begriffen, dass ein Transfer auch zu völlig überzogenen Konditionen einen Sinn ergeben kann, wenn er sportlich weiter hilft. Allemal besser, als sich an schmalen zwei Prozent Zinsen fürs Ersparte zu erfreuen.
Arsene Wenger hockt dagegen unverzagt wie Dagobert Duck auf seinen Scheinen in der Badewanne. Mit einer schwarzen Null in der Bilanz, dafür aber Fabregas und van Persie noch im Kader, wäre man weitaus besser aufgestellt.
Und wenn man die Superstars schon ziehen lassen muss, dann gilt es zu reinvestieren. Bei Arsenal dagegen lautet der teuerste Transfer der Vereinsgeschichte bis heute: 15 Millionen Euro für Andre Arschawin im Jahre 2009. Ein Witz in Anbetracht von 400 Millionen Euro Jahresumsatz.
Geholt hat man in den letzten beiden Spielzeiten viele gute Kicker, aber keinen einzigen Weltstar. Wo einst die Namen Tony Adams, Ian Wright, Patrice Vieira, Dennis Bergkamp oder Thierry Henry einen Heidenrespekt beim Gegner einflössten, schlottern bei dem Klang von Mertesacker, Podolski, Arteta, Gervinho und Carzola niemandem ernsthaft die Knie.
Welch bizarres Bild: der finanziell gesundeste Verein Europas könnte in dieser Saison selbst sein Minimalziel verfehlen. Die Plätze eins bis drei scheinen an die risikofreudigeren Manchester United, Manchester City und Chelsea vergeben. Und im Rennen um den 4.Platz hat Arsenal mit Tottenham und dem sensationell arbeitenden FC Everton starke Konkurrenz.
Es ist schon eine komplett skurrile Situation. Eigentlich müsste man die Gunners für ihre schneeweißen Bilanzen loben und Sponsorentum wie das Emirat Manchester City kritisieren.
Doch wer seine vorhandenen finanziellen Mittel nicht einsetzt und seinen Investitionsstau nicht auflöst, verliert im Business den Anschluss.
Ist eigentlich Basiswissen Grundstudium Wirtschaftswissenschaft. Hat einst wohl doch nicht so genau hingehört, der Arsene Wenger...
Euer Uwe Morawe